Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1904-06-01 · Heft 2 (Juni 1904) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1904) (Fortsetzung)
Issue
Heft 2 (Juni 1904)
Date
1904-06-01
Page
[Seite] (sequence 29)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3537599-3537631-3537633--0283-3538347
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

66 VI. Technische Hochschule Lemberg: 1894: 25 Juden unter 254 Christen 1895: 21 „ „ 248 „ 1896: 31 „ „ 324 Jüdische Zeitungen: 1. Lemberg: Wschod, Moriah; 2. Krakau: Die Gerechtigkeit, Ha-magid; 3. Jüdische Gemeinde- und Vereinszeitung, Kolomea. 4. Drohobyczer Zeitung. E. G. BÜCHERSCHAU. Hermann Heijermans: Ghetto, Schauspiel in 3 Aufzügen. — Ein Judenstreich. Randbemerkungen von Eugen Mayer (München). Indes von unedlen Marktschreiern, die im eignen Mund und in den Waschzetteln ihrer Verleger „Führer der nationalen Bewegung* heissen, das heilige Wort von der jüdischen Renaissance zur Scheidemünze herabgedrückt wird, wirft in stiller, rastloser Arbeit die Flut der Erneuerung ihre Wogen in immer neue Gebiete und Menschen. Ein bedeutsames Zeichen davon ist das Anschwellen der jüdischen Literatur in Westeuropa. Den neuen Geist freilich atmen die beiden hier zu besprechenden Heijermans'schen Dichtungen noch nicht; in der Kunst des holländischen Juden klingt vorläufig kein jüdischer Grundton, obgleich holländische und exiljüdische Stimmungen in ihrer Verträumtheit verwandten Charakter haben. Für uns ist aber weniger seine Kunst als seine Tendenz von Interesse. Wie sieht der Dichter die jüdische Frage und welche Antwort weiss er ihr zu geben? Die Art der Problemstellung ist in dem Schauspiel und der Novelle die gleiche. Die alte vertraute Geschichte: einem jungen Juden wird das Vaterhaus zu eng, er sehnt sich aus * der dumpfen Luft der Judengasse hinaus auf den breiten sonnigen Weg einer neuen Gemeinschaft, deren Ideale keinen Unterschied, kein Vorurteil kennen. Der tragische Konflikt wird in beiden Dichtungen durch die Beziehungen des Helden zu einer Frau aus fremdem Volk herbeigeführt. Für die damit berührte Tragik der Mischehe findet H. keine Lösung. Da er allerdings weder Psychiater noch Satiriker ist, würde es ihm schwer fallen, in die Untiefen der weiblichen Psyche hinabzusteigen. Max Kremer im „Judenstreich44 lebt scheinbar glücklich neben der geliebten fremden Frau, und beide bemühen sich — er mit Ueberlegung, sie instinktmässig — über das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.