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Der jüdische Student · 1904-06-01 · Heft 2 (Juni 1904) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1904) (Fortsetzung)
Issue
Heft 2 (Juni 1904)
Date
1904-06-01
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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,-,--55. Juden untereinander, wenn auch sehr geheim aus Furcht vor den Rabbinern, die dagegen streng verfahren. Manches Interessante liesse sich noch über die Sitten und Gebräuche der marokkanischen Juden sagen: aber eine weitere Ausführung dieses Punktes entspräche nicht dem Zweck dieser Zeilen, die in erster Linie ein Gesamtbild von den elenden und physisch wie psychisch ungesunden Verhältnissen der dortigen Juden geben wollen. Auch unterscheiden sich die Bräuche wenig oder gar nicht von denen der übrigen Juden des Orients. Passen wir das Gesagte zusammen, so hegt klar vor uns eine entsetzliche und in ihrem ganzen Umfange kaum zu begreifende Judennot in Marokko, und wir verstehen, was Nordau auf dem ersten Zionistenkongress zu Basel von den maurischen Juden sagte: „Die Aermsten haben nicht einmal mehr Kraft, sich gegen ihr Elend aufzulehnen. Sie tragen es in stumpfer Ergebung, klagen nicht und rufen unsere Aufmerksamkeit nur an, wenn der Pöbel in ihr Ghetto einbricht und unter ihnen plündert, schändet und mordet". Die Judenfrage besteht also auch für Marokko, und nun heisst es, die Lösung dieses schwierigen Problems zu versuchen. Die Alliance hat sich gewiss alle erdenkliche Mühe gegeben, ihrem Programme gemäss denjenigen, die in ihrer Eigenschaft als Juden leiden, eine wirksame Hilfe angedeihen zu lassen. Sie hat versucht, für den moralischen Fortschritt der Juden zu wirken, durch zahlreiche Gründungen von Schulen in Marokko und auf anderem Wege. Aber bei allem ihrem Eifer sind ihre Erfolge in den mehr als vier Jahrzehnten ihres Bestehens kaum nennenswert; und wenn auch hinsichtlich der Juden in Marokko immer wieder die Hoffnung ausgesprochen wird, dass in den steten Fürbitten bei den verschiedenen europäischen Gesandten und Konsuln Garantien für die maurischen Juden lägen, so muss doch betont werden, dass nach allem, was man hört und liest, die Aussichten recht trostlös sind. Marokko gibt den krassesten Beweis dafür, dass die Judenfrage in dem Lande des jetzigen Aufenhaltes der Juden nicht gelöst werden kann. Und da haben denn andere Kräfte anzusetzen. Bruno Kirschner.

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