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Der jüdische Student · 1904-04-01 · Heft 1 (April 1904) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1904) (Fortsetzung)
Issue
Heft 1 (April 1904)
Date
1904-04-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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-,- 21 KAHAL, CHEWRA UND DER »JÜDISCHE ARBEITERBUND«. Bis vor kurzem existierte kein umfassendes Werk über das obige Thema. Erst mit dem 1903 erschienenen Buche von Dr. Sarah Rabinowitsch: „Die Organisationen des jüdischen Proletariats in Russland" wurde die oft empfundene Lücke auf diesem Gebiete ausgefüllt. Es liegt nicht in unserer Absicht, die Vorzüge dieses Buches hier nochmals wiederzugeben. Sie sind von zuständiger Seite oft genug hervorgehoben worden. Wir setzen diese Schrift hierher, weil wir sie zur Grundlage eines grossen Teiles unserer Ausführungen gemacht haben und uns auf diese Weise aller Zitierungen und Verweisungen auf das Buch enthalten möchten. Bevor wir uns der Behandlung unseres eigentlichen Themas zuwenden, mögen einige Streiflichter die Zeit der Entstehung der ersten dieser Organisationen, des Kahal, beleuchten. Es ist das XIV. und XV. Jahrmindert, eine Epoche der Blüte, wie sie nie wieder in der Geschichte der Juden Russlands erreicht wurde. Sie erhalten durch Privilegien der Fürsten, deren besonderen Protektion sie unterstehen, das Recht, frei Gewerbe und Handel zu treiben, Grund und Boden zu erwerben, ihre Angelegenheiten autonom unter Appellation an den Grossfürsten zu regeln. Dies sind die Gründe für eine Assimilationsepoche, wie sie einzig dasteht: Die oberen Schichten nähern sich immer mehr der Schlachta; ein Teil derselben tritt zum Christentum über, ein anderer ist nahe daran dasselbe zu tun. Die soziale Differenzierung droht die Bande, die die jüdische Nation zusammenhalten, vollständig zu sprengen. Da tritt gegen 1450 ein Gegner auf, der sich dem wirtschaftlichen Aufschwung der Juden hemmend entgegenstellt. Es ist dies die polnisch-litauische Zunft. Diese befindet sich in keineswegs glänzenden Verhältnissen. Mit der patrizischen Städteverwaltung zerschlagen, mit dem mächtigen Feudaladel im offenen Gegensatze, kommt der Jude als Blitzableiter im wirtschaftlichen Kampfe gerade recht, zumal da die jüdische Konkurrenz zu derjenigen gehört, gegen die man am leichtesten ins Feld ziehen kann. Religiöse und Rassenvorurteile sind mächtige Bundesgenossen der Handwerker! So folgte auf die Zeit der Blüte eine Epoche der Verfolgung, die mit der vollständigen Verbannung der Juden aus Litauen im Jahre 14^5 endigte. Das drohende Gespenst der fortwährenden Gefahr

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