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Der jüdische Student · 1904-04-01 · Heft 1 (April 1904) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1904) (Fortsetzung)
Issue
Heft 1 (April 1904)
Date
1904-04-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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DAS NATIONALE BEWUSSTSEIN. Eine psychologische Analyse von Emil Cohn. M o ttp^, Mordochai bückte sicnV^5r Haman „denn er hatte ihnen gesagt, dass er ein Jude sei." Esther III, 4. In allen Zeiten ist es Pflicht jedes Juden, sich vorzustellen, als sei er selbst aus Mizra'im gezogen. Denn es heisst: Du sollst deinem Sohne an diesem Tage so erzählen: Deshalb ist dieses, weil mir Gott Gutes getan hat bei meinem Auszuge aus Mizraim. Nicht unsere Vorfahren allein hat der Heilige, gelobt sei er, erlöst, sondern er hat auch uns mit ihnen erlöst, wie es heisst: Auch uns hat er von dort herausgeführt, damit er uns bringe in das Land, das er unseren Vätern zugeschworen, und es uns gebe. Pessach-Haggadah. Die Grundlage aller Vorgänge des menschlichen Willens ist der Trieb nach Einheit und Harmonie. Man frage nicht, was wir unter Einheit und Harmonie verstehen. Wir können es nicht sagen. Noch niemand hat dies Ziel erreicht, und niemand wird es erreichen. Es ist das grosse X unseres Lebens. Die einen nennen es das kausale, andere das metaphysisch absolute, wieder andere das transzendentale Element im Menschen. Wir sagen Einheit oder Harmonie. Der Grund wird bald klar sein. Warum wird die Harmonie niemals erreicht? Die grossen Negationen unseres Lebens sind die Antwort darauf. Wir sind in Raum und Zeit beschränkt. Wir leben in den engen Grenzen eines Organismus von gemessenem Umfange und sterben nach gezählten Tagen. Diese beiden Hauptnegationen unseres Daseins tauchen in ihren Millionen Formen und Variationen an dem Spiegel unseres Bewusstseins in ewigem Wechsel auf und nieder. Daraus ergibt sich jene stete Unrast in unserem Geistesleben, jene immerwährende Wechselwirkung zwischen Wollen und Handeln, Streben und Erreichen, Wunsch und Erfüllung, auf welcher der Fortschritt der Menschheit beruht. Ein Fortschritt, der nie enden wird. Denn der Fortschritt der Menschheit, der sich in Entdeckungen und Erfindungen aller Art kund tut, ist auch ein Fortschritt des Menschengeistes. Mit jeder neuen Entdeckung erhält der Geist eine gesteigerte Sehkraft auf neue Horizonte, mit jeder neuen Erfindung wird der Sinn geschärft, dort neue Rätsel zu finden, wo er sie früher nie geahnt. Wohin

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