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Der jüdische Student · 1912-04-22 · Heft 1 (22.4.1912) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 1 (22.4.1912)
Date
1912-04-22
Page
[Seite] (sequence 30)
Language
German
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28 Der Jüdische Student seltenen Versuche, einige speziellere Funktionen des jüdischen Gefühlslebens zu entdecken, und es ist immerhin merkwürdig, daß ein besonderer ethischer Zug der Juden öfter und von ganz verschiedenen Voraussetzungen aus hervorgehoben wird. Vielfach scheinen die Propheten, Spinoza, Marx daran schuld zu sein: wer denkt denn heute noch daran, seitdem die Theologen immer auf die Propheten deuten, daß die Bibel, etwa in der Genesis und den Büchern Samuel, Stellen einer wundervoll anschaulichen Erzählungskunst enthält — vor hundert Jahren stand das im Vordergrund des Bewußtseins —, oder daß uns in Kohelet einer der ersten Feuilletonisten erhalten ist! Aber auch mit Beziehung auf das moderne Judentum wird dieselbe Auffassung festgehalten: hier liegt für uns zum mindesten ein Problem vor. Wie viel Problematisches noch da vorhanden ist, wo eigentlich schon ein konventionelles Urteil feststeht, zeigen die Auffassungen der gesellschaftlichen Steliung der Juden in Frankreich und Amerika einerseits und in Deutschland andererseits. Sombart erklärt, daß bei uns die Reibeflächen und der Antisemitismus am geringsten, andere, daß sie hier am größten seien. — Die Blindheit der meisten liberalen Juden und Nichtjuden ist erstaunlich, aner einem Assimilationsjuden mit einer Weltanschauung, die vorgestern das Neueste und hochaktuell war, blieb es vorbehalten, die Beurteilung der Genies der letzten Jahrtausende von ihrer Stellung zum - Monismus abhängig zu machen : ein unfreiwilliger Beitrag zur Psychologie des deutschen Judentums. Als solch ein unfreiwilliger Beitrag sollten die Judentaufen überhaupt gelesen werden. Die „Zukunft der Juden" sollte man besitzen, um das Buch zu Propagandazwecken ausleihen zu können; auch wird man es den Füxen im I. Semester als Privatlektüre geben. * * Trietsch, Palästina-Handbuch, 3. Aufl. Jüdischer Verlag 1912. Preis 3.— M. — Schachtel, Zionistisches Merkbuch, 3. Aufl. Jüdischer Verlag 1912 Preis 20 Pf. Diese beiden ausgezeichneten Informa ionsschriften sind in neuer wesentlich vermehrter und veränderter Auflage erschienen. Beide gehören zum eisernen Bestände der Bibliothek jedes V. J St-ers; das Palästina-Handbuch bildet die Grundlage für die Ausbildung der Füxe in palästinensischer Landeskunde In der Burschenprüfung muß man d.e genaue Kenntnis seines wesentlichen Inh lts verlangen. Ueber d;e Institutionen der zionistischen Organisation informiert das Merkbuch in aller Kürze erschöpfend; einen großen

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