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Von deutsch-jüdischer Jugend · 1925-12-11 · 3 (11.12.1925) · p. Seite XII

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Journal
Von deutsch-jüdischer Jugend
Volume
1 (1925)
Issue
3 (11.12.1925)
Date
1925-12-11
Page
Seite XII (sequence 4)
Language
German
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XII Chanukka - ein Janal! Don Benno Gotischalk (Berlin). ' Chanukka — das Wort klinat auf. und in uns Kindern der Gegenwart den E n k el n der einstigen Makkabäer, ertönt eine gewaltige Sinfonie: ein Jauchzen und Klagen. Verzweiflung und Jubel. Demütigung und heldischer Stolz! Chanukka — und uns umbracht der gewaltige Chor eines ganzen Volles: Greise und Junge, Lanner und Frauen, ja selbst die Kinder, sie verneigen sich zu einem einzigen Wort: 9t ein! Nein! und abermals nein! Und doch ist alles das nicht so seltsam, nicht alles scheinbar so widerspruchsvoll? Chanukka — und vor uns steigen gewaltige Kämpfe auf, gewaltige Siege, steigt Blut auf u n d Töte n und Fallen und Sterben! Mit dem Schwertstreich des Matthatias fing? an. der Kampf der 800. er war ein Abschnitt, Kämpfe folgten, Schlachten entschieden. Und doch heute noch die Begeisterung. die von Jahr zu Jahr immer mehr anschwillt? ^ind nur also dock) nicht die Gemeinschaft des Friedens, doch nicht die Gläubigen des sieghaften Geistes, doch nicht die Nachfahren dessen der sprach: „N i ch t du rch Nt acht, n idj t d u rch Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht der, ewige Zebaoths, etn Wort, das wir gerade am Chanukka lesen? Und wir zumal, die deutjchfühlendeu Juden, deren Lebensbestinumnug der Kamps sein must und deren Lebensglück der Kampf sein soll meinen wir doch den Kampf mit dem Schwert, find wir doch am Ende die Juden der Rache und nennen uns deshalb gern Makkabäer? Aber nwnn dem so wäre, das W e s e n des Chanukka i m Kriegsühren läge, müßten wir dann nicht den ..jüdischen Krieg", den Inden vier Jahre fast gegen Nom geführt, müßten wir nicht den B a r k o ch b a - A n s st a n d , der ein Jahr lang fast " .. . ' ' .o Ja, heit noch gegen die Armen, weshalb nicht ausschließlich der Ton des Triumphes? — Wenn dem so wäre, weshalb wird das Wort ,,M a k - kabi" nicht nur durch das Wort „Hamm rer" erklärt, sondern auch durch den alten Vers „Mi chomaucho" — wer ist dir gleich, o Ewiger" und durch das Jude der Stammväternamen?^ — Wenn dem so lväre, würde dann gerade das Licht das Symbol sein, unter welchem wir unser Fest begehen, das Licht, das ja keine Beute getvesen, sondern an die L e mp el r e i n i g un g erinnert? — Wenn dem so wäre, dürften dann gerade wir deutschen Juden das Fest in lauter Begeisterung feiern, da ja schließlich aus all jenen Kämpfen, all jenem Leiden und jenem Sterben neujüdisch-nationales Sein entsprang — wenn freilich auch nur für begrenzte Zeit? Nein, dem ist nicht so. Und ohne Bedenken können wir für alle, die damals kämpfend und nichtkämpfend starben, die g l e ich e riefe Bewunderung hegen. Für die Kampsenden allerdings deshalb nur, weil es die G l u t der Idee geivesen. die ihnen das Schwert in die Hand gedrückt, sei es der religiösen und nationalen, aber ohne Verbindung mit Machtgedanken. Die Form, in der sie ihre Ideen „verfochten", mag vielleicht zeitgemäß gewesen sein oder die einzig mögliche Antwort für einen Feind wie Autiochus. Wir können uns in echtjüdischem Geiste heute für diese Form nicht mehr begeistern. Und daran kann auch der Umstand nichts ändern, daß damals das Schwert die Freiheit gebracht. Aber was bleibt, ist wahrhaftig genug und berechtigt uns, von dem Fest zu sagen: Chanukka, ein Fanal! Ja, ein Fanal in dem dreifachen Sinn, der sich im Worte Makkabi verbirgt: Makkabi, der H ä m in t m! Makkabi, der g o t tbeg e i st er te Jude! Makkabi. der Enkel der e i n st i g c n Ahnen! Makkabi, der H ä m m e r e r! Tenn auch ohne Säbelrasseln und Blutvergießen — hier liegt die Entscheidung jedes menschlichen Daseins: ob es Hammer oder ob es Amboß fein will, hier aber liegt ja auch ein Symbol für unsere ganze Geschichte. Hämmerer zuerst, Amboß sodann, und jetzt Hammer und Amboß zugleich! Ja, wir waren die Hämmerer der alten Zeit, waren es vor allem in jenem Mose, dessen geistige Funken, dessen geistiges Sprühen, besten sausende Schläge aber vor allem — nicht des Armes und nicht des Schwertes — eine Welt des Dunkels in Trümmer geschlagen! Und dann waren wir Amboß in all den Zeiten und durch all die Dinge, die jeder kennt — freilich ein Amboß — und das ahnte man nicht —, auf dem das Eisen, gegen das mau gehämmert, nur immer -härter und härter wurde. Und jetzt sind und sollen und trollen wir sein: Hammer und Amboß zu gleicher Zeit! Ja, hier liegt die Berechtigung, hier liegt der Grund, daß und weshalb uns der Name Makkabi — auch ohne Blutrausch und Hurragelüste — immer wieder und immer wieder begeistert, auch uns, die deutsch eingestellten Inden! Es ist dieser Sturm von Freiheitsgefühl, es ist dieses Glückatmen in nuferem Sein, es ist diese Seligkeit, daß wir vns wehren, indem wir die besten Leistungen zeitigen, die unfern fttaften möglich sind. - Und Makkabi, der g o t t b e g e i st e r t e Jude, auf dessen Fahne das Moses-Wort stand: „Wertst wie du unter den Göttern, c Ewiger!" — Tiefe echte jüdische Hochstimmung, die nur die Gegner als HlÄynut anseheu, die aber immer das Gegenstück war zu unendlich tiefer Bescheidenheit, diese Vereinigung herrlichen Gegensatzes, der noch immer das Zeichen des Genius gewesen — man muß ihn einnral völlig erleben, um von da aus sich selbst und auch den Makkabäer ganz zu begreifen. Hier klärt sich die Frage der Auserwähltheit, hier zeigen wir jedem Gegner die Grenze, die der „Assimilation" fün immer gesteckt ist. Ja, jene Griechtinge und Hellenisten, welche zum König ülxwliefen, sie sind noch honte bemitleidenswert. Sie waren so unkomplizi-erte Naturen, daß sie nie den Widerspruch lösen konnten, der sich im Prophetenwort offenbart: „Wer bin ich" und „Ich werde mit dir sein" — oder „Ich bin noch so jung, ich kann nicht reden" und „Bevor ich dich bildete, Hab' ich erkannt" oder „Nach mir, ich vergehe" und „Hier bin ich, schicke mich". — Man muß in der Tat makkabäerhaft groß, makkabäerhaft stolz und demütig sein, um derartiges beglückt zu erfassen und um am Wesen jener Berauschten von neuem gvtttrunken jüdisch zu werden. Und Makkabi, der Enkel der e i n st i g e n Ahnen, der sich die Endbuchstaben ihrer Namen auf seine triumphierende Fahne schrieb — gleichsam, als wollte er an das Ende den neuen glücklichen Anfang setzen. Und mögen wir ihnen dann darin gleichen, daß auch wir ein Geschlecht des Anfangs sind, auch wir, die deutsch eingestellten Inden, und unter uns wieder vor allem die Jugend. Ja, des Anfangs iiu Sinne des Matthatras. der die Bewegung entfachte mit seinem Worte: „Wer den Bund hält, der folge uns!" Des Anfangs nn Sinne des Jünglings Juda, der den Nest der Seinen mit den Worten anfeuerte: „Fern sei es von mir, vor ihnen zu flielsin! Wir lassen unfern Ruhm nicht beschimpfen!" — Kann man noch fragen, was uns dentschsühlende Juden an den Makkabäern begeistert? Nicht F l u ch t i st de r N u h m , unser Bund ist die Ehre — der Bund mit Gott, der Bund mit der Heimat, unserer trauten, dev deutschon Heimat! — Geben auch wir denn ein Losuugswoc-. aus! Fangen wir alle auch wieder an! Lassen wir Chanukkaseuer lodern, aus daß wir es selbst und die anderen erkennen: Chanukka, ein Fanal! Ein Fanal der Hämmerer! Ein Fanal unserem Gotte! ^guZas-Iesi'oLl-IugsnZorgamsatwn. Von Lco Munk und Sasse. In der Ncikie der Sclbstdarstellungen der Jugendorganisationen tragen wir heute die der Führer der Aguda?-Iisroe!-Iügendorganisatiou nach. Die Lchrisllcitung. Die Weltorganisation der Agudas Jisroel erstrebt die „Lösung der j e w c i l i g e n G e s a m t h e i t s a u s g a b e n des durch die T b o r a konstituierten jüdischen Volkes i in G e i st e d e r Thora". (Beschluß der Gründungsversammlung Kattowitz 1912.) Die Jugendorganisation der Ägudas Jisroel ist ein Teil dieser Weltorganisation. Sie hat dementsprechend die Ausgabe, die Jugend mit den Ideen der Thora vertraut zu machen, derart, daß sie Leitfaden und Triebfeder ihres ganzen Denkens und Handelns werden. Es soll ein Geschlecht erzogen werden, das alle persönlichen Lebensfragen und alle Erscheinungen im Leben des Judentums und der Gesamimenschheit nur vom ' ~ v ‘* " ■ #1 v rw r " " ' " ' gleich, von diese sationen der Agu! folgen, so sind naturgemäß die Wege zu diesen Ziele:/ in den" einzelnen Ländern ganz verschieden, Ties ist einerseits die Folge der verschiedenartigen Jugenderziehung, anderseits die Verschiedenartigkeit in den äußeren Lebensverhältnissen. Wir in Deutschland finden eine Jugend vor, die über die Geschichte ihres Volkes und in der Lehre ihres Gottes außerordentlich wenig orientiert ist, während in anderen Ländern sowohl Elternhaus wie die Schule die innigste Fühlung des Kindes mit den Lehren seines Volkes und mit den Ideen des jüdischen Gesetzes bewirken. Sowohl durch die Schulgesetze als auch durch den steten Verkehr in einem nichtjüdischen Milieu wird dem jüdischen Kind in Deutschland eine Atmosphäre geschaffen, die weit ab liegt von dem Ideal, dem es zustreben soll. Es gilt daher in den meisten Fällen, die Jugend erst einmal mit den Ansangsgründen der Lehre, der Gebete und der Gebräuche des Judentums vertraut zu machen. Eine besonders schwere Ausgabe haben diejenigen zu lösen, die in den Landgemeinden das Ideal der Agudas Jisroel zu verbedürsnis ist. haben wir es als unsere vornehmste Ausgabe betrachtet, Bezirkssekretariate zu gründen, deren Aufgabe es ist, regelmäßig die angeschtossenen Gruppen zu besuchen, dort durch Unterrichtsstunden und Vorträge belehrenden Inhalts, Tiskussionsabende und Treisahrten unsere Bestrebungen lmwpitun, und wir haben im Laufe der letzten Jahre aus diesem Gebiet, Gott sei Tank, allenthalben Erfolg gehabt. Veranstaltungen bezwecken, die Jugend mit den Forderungen des Tages und der Stellungnahme zu anderen jüdischen Weltanschauungen und Organisationen im Sinne der Thora vertraut zu machen. Die G e s a m t h c i t s a n s g a che n , von denen die Rede war, beßranken sich nicht auf das oben ^lizzierle, 'sondern es treten mannighe Probleme sozialer (Vermittlung von Stellen mit der M ö g t i ch k e i t der S a b b a t h e i l i g u n g) und fürsorgerischer Art auf. Es erscheint daher verständlich, daß wir uns bemühen, die ganzein Deutschland wohnende Jugend, die sich der Thora und den übrigen oben angeführten Bestrebungen widmen will, in den Kreis unserer Aufgaben zu ziehen, und keinerlei Grenzen der Herkunft kennen. Organisatorisch untersteht die Agudas-Jisroel-Jugendorganisation den leitenden Stellen der Gesamtorgamsalion, dem Geschästssührenden Ausschuß und dem Nabbinischeu Rat. Sie wird geleitet von dem Orgonifationsvorstand, zurzeit Sitz Köln, Vorsitzender Leo Munk, Händelstraße 19. Der Leitung unterstehen zurzeit zirka 100 Gruppen mit st b e r 2 0 0 0 M i r g l i e d e r n,

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