Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 48 (27.11.1925)
- Date
- 1925-11-27
- Page
- Seite 753 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ze/lin, 27. NovrmöLr r-25 lV. Jahrgang o Nr. 4S Clnjdnummsrr IS Gol--fen.iiz L.'N;SWAM WIWZM 1 WWbKW WWHÄWÄWM §7:0ue!sLbonnement <9 Goldpscnn.ig zuLÜgUch Briiessgeld Z^U^sri-esimS Lsirumtz äss Oudenrums! Drttag U. Odjtlftldiunn: Berlin SW 68, Llnd-errstr. 13. Frrns^cher: Amt DLnhoff 8394, 8595. Postfchrckkonk: Berlin 5S47L. Dankkonts.' Dresdner Dank, DeWr» i ftuhe O, Berlin Sw KL. L'>ndrr:ftr. 7. und von Goidschundt-NothschUd & Co., Berlin \V 8. I Ksseintgs An^kgenannahme: Dnnonern.Expedition Rudolf Mosse, Berlin SW 19, und fccrcujfiltaicu. Bnzeigenvcerse: OLL JLH für bCe 7gefpülUae Zelle nctth Rudolf Mo lies - riormnlLLklenmeilec Nr. 4, Favnlieua^eigcn und SleLengesuche (nidjt CicUeitaiißcl>ote) für u-ütöliedrr d. Lenrcaivcrcinü 0,Ls JIM. die SO mm dceilL vUvUuncsük 4L0 JU&« , rJ^äZISSul iü flr ^j)«0 O O KJS o o Von Dr. Hans ICaliscls (Berlin). Del tetx jetzt täglich zunehmende:: völkischen D e r Q n ft n l i u ti q c n i in ganzen Reiche hat tot nach» folgende lehrreiche Aussatz Anspruch auf besondere Bedeutung. Die S ch r i s 11 c i 1 u n q. .- In den größten Saal der groben Stadt strömen die Tausende. Männer und Frauen, Alte und Junge, und ganz besonders ganz Junge. Der berühmte Redner der Völkischen aus der Hauptstadt will üder das sprechen, „w a? n n s not* tnt\ — und er spricht, Er spricht nicht schlecht, erwirkt, weil er selbst überzeugt ist, und bald sieht man. wie der Teil der Zuhörerschaft, in dem die Beamtenschaft und die Schüler der oberen Klassen der Eymnanen (denn diese fehlen niemals bei derartigen Versammlungen) vertreten sind, aufmerksam und immer ausmerksamer zuhört, während die anwesende Arbeiterschaft sich wesentlich kritischer verhält. Bon den anwesenden Juden wird wohl hier und da Widerspruch laut, aber er bleibt machtlos. Es ist eine der wenigen Versammlungen, wo die Veranstalter uiciU schon von vornherein Juden ausgeschlossen lnrbcn, aber so weit geht ihr Politisches Anstaudc-gesühl nicht, daß sie imstande wären, einen jüdischen Gegner auch noch ruhig auzuhören. ' Der Redner spricht und mahnt zur Selbsteinkehr des Volkes, zur Einigung, zur Reinigung. Und damit ist er da angelangt, wo er hinwitt. Das Volk must sich von Fremdkörpern freimachen, und nun ist er bei der Judenfrage. Und schon ist er dabei, ansei nanderzuietzeu. wie es sich um eine fremde Rasse mit Gefühlen und Eigenschaften handle, die sich mit dem Deutschtum schlechthin nicht vertrügen. Da er über» zeugen will, bringt er dann, auch Zeugnisse, daß zu allen Zeiten die großen und verständigere Männer diesen Kegensah znm Judentum empfunden hätten, und ciue ganze Weile hört uran nichts als: „schorr Tacitus fühlte../, „schon Luther wußte", „auch Friedrich der Große ../, j ,K a n t hat gesagt... /, „bekannt ist, daß 2 ch open- I Hauer../, „F ichte sagte .. /, „B ismarck hat wohl gewußt.. /, „5)i ottfe schreibt.. /, „von Goethe wissen wir.. / und so geht es lociicr fort. Staunend hört nran zu. Die Akademiker — es ist erstaunlich, tvieviel Richter,! Staatsanwälte und Stil dien rate man in solchen! Versammlungen treffen kann — spitzen die Ohren. Sie hätten selbst nicht geglaubt, sich mit ihren antisemitischen Gefühlen in s o guter Gesellschaft zu befinden. Es ist zwar bei manchem lange her, daß er Kant oder Goethe gelesen hat, Und mancher hat Kant ülxwhaupt nie gelesen, — aber was der Redner sagt, wird schon stiunnen I Es ist eine Herzstärkung, das zu hören, und die Jungen vollends, die Primaner, ja auch Sekundaner, sind ganz hingerissen vor Ehrfurcht, wie viele Großen im Geiste für die antisemitische Gesinnung reklamiert werden können. Und selbst unter der Arbeitersämst sieht tmut erstaunte Gesichter. Verlaßt man den Saat, so liegen auf Tischen ausgebreitet, gedruckte Werke: Jla n t und die Juden*. „Goethe und die Inder/, „Schopenhauer und die Inder/, „Fichte und die Juden", .Luther und die Jude r/ und dergleichen mehr, aus denen mm: dann ersehen kann, wie alle großen Männer Judengegner gewesen seien. Und ans dem Nachhausewege sagt der völkische Obmann des Bismarckbundes zu seinem Mitschüler aus der Prima, der bis dahin noch nicht recht überzeugt war: „Nun, willst du nicht jetzt zu uns übertreten, nachdem du das alles gehört hast?" Und der Zionist Meyer sagt zu seinem Eentratveremssreunde Eohn: ,LZist du noch immer nicht geheilt, wo du jetzt gehört hast, daß die Leute euch gar nicht wollen?" Hat M eh er rech t? Es ist ein gefährlich Ding mit Beweisführungen in Volksversammlungen. Nicht immer reicht die Zeit aus, das, was man sagen null, zu begründen, noch weniger, Falsches zu widerlegen. Hat denn der Redner recht gehabt? Sind denn die Leute, die er nannte, und wenn es nicht zwölf, sondern dreißig oder vierzig gewesen wären, und wenn diese Angaben auch alle richtig wären, sind sie denn ausreichend, um das Urteil zu begründen, daß die geistigen Führer Deutschlands die Juden ablehnten? Gibt es denn irgendwo eine maßgebende Ausstellung ül>er die Zahl der bedeutenden Mariner eines Volkes? Sind es 200, sind LZ 800, sind es 1000, die nur herzählen können? Läßt sich überhaupt von jedem einzelnen seststellen, wie er über die Juden gedacht hat? Die ganze Art der Beweisführung ist nämlich eilt Irtcf. . Es ist gar nicht so schwer, eins Anzahl Rainen bedeutender Leute Zusammenzustellen, bie WrrS 5SM Dvhagö .. und die ../ Von £>r. Hans Katlsch (Äerlln). KurfürflendLMm und Alexanderplütz. Eine zeitgemäße Betrachtung. Von Dr. Kurt Zielenztger. Seite 255. Das aMlVHlle Volk. Von Professor Dr. H Skeinihal. Seite 252.