Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 42 (16.10.1925)
- Date
- 1925-10-16
- Page
- Seite 681 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Verlkn, 16. Gktober 1H25 IV. Jahrgang ❖ Hr. 42 Einzelnummer 10 Golöpfennrz MW^MENMWW.^ { \tS22SS23 Monalsabormement 40 Goldpfennig \ v zuzüglich Bestellgeld Verlag U. Cchriftleitung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. Fer stube G, Berlin SW 68, MM KW Y*>j ,WaZ der Mensch liebt, das ist der Mensch*. Meister Eckhart. Sehr verehrter Herr Wilhelm Schäfer! Wenn Sie diese Zeilen 31t Ende gelesen haben — und ich hoffe. Sie werden die darauf verwandte Zeit nicht als vergeudet ansehen — werden Sie gewiß begreifen, warum gerade ich, dem seit langem vergönnt ist, dann und wann in guter Stunde ein Wort mit Ihnen zu sprechen, an Tie schreiben muhte und warum gerade an dieser Stelle. Sie haben es, verehrter Meister, für notwendig und wichtig gehalten, ans Ihrem mahnenden und — wie alle Ihre Werre') — verantwortungsbewußten Buche: „Ter deutsche Cott" ein Kapitel zu entnehmen und gesondert zu verbreiten, das über „Tie deutsche Judensrage", ans der Erkenntnis heraus, daß sie zu den wichtigsten Problemen dieser Zeit und insbesondere dieses Landes gehöre, weil sie wie keine die seelische Crundverfassung eines Volles berührt. Und wer könnte mehr berechtigt sein im heutigen Tentschland des Geistes, als Sie, eben hierüber die rechten Worte zu sagen, und zu beanspruchen, gehört zu werden, der Sie stets die großen Fragen unseres nationalen Seins von hoher Warte aus zu schauen bestrebt waren, der Sie — bedeutsam — das hulnane Symbol Ihres Pestalozzi-Romans und die Bücher der deutschen Seele geschaffen haben! Wissen Sie — und ich darf es hier sagen —, daß ich Sie jüngst den guten Geist der Rheinlande nennen mußte? Warum ich dieses Wort glaubte für Sie prägen zu können, brauch Ich Ihnen selbst nicht erst zu erklären; aber daß Sie hier im Rheinland nun überall fehlen, wo es um Knlturdinae geht, das sei einmal ausgesprochen, null, da Sie am Bodensee in Stille und verdienter Ruhe sitzen, die ragenden, hochgemuten Gipfel täglich vor Augen ... Ich nmßte das vorausschicken, um die rechte Atmosphäre für das Eigentliche 31t schassen. Wir können dies ja zu meinem Bedauern nicht Auge in Auge miteinander und zueinander reden, wie es sich gehörte, sondern müssen es gewissermaßen vor aller Oefsentlichkeit über Fernen hinweg,'so daß Stimme und Mick nicht das, was ich gegen Sie Vorbringen möchte, mäßigen können. Aber nur ist trotzdem nicht bange -darum, daß Sie nach verstehen werden. Um endlich zur Sache zu kommen: Sie haben, verehrter Wilhelm Schäfer, sich zwei von den Argumenten 31t eigen gemacht, die völkische Einseitigkeit itnb Überheblichkeit, die Sie selbst ablehnen, auf allen Märkten gegen uns Juden vorbringt,. kommen dann aber mit seltsamer logischer Brüchigkeit die wohl gefühlsmäßig bedingt, doch zu einem Schluß, der uns freuen und mit Genugtuung erfüllen kann. Sie ziehen — um kaufmännisch-juristisch zu reden — einen a) Wilhelm Schäfers Stellung und Bedeutung im deutschen Dichterkrcise bedarf feiner näheren Kennzeichnung. Ban seinen zahlreichen Werken seien nach „Tie unterbrochene Itheinsahrt^ und „Tie Rhein- Wen", „Karl , Staussers Lebensgang^, „Tie Halsbcmdgeschichle" und „Liebenstag eines Menschenfreundes" genannt. Saldo, der vielleicht richtig ist; dessen einzelne Posten aber zu bemängeln sind. Z u n ä ch st lehnen Tie die S p r a ch g e nt einschaft a l s nationales Bindemittel ab, um z u beweisen, daß uns Inden die Volte Gemeinschaft m i t den n i ch t j ü d i s ch e n Volksgenossen fehle, u n d z n. m andere n behaupten Sie, wir seien schlechthin Intellektuelle und d a m i t ohne w e i t e r e s i n t e r n a t i 0 11 a l. Gewiß, Sie kommen auf anderein Wege, aus anderen Motiven zu Ihren Sätzen, als das antisemitische Kleinzeug; allein wir haben es hier nur mit den Resultaten zu tun, die aus eine urteilslose Menge wirken können, und darum müssen sie nachgeprüst und richtiggestellt werden. LH, ich stehe nicht blind vor unseren Fehlern, ich vermag die Tinge objektiv genug zu sehen, bin nicht vom „Gruppenwahn" befallen, wie Franz Lp Pen heim er sagen würde, und Sie kennen mich immerhin gut genug, um mir dies glauben zu können. Sie behaupten als Ariom, ein Volk, ein Volk von heilte, sei bedingt nur vom Rassenmäßigen^und nur der dürfe sich zu ihm rechnen, der der gleichen Rape sei wie die Mehrzahl seiner Menschen, stellen sich also, wie ein Züchter von Tieren, auf den kraß Physiologischen Standpunkt: während es doch Tatsache ist, daß die heutigen großen Volksgemeinschaften gar nicht bestehen könnten, wenn das psycho-musikalische Moment der Sprache und damit der Gefühl-.- und Schicksalsverbundenheit nicht wäre. Tie Sprache, behaupten Sie, sei ein Rassen- und damit ein Volksmerkmal!-- Nichts, verehrter Herr Wilhelm Schäfer, machte mich so staunen, wie dieses Wort des Irrtums gerade aus Ihrem Munde, dem eines repräsentativen Dichters unserer Tage. Was, glauben Sie, würde Richard De hure l dazu gesagt haben? Sie erklären, wir hätten „lediglich völkische Merkmale, wie die Sprache, übernommen". Lediglich, nur die. . . Sprache! Wie dursten Tie, Von Fakob picarb (Köln). Von Fusiizrak Falk (Köln). Serie 653. Felix Liebermann. Von 3. Slbogen (Berlin). Seiie 684.