Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 38 (18.9.1925)
- Date
- 1925-09-18
- Page
- Seite 625 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2277379-2277569-2277607--02425-3537364- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
berlin, 18. September 1H25 IV. Jahrgang » Ne. 38 Einzelnummer 10 Sol-pfennig Um WDEMMMZ. Tronaisaboimement 40 Goldpfennig zuzüglich Bestellgeld ^U^srnnSirrs Lsilurn^ des Gudenrums Verlag u. Schriftleitung: Berlin SW 68, Lindsnstr. 13. Fernsprecher: Amt DLnl)off 3594,3ü95. Postscheckkonto: Berlin 304 72. .:. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube 6, Berlin SW 68, ßincciiftr. 7, und von GokdschnndL-Noths.yild L Lo., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expcdition Rudolf Masse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,00 JIM für die 7gespaltene Zeile nach Rudols-Mosses Normalzeilenmrster Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Cenlralvereins 0,45 JIM, die 90 mm breite Reklainezeile 4,80 JUL. OTim Gefährliche Sorglosigkeit. / vom Antisemitismus Zum Ksemitismus. Mitarbeit für die Allgemeinheit. / Unterstützung kleiner Gemeinden. Gin kraftvoller Rabbiner- und Lehrerstanö. Die Not im Osten. / Geste Hilfe an Ort und Stelle. X Der jüdische Mensch der Zukunft. Rausch-Hasch on o ist ein ernstes Fest. Uno das gilt nicht nur von seiner theoretischen Wertung, nichlmnir von der religiösen Stimmung, die ihm entströmt. Tie Tatsache, daß wir zur Zeit des Jahresbeginns allch im j ü d i s ch e n LebendesTages Umschau halten, ist nur geeignet, seinen Ernst 311 mehren. Wer jüdisches Leben nur in kleinen Ausschnitten sieht und bewertet, wer die Erreichung von Parteizielen mit blühendem jüdischen Leben verwechselt, mag freilich nicht unzufrieden sein. Wer aber das jüdische Problem als ein Ganzes erfaßt und insbesondere die allenthalben verspürbare Gleichmäßigkeit jüdischen Schicksals nachdenklich betrachtet, jenes Zusammentreffen von heftigen äußeren Angriffen mit innerlicher Schwäche und Zersetzung, empfindet das Niederdrückende und Unwürdige unserer Lage in den Tagen stiller Einkehr besonders stark. Das schlimmste an unserer Lago mag sein, daß große Scharen von Juden — insbesondere im engeren Kreise unserer Gesinnungsgenossen — DptimvAnns mit Sorglosigkeit verwechseln und den Antisemitismus vernichtet und versthwnnden wähnen, wenn es keine Pogrome gibt. Wahrer Lptimismus ist subjektiv und gründet sich ans das Vertrauen zum eigenen Willen und zur eigenen Kraft, er ist ein Zeichen eines berechtigten S e l b st b e w u ß 1 sein s. Die Sorglosigkeit unseres öffentlichen Lebens vertraut aber auf W u n d e r, aus die man dem Gebote der Religion gemäß sich nicht stützen darf. Gewiß ist der wüsteste R a d a u a n t i s e m i t i s m n s abgeflaut, zumal seitdem die eigentlichen reaktionären, vo!lsbedrückenden Judenfeinde mit Schrecken feststellen mußten, daß die betont jndcnfeindliche Agitation insbesondere der Nationalsozialisten — schon diese Wortverbindung ist in ihren Angen ein Greuel — auch soziale Instinkte im arbeitenden Volke erweckt. Aber wenn nun brave jüdische Spießbürger sich aus diesem Grunde friedlich zur Ruhe legen und den Beginn der allgemeinen Menschenverbrüderung für gekommen erachten, so sind sie in einem v e r h ä u g u i s v olle n Irrtum. Denn der Antisemitismus ist in eine Phase getreten, die in gefährlicher, rußiger Arbeit auf ein völlig asemi tisch es, von jüdischen Einflüssen also ganz freies deutsches Kulturleben hinarbeitet. Tie Parole heißt nicht mehr Auseinandersetzung irnd Bekämpfung, sondern glatte Trennung! Das Beispiel der Hochschulen und des studentischen Lebens, wo der Ausschluß der Juden ein vollkommener ist, soll auf andere Gebiete übertragen werden. Beim Alpen verein ist er so ziemlich geglückt, bei der Deutschen Turnerschast ist der Versuch noch mißlungen, beim Verein für das D e u t s ch t u m imAuslande gleichfalls, bei letzterein freilich mir deshalb, t weil es eine gar Zu offensichtliche politische Narretei gewesen wäre, die zahllosen jüdischen Träger der deutschen Sprache im Auslande vor den Kopf zu stoßen. Aber die gleichen Symptome sind überall verspürbar. Der Kampf wird von der Gasse dorthin verlegt, wo man den Juden nicht so offensichtlich, aber doch nachhaltiger trifft. Und insbesondere ist zwar im W i r t s ch a s t s l e b e n der Ruf „Kauft nicht bei Juden" verstummt, aber zähe Kräfte sind am Werke, stillen, vernichtenden Boykott durchzuführen, und das Beispiel Pommerns — es ist aber nicht vereinzelt — sollte jedem Juden die Augen össnen. Der Antisemitismus ist wirklich an vielen Stellen über* wunden, um einem A f cm itis ntu s das Feld zu räumen, der das Zusammenarbeiten mit Juden zu unterbinden versucht, in der sicheren Erkenntnis, daß einer solchen äußeren Trennung ein Auoeinandergehen in den Kultnranschauungen folgen muß. Damit wäre dann die F r c m d h c i t der Juden, von der heute der Nationati-anus redet, eine Tatsache! Abschluß muß geroiß - auch außerhalb des Rahmens des rein Religröstm - oft sein! Unsere Anschauung unterscheidet sich von der nationaljüdischen aber dadurch, daß für sie der Abschluß eine Frage des Prinzips, für uns aber nur eine solche der Taktik ist! Er muß insbesondere dort sein, wo ein Zusammenwirken mit der Ehre des jüdischen Me rischen nicht mehr vereinbar ist. Sonst ist aber — J4j ❖ "i Unsere Aufgaben lm neuen Zahre. Von £>r. Felix Goldmann (Leipzig). Wellerneuerung / Seelenerneuerung. Von Vabbiner Dr. Weiße (Berlin). S.62S. WaS sollen unsere Kinder werden? S.ezo. Zum eigenen Leben. Von Ernst Lissauer. S. 632. Beilage: Von deutsch-jiidlscherZugend. Nr.d. -"«SK’sa?