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Central-Verein-Zeitung · 1925-09-04 · 36 (4.9.1925) · p. Seite 593

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
36 (4.9.1925)
Date
1925-09-04
Page
Seite 593 (sequence 1)
Language
German
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Serliti, 4. September 1925 IV. Jahrgang •> Nr. 35 Einzelnummer 10 Gol-pfennig Monatsabonnement 40 Doidpfennig V yh Allgemeine Zeitund des Judenrums zuzüglich Bestellgeld Derlaa u. Schriftleitung: Berlin 68, Lindenstr. 13. .». Fernsprecher: Amt Dönhoff 3504, 3595. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube G, Berlin STV 68, lindenstr. 7, und tion Goldschinidt-Nothschild & Co., Berlin \\ 8. Meiniae Anieiqenannahme: Annoncen-Erpeditlon Rudolf Moffe, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses P w ° rrv i ^_* r __■ -"l _ . L. ^11 7.. »4; V CTT> \ 4 [USäi* >s (VAnffrtlnArnlnÄ Ci .4 O Ü .Sin. OH rr\ rr\ U f<\* tl? o , ck RH >? ST Von /töam Nööer, M. ö. & Der Znsantmenbrnch der Ttinnes-Werke — man muß wohl von einem solchen reden — hat nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen wirtschaftlichen Welt großes Aussehen erregt. Das darf gewiß nicht wundernehmen. Tenn in ihnen war verkörpert die stärkste Massierung industrieller und kapitalistischer Machtmittel, eine einzigartige Konzentration von Unternehmungen aus den verschiedensten geschäftlichen Bezirken. Es liegt nicht in der Absicht dieser Arbeit, der Konzentrationstendenz des modernen Jndnstriekapitalismus kritisch untersuchend näher zn treten. Es handelt sich vielmehr darum, den ^tinnesschen Werdegang im Rahmen gewisser soziologischer Begleiterscheinungen zu betrachten, die sich ganz von selbst und "ohne Zwang sozialpolitisch auswirken. Es gehörte noch vor 1s und 20 Jahren emit eisernen Inventar völkischer und rechtsstehender Agitation. die Konzentration indusiriealistisch-tapitalistischer Machtmittel als eine Spezialform des „jüdischenMammonisrnus" anzusprechen. Man erinnere sich nur des Kampfes gegen die Warenhäuser. Nicht, daß dieser Kampf überhaupt geführt wurde, ist das Charakteristische — ich selbst habe als Wirtschaftspolitiker jede nicht in der Natur der.Unternehmung begründete Massierung des Geschäftlichen bekämpft — sondern, daß man auch hier wieder den Kamps ans die Nebengleise der Agitation gegen das Judentum schob —, daß man die Volksgenossen mtt der Darstellung verheilte, als seien derartige Gründungen nicht automatisch aus dem Wesen kapitalistischer Unternehmung entstehende Aktionen, sondern bewußte Spezialteistungen des „jüdischen" Kapitalismus. Mit dieser Agitation wurde die antisemitische Verhetzung in die Kreise der Handwerker und Gewerbetreibenden getragen. Daß - sie dort beklagenswerte Erfolge erzielt hat, wird niemand bestreiten. Nun, die Warenhäuser bestehen und die wirtschaftliche Wett hat sich mit ihnen abgefunden. Der Wirtschaftspolitilcr wußte, daß lange vor der Gründung deutscher „jüdischer" Warenhäuser es in New Jork, Paris und London solche Einrichtungen gab, die von den Unbefangenen als natürliche Erscheinungen des Großstadtbetriebs imb des Großstadtbedürsnisscs bewertet wurden. , Die Opposition gegen das Warenhaus verstummte, als die Offiziere von Heer und Marine ihre Warenhäuser einrichteten, Konsumvereine und landwirtschaftliche Geuossensthastswarenhäuser gegründet wurden, die der Verdrängung des Tetailisten ebenso Vorschub leisteten wie die Warenhäuser des kapitalistischentDetailhandels. AberderantisemitischeNnhefsekt war erzielt und behielt seine Nachwirkung bis auf den heutigen Tag. Allmählich setzte die Konzentration der Betriebe ans fast alten Gebieten der industriellen Unternehmungen ein, und es ging nicht wehr gut an, aus diesen Gebieten von einem spezifischen jüdischen Kapitalismus zu sprechen. Die großen Unternehmungen in Industrie, Bank, Handel, Gewerbe holten sich ihre Aussichtsräte aus den Kreisen des Adels, der Generalität, des höheren Beamten- und Gelehrtentums, der parlamentarisch organisierten Parteien.- Damit war .der Widerspruch der führenden Kreise gegen Kapitals- und Jndustriekumulierungen gebrochen und der Antisemitismus mußte sich andere Sparten der Beschäftigung aussuchen, was er mit Erfolg getan hat. war man kcins, so leiht man eins. Die nämliche Erscheinung zeigt sich auf denn Gebiet des Zeitungswesens. Tie „verjudcte Presse", die das Volk beherrscht und zugunsten der „jüdischen Zwecke" die Menge beton und irresührt, war das gängigste und zugkräftigste Schlagwort. Vergebens der Hinweis daraus, daß die Zahl der „jüdischen Kapitalisten, der „jüdischen" Verleger und der „jüdischen" Journalisten eine verschwindend geringe ist und die große Mehrzahl führender Blätter in Hauptstädten nnb Provinz nichts mit dem Judentum zu tun habe. Die „verjndete Presse" blieb bis vor kurzem ein Ariom der antisemitischen Propaganda. Gedankenlos wurde die These von Millionen nachgesprochen und von Gebildeten zu einem Stimulans ihrer politischen Einstellung gemacht. Ta erschien Hugo Stinnes auf dem Plan und schuf eine Konzentration der Betriebe ins Maßlose, wie sie in Deutschland noch nicht erlebt wurde. Eine Zeitlang schien es, als wollte dieser Napoleon der wirtschaftlichen Machteroberung die ganze deutsche Großproduktion in seine Hand bekommen/ Nicht nur nach den gewerblichen Unternehmungen aller Gattungen streckw der Gewaltige seine Hand ans, a n ch n a ch den Zeitungen. Große, führende deutsche Blätter kamen in feinen Besitz, oder waren von ihm tnid seinen Vertretern abhängig. Und diew Zeitungen schlugen alle einen Rechtskurs ein. „Rechtsstehende" Redakteure, deren es vorher kaum zwei Dutzend gab, schossen wie die Pilze ans der Erde; sie hatten plötzlich ihr konservatives und — wie es verlangt wurde — ihr mehr ober weniger heftig klopfendes antisemitisches Herz entdeckt. re :■ v T > v f.a Ser Aal; Slmnes. Von Adam Vö'der, M. d. J\. „Ghila" und „Mewli". Von Ludwig Holländer. Seite 595. Freventlich Spiel mit dem Heitigsten. Von Vabbiner Dr. Friedrich Voteles (Oemmelödorf, Oberst.) Seite 592. Frauengedanlen und Religionsunterricht. Don Dost Graeher (Krischanowih bel Breslau). Seite 600.

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