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Central-Verein-Zeitung · 1925-08-28 · 35 (28.8.1925) · p. Seite 581

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
35 (28.8.1925)
Date
1925-08-28
Page
Seite 581 (sequence 1)
Language
German
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tV.Iahrgang * Nr.35 Llnzelnummrr 10 GolSxfenNTz" Allgemein© £eiiuri{£ des Oudenrums .... Dönhoff 3594.3595. Postscheckkonto: Berlin 30472. Bankkonto: Dresdner Dank, Wechsel« und von Goldschrnidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. laenannabme» Annoncen-Ervedition Rudolf Moste, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90für die 7gespa!tene Zeile nach NudolfMostee^ser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 0,4a JZM, £>ie 90 mm breite ReUamezeNe 4,80 J^V., plonalsdLorrnement 40 Goldpfennig Die Unruka Der äußere Verlauf öes Zwniftenkongresses Seine Leyren. Wien, 23. August 1925. L Seit Luegers Zeiten, also seit mindestens 28 Jahren, ist Wien Schauplatz starker judenfeindlicher Umtriebe. Die^sogenannten Großdeutschen, aus Offizieren, Beamten und Studenten im wesentlichen bestehend, stützen sich auf den „Rassenstandpunkt" und verbinden diesen mit den üblichen Beigaben aus Fritschs Rüstkammer. Aenßerlich ruhiger, aber innerlich viel gefährlicher ist der Judenhaß vieler Wiener, sogenannter Christlichsozialer. Bon Lueger ursprünglich als „Mittelstandsbewegung" begründet, ist für diese Bewegung im besonderen seinerzeit das Wort vom „Sozialismus der dummen Kerle" geprägt worden. Führende Kreise Wiens, leider auch kirchliche Zirkel, haben sich der Judenhetze bedient und tun es heute noch, um ihnen unangenehme wirtschaftliche und politische Ereignisse nach außen hin zu verdunkeln. Auch in den letzten Wochen hat es solche Ereignisse gegeben. Darum verbündeten sich große Teile der Wiener Ehristlichsozialen mit den Großdeutschen und deren hakenkreuzlerischem Anhang, um gegen den Zionistenkongreß Sturm zu laufen. Die auf ein judenfeindliches Programm gewählte Negierung hat den Zionistenkongreß willkommen geheißen und ihm volle Sicherheit verbürgt. In der Volksvertretung über diesen Willkomm vor Wochen befragt, erklärte sie, den Judenfeinden müßte der Zionistenkongreß ja sehr liegen, „denn er wolle doch auf eine Auswanderung der Juden hinarbeiten". Eine nette Begründung einer freundschaftlichen Einladung! Daun aber wurde — angeblich unter ausdrücklicher Billigung des früheren Bundeskanzlers Seipel, dessen Taten in jüdischen Dingen keineswegs mit seinen Versprechungen einig gehen, — die Volksseele gegen den Zionistenkongreß zum Kochen gebracht. Die in den Tageszeitungen geschilderten Vorfälle des letzten Montag und Dienstag hatten im Gegensatz zu der absichtlich gefärbten Schilderung der Wiener Presse einen durchaus pogromartigen Anstrich. Sie waren von wüster Gemeinheit. Wenn sie verhältnismäßig ruhig verliefen, so konnte dies nur sein, weil die Wiener Polizei mit einen: Aufgebot von mehreren taufenb Mann in Ruhe und Opfermut für Verhinderung des Schlimmsten sorgte. Zn diesem Schlimmsten wäre es sicherlich gekommen, hätte nicht Polizeipräsident Schober in untadliger Pflichterfüllung für energischste Bekämpfung der Pogromiften Sorge getragen. Jetzt wird er von der großdeutsch-antisemitischen Presse offen, von christlichsozialer Seite im Geheimen bekämpft. Warum nur irn Geheimen? Weil diese Kreise für den Ruf Oesterreichs im Völkerbunde fürchten, weil sie nach außen von den Judenfeinden nicht gern auf der Ringstraße gegrüßt werden. Wenig angenehm ist die Stellung des größten Teils d e s W i e n e r I u d e n t u m s zu diesen Dingen. Tie „Großjuden" halten es zum Teil mit den Christlichsozialen und unterstützen sie auch gelegentlich bei Wahlen — es ist das alte Schutzjudenverhättnis. Tie Jüdisch-Nationalen waren namentlich in früheren Jahren von einer starken Verblendung in ihrer Agitation, und die große Masse der Juden ist blind, taub und empfindungslos, bis ihr die Fenster eingeworfen werden. Statt mit Nachdruck sich zu vereinigen und mit restloser Tatkraft für Ehre, Namen und Eigentum zu kämpfen, läßt man die Dinge an sich herankommen, um vielleicht erst daun sich straff zu organisieren, w e n n e s z u s p ä t i st. II. In solcher Lage ging man zum Eröffn ungsabend des 14. Zi o n i st enko n g r e ss e s. Hatte die Basler Bevölkerung anläßlich des ersten Kongresses in den Straßen Basels „Hoch die Juden" geschrien, so war jetzt das Gegenteil zu erwarten, beängstigte Gesichter sah man überall. Dichte, doppelte und dreifache Poüzeiketten ließen nur gänzlich Unverdächtige zur Stätte des Kongresses, dem Konzerthaus, Vordringen. Im Hanse das bei -solchen Ereignissen übliche Geschiebe und Gedränge der Tausende, die sehen und hören wollen, im großen Konzerthaussaale eine Stickluft, welche Tag für Tag den Aufenthalt erschwerte, im Dorhofe eine Messe, ein Postamt, fliegende Verkäufer, ein wildes Durcheinander, das durch Ordner aus der zionistischen Jugendbewegung und Saaldicner mühsam im Zaume gehalten wird. Die Verhandlungen finden bisher in deutscher, englischer, holländischer und hebräischer Sprache statt. Meist \m ii § A § m $ nt) 4 Sit! 3n Wien. Von Ludwig Holländer. An die Eitern und die Jugend. Vonvr.mcä. Franz Hirsch (Ulm). Seite 535, Äiien und iO. Von Äörrieö Freiherr von Münchhausen. Seite 586.

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