Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 32 (7.8.1925)
- Date
- 1925-08-07
- Page
- Seite 537 (sequence 1)
- Language
- German
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Serlln, 7.Mgusi./-25' IV. Jahrgang * Nr.32- Elnzelnrrmmer 10 GolOpfennig ‘ +T •>■rf’C*?■¥<£ } M-VLLLÄLV i^sa1 tJUnölfölon-ntnun! <0 ©olbpfetmlfl zuzüglich Bestellgeld Allgemeine Z-eixun^ des Oudenrums ßertäfl und bchriftleltuna: Berlin BW CS, Lindenstr. IS. .. Fernsprecher: Amt Tönhoss 3591. 8"9X /. ©antlonto: Dresdner Sani, Wechselstube G, Berlin SW 68, Lindenstr. f, inib von Goldschmidt-Rothschild & Co.. Berlin \V8. Alleinige Nnzciaenannahme: Annoncen. Expedition Rudolf Masse. Berlin 8W IS. und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 Eoldmarl für die 7 gespaltene Zeile naS rrudoü Mostes Nonnalzeuenmester Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Derrins 0.40 Goldlnark. die so nun breite Reklaluezcile 4.80 Doldrnarr von vr. § 11 i k Golömann (Leipzig). MMOL Daß es bei uns Jubelt übermäßig friedlich zngehe, hat man niemals behaupten tonnen. Orthodoxe wie Liberale, Natwnaljnden und ihre Gegner haben sich jederzeit mit Eifer und Ausdauer betänrpft, und in der Hitze des Gefechts ist manches Wort gefallen, das zartbesaitete Gemüter ersthrecten konnte. Keine Partei hat das übermäßig tragisch genommen. Erst dem Verbände n a t i o n a l d e u t s ch e r Juden war es Vorbehalten, neue Wege zu gehen. Ten stärksten nnd nachhaltigsten Eindruck aus einer Entgegnungsschrisll) auf die jüngst in diesen Blättern besprochene Broschüre') von Marx macht entschieden die Feststellung, daß der „Lästerer" Eisfeld vor dem Schöffengericht Eharlottenburg, noch dazu am 7. Dezember 1923, wahrscheinlich um die Mittagszeit, seine Lästerungen geaen Naumann und seinen Verband mit dem Ausdruck des Bedauerns zurücknehmen mußte, der „Lästere F o e r d e r ist — mit Grauen sei sestgestettt, was Peyser leider verschweigt, auch vor dem Schöffengericht Eharlottenbura— zu 150 (in Worten: einhundertfünfzig) Mark Geldstrafe mit Publikationsbefugnis verurteilt worden. Und „bei Herrn Dr. Jakod Marx, dem Rechtsanwalt, kehren alle diese von Herrn Eisfeld zurückgenommenen Be- 5!auptungen ausnahmslos wieder". Wie entsetzick! Auf Wiedersehen, Jakob Marx, an der neuen Wellanschauungsprüfungsstette, beim Schöffengericht Eharlottenbura! Und wen verschlingt der Orkus nach dir? Holländer? Mich? Das Schicksal erfüllt sich, weithin langt die erbarmungslos strafende und rächende Hand des Schöffengerichts Eharlottenburg! - Ob sich der Schösfenrichter in Eharlottenburg bei der Erledigung der Angelegenheiten, die der Verband 'uationaldeutscher Juden ihm zur Entscheidung unterbreitet, sehr langweilt, tpeiß ich nicht! Ich vermute es! Tenn auch er wird wahrscheinlich das Empfinden haben, daß Weltanschanungsfragen nicht durch Gerichtsurteile erledigt werden. Obwohl Galileo Galilei man verzeihe den Vergleich — im Jahre 1633 zu mir unbekannter Zeit und Stunde vom päpstlichen Schöffengericht gezwungen wurde, seine ketzerische Lehre von der Umdrehung der Erde abzuschwören, dreht sich besagte Erde unbegreiflicherweise trotzdem noch .immer! Und solche Tatsachen verkennt Tr. Alfred Peyser! Es gibt in jeder Bewegung Momente oberflächlicher, untergeordneter persönlicher und'formeller Natur, die dem ernsthaften, denkenden Menschen herzlich gleichgültig sind. Hinter ihnen stehen erst die wirklichen Probleme! lieber erstere kann das Schöffengericht Eharlottenburg entscheiden, über letztere urteilt der forschende, sinnende Verstand, urteilt me Geschichte! Und das i st das Bedauerliche und Verfehlte an der P eh s er s ch e n Broschüre, daß sie — abgesehen von wenigen schwachen, kaum angedeuteten Ansätzen — lediglichsol che Punktebehandelt, für re saftetet* (!). Berlin W, Verlag von National deutsche Juden und i k> Eine Ctreltschrrft von Dr. Alfred Peyser. T A l b e r t E o l d s ch m i d t. n.2 *"%? 2 * utsche 9 udentum und feine jüdischen G e ß - «et. Von Dr. Jakob Marx. Berlin, Phil.-Verlag. die eventnelldasSchöfsengericht Charlottenb u r g z u ft ä n d i g w ä r e. Tie Hälfte der Broschüre beschäftigt sich mit Marx, und zwar mit seiner Person! Vielleicht — ja sicherlich — ist es nicht ganz die Hälfte, aber wenn man sich vorstellt, daß Peyser mich auf diese meine unzweifelhaft falsche Angabe hin der Leichtfertigkeit, der Unwahrhaftigkeit und der Lästerung bezichtigen würde, um den neuen Fall dem rettenden Hafen des Schöffengerichs Eharlottenburg entgegenzusteuern, so ist die Methode des nationaldcutschen Kampfes glänzend charakterisiert. Es geht fast immer um Nebensächlichkeiten. Ob Naumann den ganzen Eenkralverein oder nur seine Leitung nebst feinem Anhang zu den Z w i s ch e n s ch i ch t - lern rechnet, ist für das Normalempfinden wirklich sehr gleichgültig. Ob die Taufe für den na'tionaldentfchen Juden der Uebertritt zum Tcutschtum „war" (wie Naumann sagt) oder „i st", wie Marx — angeblich tückisch fälschend — zitiert, x)t bei der offenbaren Nichtigkeit der Tatsache selbst dann furchtbar unerheblich, falls sich Marx im Zitieren geirrt haben sollte. Die hierauf bezüglichen Sätze von Peyser, de^en komische Grandezza seine und seiner Freunde irrige Bewertung der Tatsachen so herrlich kennzeichnen, seien aber des Spaßes halber in ihrem Sperrdruck unseren Leiern übermittelt: „Herr Doktor beider Rechte und R e ch t s a n w a l t Jakob Nt a r x, Inhaber zahlreicher E h r e n ft e l l e n! Ich erinnere mich an den tiefen Sturz (!!!) eines U n i v er s i t ä t § d o z e n t e n, der wegen einer ähnlichen U m r e d i g i e r u n g seines Amtes enthoben wurde und sich nie rehabilitieren konnte/ Selbst auf die Gefahr hin, daß auch gegen mich das Schössen- Von Dr. Felix Soldmann (Leipzig). Don Dr. Jakob Marx l^arlöruhe). Seite 540. Seite 542.