Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 31 (31.7.1925)
- Date
- 1925-07-31
- Page
- Seite 525 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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SerUn, 31. Jul! 1925 IV. Jahrgang ❖ tte. 10 Gol-xfeiinlZ i i fisrÜsaS'/diiBm cJj MtzrÄss srMWW. Monatssbonnemenk 40 ©olbpfnmtfl «uzüglich BeMseld M^MHLeLWDMMMMWZWLM Allgemeine Zeitung des Oudeniums Derlag und Schriftleituna: Berlin 8W68, Lirrdrnftr. 18. .. Fernsprecher: Amt Dönhost 859-L 05. .'. Danlkonto: Dresdner Dan?, Wechselstube G, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschrnidt-Rothschild & Eo., Berlin W8. rMeiniae Anzeigenannahme: Annoncen. Expedition Rudolf Mosse. Berlin 3W 19. und deren Filialen. Anzeigenpreise: O.SO Goldmark für die 7 gespaltene Zeile naS Nudolj MofseS Rormalzeilenmefser litr. 4. Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder de- Tentral-DereinS 0.45 Goldmark. die SO min breite Reklamrzerle 4.80 Goldmarr von Doris Vkttner. J5F1 t£} ❖ Augenblicklich fliegt der Ruhm der Schauspielerin Elisabeth Bergner über Welt und Meer. Nicht allein, daß sie in Berlin dank ihrer „Heiligen Johanna" die vollsten Häuser, die begeistertsten Kritiken und den Enthusiasmus aller Kreise erzielt hat, war sie auch kürzlich in London und hat von dem Schöpfer ihrer suggestiven Rolle, Meister Vernarb Shaw, Ehren, Gastfreundschaft und Liebenswürdigkeit in Hülle und Fülle eingeheimst. Aber auch sonst spielen die Bürger der weltbedeutenden Bretter zurzeit eine noch lebhaftere Rolle, als ihnen ihr Berus bestimmt. Der Sturm im Wasserglase, genannt „Prominente wider Gagenkonvention", Icifst den Blätterwald aufgeregt brausen und rauschen. Und die ^N a m e n , die in diesem sensationellen Streit mit einer gewipen Regelmäßigkeit wiederkehren, haben vielfach einen gewissen, sie gemeinsam verbindenden Zug: das ist der ihrer Abstammung. Karl Emil Franzos, der dichterische Herold des Ostjudentums, hat in seinem großen Roman „Ter Pojaz" die erschütternden Schicksale des armen Schnorrersohnes Sender Glatteis gemalt, der ein großer „Spieler" hatte werden wollen, und dem die chassidische Weltanschauung den Weg zur deutschen Sprache, zur westeuropäischen Kultur und zur weltbürgerlichen Kunst verwehrte, weil dieser Weg den Augen seiner Umgebung als Pfad der Abtrünnigkeit und des Abtrünnigen erschien. Gleiche Kämpfe wie Sender Glatteis haben viele derer zu bestehen gehabt, die späterhin in zwei Welten Ruhm und Ehre gewannen. So stark war oft der Drang des Juden — und zwar vielfach des östliche n Juden — zur Schaubühne, für die vielleicht gerade er sich, dank der genialen Beweglichkeit seines Geistes, insbesondere eignet. Die Theatergeschichte der Kulturvölker flicht dem jüdischen Darsteller Kränze unverwelklichen Lorbeers. Künstler, wie Bogumil Dawison, Ludwig Desioir, Adolph Sonnenthal, Siegwart Friedmann, John Braham, Nikolaus Nothmühl, Leopold Demuth, Conrad Löwe, Ludwig Barnay. Alexander Strakosch, Emanuel Reicher, Emil Thomas, Gustav Kadelburg, Rudolph Schildkraut und Julius Lieban; Künstlerinnen, wie die Rachel, Pauline Lucca, Giuditta und Giulia Grisi, Friederike Bogner, Sarah Bernhardt, Hermine Telia, Jenny Groß, Therese Rothhauser, Lea Beeth, Irene Triesch, Lia Rosen, Maria Orska, Fritzi Massary, Elisabeth Bcrgner und viele andere, haben ihre Namen in die Annalen Thaliens mit unvergänglichen Buchstaben eingegraben. Aber auch als Theaterlei t er, als Revolutionäre und Reformatoren der Schaubühne, haben Männer jüdischer Abkunft eine wesentliche, ja, man darf wohl sagen, eine überragende Rolle gespielt. Es genügt, Namen zu nennen wie Bernhard Pollini, Jules Clar6ti, Raphael Löwenseld, Augelo Neumann, Gustav Amberg, H. Conried. H. Morwitz, Max Bachur, Dr. Th. Lvewe, Otto Brahm, Siegmund Lautenburg, Max Reinhardt, Felix Holländer, Carl Meinhardt. Eugen Robert, Leopold Jeßner und andere mehr, um zu wissen, daß fast jeder neue, wahrhaft große und aufrührerische Gedanke im Kulturstreben der Bühne jüdischem Geist entsprossen ist, und daß fast jede umwälzende. neue Maßstäbe schaffende Bühnentat von jüdischen Händen vollbracht ward. Wieso gerade der Jude so viel natürliche Veranlagung zur Vühnenkunst und fo viel leidenschaftliche Neigung für den Beruf des Schauspielers ins Leben mitbringt? Tie gewissenhafte Erforschung dieses Problems greift tief hinein in das Leben und Leiden des Judentums, in seine Sondereigenschaften und seine — immer von fremden Machthabern diktierten —* Taseinsbedingungen, aber auch in seine Gewohnheitsrechte und Sittengebräuche. Es ist ein historisches und p s y ch ologisches Problem zugleich. Dem ackerbauenden Juden Palästinas war das Wesen der Schaustellung naturgemäß fremd. Aber auch der exilierte Jude des Altertums, der Sklave Aegyptens und Roms, hatte noch keine innere Fühlung zu mimischen und musikalischen Künsten. Im Gegenteil, er hegte einen durch feine religiösen Gesetze unterstützten Abscheu vor dem dazumal in hoher Pflege stehenden Schauspiel. Höchstens wurde er von feinen Tyrannen und Bedrückern zur passiven Teilnahme gezwungen, indem er sich in der Arena alleruntertänigst zur höheren Ehre eines Schaupöbels aus fremdem Stamm von wilden Tieren zerfleischen lassen durste. Oft genug donnerte ihm der Applaus schöner Römerinnen. Aber der Beifall galt dann immer seinem T o d , nie seinem L eben. Ueberall, wo der Jude im MW SSW MWWMr mer. Literarische Sondernummer Doris Mttner: Die theatralische Sendung j der Juden. Ilf Frlh Engel: Das „Arische Theater" Seite 527. Arihur Sllbergleit: Oie Harfen Iudas Seite 526. Buchbesprechungen. 11 Er3T*ryirTfgy^igksaPäg3EgS3Magbcai3^ga3^^