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Central-Verein-Zeitung · 1925-07-24 · 30 (24.7.1925) · p. Seite 513

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
30 (24.7.1925)
Date
1925-07-24
Page
Seite 513 (sequence 1)
Language
German
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^v. Jahrgang ❖ Nr. 30 Einzelnummer 10 Go!-pfetin!g Monarsaboiine^ent 40 Eoidpfen^g V allgemeine £,enunö des jaaemum^ zuzügNch Brst«klgeld vrüa, und EchrMlkiwi>g: B-rlia 8VLS. Lind-nstr. IS. .-. Fcrnspr-ch-r-. LsiDSahoN m S595. .-. Oanltonto: »ttfbnet Sani SBf^WPubeO. »(ttin SW68, SSitibwUt. t ’tlRrtinat Sntianumnnbatt: «nrmt«n-GsJ>ttiüt(m Shibolf Moste. Berlin 8W 19, tm£> deren Filialen. «n^eta-npre-Ie: V.»0 «oldmark für die 1 gelpaliene Zelle na^ «ud°?, MMi N^alRmnr-ster Nr. < JZmili-nan-kigen und Sl-ll-ng-,uch- ,Lr Mitglieder de« Leniral-D-r-in« O.tö S°!d-narl bie 90 mm b.-Ue R-klam-z-ü- 4.80 goIOmorf von Larl Lepst (Serlkn-Schlachtensee). H&wsfkmm Carl Lehst seht in diesem zweiten Aussatz seine Erörterungen über einen Ausgleichskongreß fort und kommt zum Schluß, daß ein Staat sich nur dann national entwickeln und zu innerem Ausgleich gelangen kann, wenn er die Möglichkeit hat, sich wirtschaftlich und kulturell international auszuwirken. Die Schristleitung. Industrie und Handel wirken seit Jahrhunderten international. Müde historische Erinnerung und Unkenntnis der Zusammenhänge verringern den Rang der Tatsachen nicht. Die Zweifler können vorerst eine kleine Auffrischung gebrauchen. Der Spiegel und die Feinglastechnik ist venetia - nischen Ursprungs, der Eobelm eine französische Erfindung. Watts Dampfmaschinenmodelle wurden zuerst in Deutschland von B e u t h in Preußen empfohlen. M a r g g r a f (Berlin) zeigte am frühesten den Weg zur großbetrieblichen Rübenzuckergewinnung, deren Ideen wiederum Chaptal in Paris aufgriff., der seinerseits zuerst Schwefelsäure im Großbetrieb gewann. Ter Franzose Appert ist der Vorläufer aller heutigen Nährkonservierungen. Die Schotten bauten Zuerst Flachs- und Jutespinnmaschinen, Gau ß—W e b e r den Telegraphen, Liebig gab der Welt den Kunstdünger, Hofmann und Vaeher schufen die Teerfarbenwisienschaft. Um dieselbe Zeit konstruierte der Amerikaner John Fritz, den seine Landsleute den „Bismarck der Eisenindustrie" nennen, das Triowalzwerk, und Alfred Krupp zeigte auf der Weltausstellung in London 1851 den ersten Gußstahlblock von 4300 Pfund Gewicht. Ter Deutsche Mitscherlich brachte das brauchbare Zellstofs-Sulsitversahren, und die A m e r i k a ner gingen wiederum zu den Sulsitstoffriesenkochern von 300 Kubikmetern über. Daimler und Benz waren Bahnbrecher für Peugeot, Darrac und Henry Ford. Ein Deutscher brannte 1860 eine kleine elektrische Glühlampe in seinem Shop in New-Fork, Edison verbesserte sie ab 1880, und Nernst variierte sie bis zur Höchststufe. Der Tod L i l i e n t h a l s 1904 hat die Aufmerksamkeit der Brüder W r i g h t auf das Flugzeug gelenkt; etwa dreizehn Jahre später schwebten sie in Le Mans in Europa zum ersten Male länger als eine halbe Stunde in der Luft. In demselben Jahre flog Zeppelin 24 Stunden lang via Schasfhausen—Basel—Straßburg—Mainz. Diese Entwicklung der Vergangenheit war letzten Endes nur durch ein solches internationales Hin und Her möglich. Daimler und Benz zündeten mit ihren Motoren auch in Paris und zuletzt in Fords technischer Anschauungsweise. Lilienthals Tod erweckte den Erfindergeist in den Brüdern Wright, und Zeppelins Leimang brachte Leben in die englische Erfinderbude. Die kleine ampe in dem New Forker Kramladen eines Deutschen erleuchtete den vorübergehenden Edison . . . ' Von diesen Fortschritten wurde keiner festlich begrüßt, und immer gab es Schwierigkeiten. Doch sie waren immer nur der Pegel einer Entwicklung, die.vorwärts trieb und schließlich alle Spießer beiseite schob, die eine Schranke zrehen wollten. Als ein deutscher Zellstoff-Pionier vor zwanzig Jahren' Riesenkocher so groß wie „e klei zweistöckig Häusche" aufstellen ließ, sagten ihm die Fachleute allerlei ins Ohr — drei Jahre später waren sie schon seine Nachahmer. Vor einigen Jahren führte ich als Erfinder meine neuen Beton-Patent-Kocher für höchste Temperaturen als Ersatz für Eisenkessel in den Großbetrieb ein und zeigte die Spinnung feiner Garnnummern aus geringstem, bisher als unverwendbar geltendem Rohmaterial. Damals schienen diese Neuerungen den Fachleuten witzig zu sein, heute bringen die von mir eingerichteten Anlagen ernste Ersparnisgewinue. Gerade meine Erfindertätigkeit machte mir den Einblick in die internationale Verstrickung der Industrie und des Handels der ganzen Welt hell und deutlich und gab mir auch die Anregung, weiterhin die B e r ü h r u n g s ft e 1 l e n der internationalen Kulturen zu beobachten. Dieser Spürweg, den jeder so ziemlich in seiner Weise geht, der geistige Reaktionen fühlt, läßt auch die zunehmende Tendenz der wissenschaftlichen und k ü n st - lerischen Wechselwirkung zwischen den Nationen sehen. Locke wird jetzt genauer als Vorläufer Kants erkannt und geschätzt. Newton hat G u e r i ck e, Watt den P a p i n gekannt. Wer sich etwas mit L a m a r ck beschäftigt, findet erstaunliche Parallelen zwischen diesem französischen und englischen Darwin. Goethe ohne S p i n o z a, Schiller ohne Rousseau, Alexis ohne Scott, aber auch Rubens und van Dyk ohne die italienische Renaissance, Thorwaldsen ohne die Griechen, Gluck ohne die Italiener. Wagner ohne Spontini, Mozart ohne Salieri, selbst das Originalgenie Beethovens ohne seinen Antipoden'R o s s i n i, und fast alle Jdeenbringer und Kunstschöpser sind ohne das internationale Ferment ihrer Vorläufer und Anreger entwicklungsgeschichtlich nicht ohne weiteres verständlich. Nur der chauvinistische Spießer sträubt sich vor der internationalen Einwirkung^ 1807 wollte der wilde Marwitz den Freiherrn v. Stern" wegen seiner bauernbesreienden Ideen erschießen — heute sind es die Enkel dieses Marwitz-Typus, die am lautesten nach einem modernen Dein rufen. Ter Marwitz-Typus hat sich immer wiederholt. 1792 und 1848 und 1918 wollte er die Revolution rückgängig machen, 1806 und 1848 das Ghetto wieder einführen, und immer ist die Entwicklung über ihn hinweggegangen. Dennoch sind einige Entschuldigungen zu seinen ©unfteit nicht zu vergessen. In seiner Schule wurde der internationale Zusammenhang der ganzen menschheitlichen Entwicklung von der ehemals herrschenden Kaste aus eine nationalistische Formel reduziert. Was die anderen Völker und das Judentum geleistet, verschwand in dem Halbdunkel der schulmäßig organisierten Fürstengkorifiziernng der Vergangenheit. Innerhalb dieser Entwicklung, in der die imprägnierten Begriffe dominierten, und das organisch wachsende Urteil im Box nationalistischer Wertung niemals aufblühen konnte, wuchs der junge Chauvinist heran, ohne sich eigentlich seines

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