Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 26 (26.6.1925)
- Date
- 1925-06-26
- Page
- Seite 445 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlin, 2ö. Juni 1925 IV. Jahrgang » Nr. 2b Einzelnummer 10 Hslöpfenmg TX TAI fA ATr/? V" 1 /HxA^R f.W w»w^N>Si/*s> w V r i <£^,‘ v'/v^vv V < V * “'"fl - * -^V X.—'“' . _ *_-> * «<A A. ,^'L soirst<ü,-linL ^rr^^TvTT’a er f <*!**> /MTS AäÄ Cv. •I; ‘i :i •-; >,.-: j.J f Ai n «j •^Vv v V / / *s* w y'V^sjrV *%^jr m >,/ >x*“"' > / -«v> >* ’*■' * *•*>!\ *» rv? i / £<?n^?j fr^r;; >.-*3. "-.-'•-*-0 .. m!} ii'.i;■ i,-; A -i.> «* C' Ao V> Allgemeine Zeirun^ des Oudeniums i fU; ij*5f;i ■ ' ■) f'»tT5 7TZ SWoRCtsa^cnnment 40 Soldpsennig zuzüglich Bestellgeld Verlag und Schriftlernmg: Berlin SW es, Lindenftr. 13. .'. Ferrrsprecher: Arm Tönhoff 3591. 3393. .-. Bankkonto: Dresdner Bank. Wechselstube G, SSerliu SW€8, Liudenstr. 7 Alleinige An Rudolf Moffd ln eigenannawne: Annoncen - Expedition Rudolf Mosse. Berlin ö^v 19, u.rd deren sZilralen. Anzeigenpreise: 0,0-D Q |ft:S Norw.ulzrilenmesser Sir. A, Fauiürsnanzeigen und Ltellengesuche für Ättglicdcr des Ceniral-Dercins u.43 Goldrnark. di Goldrnark für die 7 gespaltene 5leUe nach die 9u nmi bteite Rcklam zeile 4.L-9 Soldu'.arl & Af>A h \A>V ßzn |i VvJ^ J} w vy ww v wy von JustiZrat Bernhard § alk, A OsmiMss ö. L. (Köln). SlA Desrheinischen Liedes Zauberklang dringt zum Ohr und Zum Herzen des Rheinländers, auch wenn er ferne dem Duden ist, dem er entstammt. Die Sehnsucht zum Rheinland, die Liebe zur Heimat geben dem Wollen und Denken des Rheinländers Richtung und Ziel. Ohne diese in Tradition und Gewöhnung wurzelnde und unter den Hammerschlägen, die auf unsere Kopfe niedersausten, gefestigte und gestählte, unerschütterliche Treue Härten wir Rheinländer die Last nicht tragen können, die auf uns ruhte und die heute noch nicht ganz von uns genommen ist. Das gilt selbstverständlich — hier darf man. das Wort einmal mit 'Recht anwenden — auch von uns rheinischen Juden. Aus der Kölner I a h r t a u s e n d a u s st e l l u n g spricht eine große und erhebende Vergangenheit zu uns. Sie zeigt die unlösliche Verflochtenheit des Rheinlandes mit Deutschland seit ungezählten Generationen, sie zeigt in ihren romanischen und gotischen Kunstschätzen, in ihren Urkunden und Bauten, in Schrift und Bild den bodenständigen, kerndeutschen Charakter rheinischer Kultur. An dieser Kulturarbeit haben wir deutschen Juden reichen Anteil. Sie ist auch unser Erbe, unser Besitz, unser Lwlz und unsere Arbeit. Mir Bewunderung steht der Richtjude die Jüdische Abteilung der A u sstellu n g , die Rabbiner Dr. Kober geschassen hat. Was wir Inden längst gewußt haben, wird jetzt unseren christlichen Mitbürgern vor die Aecle geführt werden. Das jahrhundertelange Ringen des rheinischen Juden um Teilnahme an Wissenschaft und Kunst, an der Gestaltung der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens, an sozialer Arbeit und werktätiger Nächstenliebe und — sobald es uns gestattet war — an Staat und Volk. .Tie ältesten jüdischen Siedlungen am Rhein stammen aus den Zeiten der Römer. Die Genreinden von Worms und Speyer, von Mainz und Köln haben schon vor 1590 I a h r en bestanden, Duldung und Verfolgung kennzeichnen in immer wiederkehrendem Wechsel ihre Geschichte, bis die Morgenröte der Emanzipation das Dunkel der engen, übervölkerten Judengassen erhellte. Tie Memorbücher reden eine beredte Sprache von Jrrdennot rrnd Judeustandhaftigkeit. Reiches geistiges und religiöses Leben herrschte trotz allen Druckes in den Gemeinden; das Gebranchtum der Synagoge brachte ein blühendes und hochstehendes Kunstgewerbe hervor. Jüdische Bauten aus grauer Vorzeit sind ' nur in ganz geringer Zahl erhalten; die Stürme -der Verfolgungen haben sie vernichtet. Roch steht aber die fast 1000 Jahre alte Synagoge in Worms; die Nathanskapelle in Köln ist an der Stelle errichtet, auf der einst die Synagoge gestanden hat. Unter dem Patriziat der Stadt Köln ragt?seit dem zwölften Jahrhundert die Familie „Jude" hervor, deren jüdischer Ursprung zwar nicht vollständig sicher, aber von den Historikern als wahrscheinlich angenommen wird. Etwa um dieselbe Zeit lebte in Köln der Münz- und Zollmeister Consta nt in, der unzweifelhaft jüdischer Abkunft war. Ist die Darstellung Luise v. Winterfelds („Handel, Kapital und Patriziat in Köln bis 1400" iPstngstblätter des Hansischen Ge schickst-vereine. 192s, 'ccüe 13]) zutreffend, so sind seine Enkelinnen Stammmütter der vornehmsten Kölner Patriziergeschlechrer. der O v e r st o l z und der v. L y s k i r ch e n. Doch genug der historischen Erinnerungen. Aus den Charaktereigenschaften der rheinischen Bevölkerung ergab es sich für unsere Zeit von selbst, daß der Glaubensunterschied nicht zu -so tiefgreifender, sozialer und gesellschaftlicher Entfremdung geführt hat wie in anderen Teilen unseres Vaterlandes. Allerdings ist auch der Antike m i t i s m u-s in das Rheinland hereingetragen worden, aber er hat an den Usern des deutschen Stromes niemals d i e Bedeutung erlangen können, die er im Norden und im Osten gewonnen hat, also in den Gegenden, die nicht wie das Rheinland auf eine fast zweitausendjährige Kultur zurückblicken können und die sich nicht mit demselben Recht wie das Rheinland rühmen können, das Kernstück und der Ausgangspunkt deutschen Wesens und deutschen Wollens zu st'n. Die rheinischen Juden haben sich airch in unseren Tagen des Rechts, freie deutsche Bürger zu sein, wert gemacht. Die Ehrentafeln auf den jüdischen Friedhöfen und in den Synagogen nennen eine schmerzlich-stolze Reihe von Männern, die ffir tms Vaterland gestorben sind. Unter der Rotte der Separatisten findet sich meines Wissens kein Jude. Wohl aber kenne ich nicht wenige rheinische Deutsche jüdischen Glaubens, die in den furchtbar schlveren Tagen des Separatismus mit Standhaftigkeit und Treue dem Vaterlande gedient haben. Freilich läßt sich nicht leugnen, daß wir Juden immer noch um unser Reckst am deutschen Boden und am deutschen Volkstum kämpfen müssen. Wir haben ein Recht an diesem Boden und an diesem Volke, in dem wir wurzeln und denr wir dienen. Wir haben ein Recht, anerkannt 31t werden als das, was wir sind^ und was wir sein wollen: (Gleichberechtigte, freie d e u t s ch e B n r g e r. Unser deutsches Vaterland, unsere Zugehörigkeit Zum deut'chen Volke lassen wir uns nicht aus dem Herzen reißen. Wie nur den angestammten Glauben als hohes Erbgut bewahren und unseren Kindern übermitteln wollen, so betrachten wir unser Deutschtum als Erbe der Väter, das wir rein und unverfälscht unseren Nachkommen erhalten wollen und werden. ’ * Von rheinischer Erde zogen einst die Männer, die den deutschen Osten der Kultur und dem Deutschtum gewannen; auf rheinischem Boden hat sich in unseren Tagen das Geschick des Volkes, die Einheit rrnd das feste Gefüge des Reiches, siegreich entschieden. Große Vorbilder sieht der rheinische Jude in Vergangenheit und Umwelt. Zusammen mit unseren Glaubensbrüdern int übrigen Deutschland werden wir' beweisen, daß uns niemand im Dienst an Volk und Vaterland ü b e r t r e s f e n k a n n.