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Central-Verein-Zeitung · 1925-06-19 · 25 (19.6.1925) · p. Seite 430

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
25 (19.6.1925)
Date
1925-06-19
Page
Seite 430 (sequence 3)
Language
German
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430 Gat vorhanden, galt stets als eine Angelegenheit zweiten Ranges, an welche die wirklich feinen Köpfe nicht ju viel Zeit verschwenden durften. Heute mag das halachische Studium da und dort noch einen breiten Raum einnehmen, es ist doch zu einer Disziplin neben andern degradiert. Tie Säkularisierung des Lebens wirkt sich in der Amtsvorbereitung der Religionsdiener selber aus, indem die Religion nach ihrem geistigen Gehalt, nach ihrer geschichtlichen Erscheinung, nach ihren Quellen und Urkunden und endlich in ihren Beziehungen zu den Zandern Religion-en und Weltanschauungen „wissenschaftlich", will sagen nach der Methode, mit welcher andere geistige Realitäten betrachtet werden, von dem Studierenden aufzufassen, und zu verstehen ist. Und wenn je nach Borliebe und Begabung die Rabbinerkandidaten bei dem von ihren Seminarien ihnen zur Pflicht gemachten Universitätsstudium bald mehr um historisch-philologische Fächer, bald mehr um philosophvsche sich bekümmern, so wollen wir nicht anmhmen, daß die Erlangung eines akademischen Grades der Sinn ihres Vorhabens ist, sondern die Einsicht darein, daß, wenn überhaupt Religion studiert werden kann, nu-r die imiversitas littcraruni, die Gesamtansicht von den Wissenschaften, oder vielmehr der wissenschaftliche Geist der richtige Standpunkt ist. Die alte Einheit ging über diese nni - vcrsitas freilich in di e Brüche. Tenn ein Durchschnittsmensch kann zwar den Inhalt vieler Kompendien in sich aufnehmen und mit gutem Gedächtnis auch bewahren. Dazu würden drei, würden zwei Jahre ansreichcn. Wer aber die sieben empfänglichsten Jahre seines Lebens hingibt, der will und soll nicht Ergebnisse, sondern das echte Lernen, das Arbeiten lernen, die Methoden de-' Forschens und Findens. Und da stellt sich eine Schwierigkeit heraus, die — wie mir wenigstens scheint — keine andere Fachvorbereitung mit dem Studium der jüdischen Theologie teilt', es ist die vollkommene Verschiedenheit, der disparate Charakter der juristisch-tatmudischen, der philologisch-historischen und schließlich der philosophischen Methoden, welche in den Disziplinen des heutigen rabbinischen Studiums zu Worte kommen und die^dem Lernenden so die -Konzentration aus ein in sich geschtosienes einheitliches Gebiet außerordentlich erschweren. Dieser Sachverhalt hat beiläufig dazu geführt, daß eine stattliche Zahl berühmter Philologen und Philosophen erst während ihrer Beschäftigung mit den verschiedenen Zweigen dieser jüdischtheologischen Wissenschaft ihre eigentliche Neigung und ihren wahren Lebensberuf entdeckt haben und so von ihrer ursprünglichen Absicht, dem praktischen Rabbinerberus sich zu widmen, abgeführt worden sind. Wer die jüdischen Vertreter der Universitätswissenschaften im 19. Jahrhundert durchgeht, der findet in der Lebensgeschichte der bei weitem meisten von Hans aus Beziehungen zur Thora. Was bisher dargestettt wurde, scheint eine interne Angelegenheit des Rabbinerstandes zu sein mii> sein Verhältnis zu den Menschen, für die er da ist, kaum zu berühren. Tie Gemeinde kennt ihn vor allem als den Prediger und Religionslehrer für die Kinder, als den Seelsorger und HTscr tu der sozialen Not; und wenn sie ihn nicht in dieser Wirksamkeit vor Augen hat, dann scheint er für sie ein höchst verborgenes Dasein zu führen. Zweifellos muß und soll er jener Praktiker sein; denn in Erledigung dieser Funknonen werden brennende Bedürfnisse der^Gcmeinden von heute erfüllt, und die Notwendigkeit des Tages ist immer dringender als diejenige der Generation oder des Jahrhunderts. Aber es gibt für alle Dinge ein Maß der Zeit und einen Blickpunkt für die Ewigkeit und darum auch für die Idee dieses Berufes, der nun einmal den Kristallisationspunkt für die geistige Geschichte des Judentums im Verlaufe von zwei Jahrtausenden gebildet hat. Darum glauben wir, daß der eigentliche Sinn dieses historischen Berufes von keinerlei Notwendigkeit und Not der Stunde erstickt werden darf. Dieser Sinn ist und bleibt z u a l! erer ft d i c P f l e g e d e s Gei st i g e n ja, wo die Begabung der Persönlichkeit es gestattet, die produktive Teilnahme an der Klärung des Geistigen. Es gibt — und ans den Höhepunkten der jüdischen Entwicklung tu das immer als selbstverständlich betrachtet worden eine weitherzige Auslegung dessen, was T h o r a ist, die nicht bloß das Koset», die Halacha, meint, ja über Bibel und Talmud und Tezisvren und Haggada weit hinausschreitend, unter Thora den- Kosmos geistigen Lebens überhaupt^ versteht, wofern ihr Herz, .das religiöse Denken und Empfinden, von wirten K'rästett aenäbrt und lebensfrisch erhalten wird. Sich als der Verwalter dieser Art Thora zu fühlen, wird eine nicht unzeitgemäße Erneuerung des Amtes des alten Raw fein. Ter Rabbiner ist in seiner Gemeinde, selbst wenn er deren Mittelpunkt bildet, notwendig kraft seiner Berussstellung isoliert. Er ist cs auch da, wo ein aus mehreren Personen bestehendes Rabbinatskottegium vorhanden ist. Es soll gar nicht von seinem Aeußeren gesprochen werden, daß er heutzutage im allgemeinen durch die bei ihm vorausgesetzte, von 'weiten Kreisen seiner Gemeinde, der großen Mehrheit, vernachlässigte Erfüllung des Zeremoniells in eine besondere Lage kommt, sondern von dem Wesentlichen, von der inneren Unterscheidung, von der bei ihm eigentümlichen Richtung auf das Geistig-Religiöse, die seiner Umlvelt größtenteils fehlt. Bor zwei bis drei Generationen war das anders. Damals war jene vielgerühmte Demokratie des Wissens und des Lebens im Judentum noch rege. Heute steht er wirklich Laien gegenüber. Arzt und Anwalt üben eine Tätigkeit aus, von deren Zweckmäßigkeit jeder überzeugt ist, der ihren Rat und ihre Hilfe in Anspruch nimmt. Hinter dem Rabbiner steht „mit" eine Idee, deren Wert wohl keiner leugnet, der sich bewußt zur Gemeinde zählt; denn sie ist ja das Judentum selber. Aber die in den amtlichen Handlungen zum Ausdruck gelangende Sichtbarwerdung dieser Idee, Predigt und Unterricht, religiöse Akte bei der Eheschließung oder der Bestattung: sie tragen für die Wertung der Menschen von heute doch nicht jene unmittelbare Bedeutung der Nützlichkeit und Notwendigkeit an sich, wie sie bei dem einstmals sich lebendig den: Neligionsgesetz unterworfen fühlenden Judentum der halachische Rechtsspruch des alten Naiv besaß. Der war vor alletn der Träger und sachkundige Vermittler einer sich in den bestimmten Forderungen der Thora offenbarenden Autorität, der göttlichen, die als unmittelbare Lebensmacht galt. War er außerdem noch eine Persönlichkeit, um so besser für ihn und für seine Gemeinde. Das wird nicht mehr wiederkonnnen. Und so wollen^wir mit dem rechnen, was ist und was sein wird. Ter Subjektivismus der modernen Zeit wird nie mehr durch die alte Antoritätskuttnr verdrängt werden, und Romantik dauert nicht lange. Heute setzt geistige Beeinflussung die Fähigkeit voraus, sich cinfühleud und eintebend mit allem auseinauderzusetzen, was mit dem Anspruch anftritt, Wahrheit zu sein und als Wahrheit das Herz und die Ueberzeugung der Menschen für sich zu gewinnen. Aber alles wissen zu wollen, das vermag nur der Eharlatan. Ter Verständige sucht nicht bloß die Meisterschaft in der Begrenztheit wirklichen Eindringens, sondern er weis; auch: ist er auf eine m Gebiete des Geistigen gründlich zu Hause, daun empfängt er eine Urteilsfähigkeit, so daß ihm nicht leicht in den Bezirken der Weltanschauung blauer Dunst vorgemacht werden kann. Das Geistige, das hier gemeint ist, hat nichts mit dem Virtuosentum bloß gelehrter Technik zu tun, in deren Besitz so manche „berühmte Gelehrte" sich ermächtigt glauben, über ihnen recht ferne liegende Dinge apodiktische, aber darum nicht weniger schiefe Urteile abzugeben. Wir verstehen darunter vielmehr die Kraft sachlicher, ruhiger Erfassung der Dinge ohne Vorurteile, ohne eine andere Leidenschaft wie diejenige für das Finden der Wahrheit, solches selbsterarbeitetes Wissen ist der einzige Schutz gegen Pfuscherei und Oberflächlichkeit, deren Gefahren gerade bei der Vielgeschäftigkeit des modernen Rabbiners, bei der ihm auferlegten Pflicht, gar zu oft über die höchsten und heiligsten Gedanken predigen 31t müssen, unverkennbar sind. Und darum soll er in der Tiefe der Seele mit seinem ruhmvollen.Vorgänger, dem alten Raw, sich verbunden wißen; denn ialimtd tora k’nogcd kullam, das Studium vor allem. Ein Ausschuß zur völkischen Einigung. B e a ch t e n s w e r t e U m grnppierung in Bayern. Zuweilen dringen ans den Unterhaltungen der zahllosen Gruppen und Grüppcheu in Bagern Nachrichten auch in die größere Oessentiichleit. uuu die E h r 0 n istenPfli ch t ist Anlaß, sie zu vermelden, ohne das; diese Vorgänge bannt als zum Gebiet der großen Politik gehörig gekennzeichnet werden sotten. 3o fand am 5. Jura d. I. in München eine vertrauliche B e s p r e ch n u g alle r i> a teil ä ndis ch e n V erbände statt, an der auch die Nationalsozialistische Arbeitsgemeinschaft Anton Drechslers tcitnahrn. Hierbei wurde die Gründung eines Ausschusses zur Einigung aller völkischen Kruppen beschlossen. Bei der Zusammensetzung dieses Ausschusies saßen in trauten! Verein Drechsler-Leute * und Führer des Bayerischen Heimat- und Königsbundes beieinander. Es ergibt sich also die innresiaute Tnuaiion, daß sich der Kreis um H i 11 c x mit den p r e n s; i s ch e n , der Kreis um Drechsler mit den bayerischen Monarchisten zmarnrnensindet.

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