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Central-Verein-Zeitung · 1925-06-19 · 25 (19.6.1925) · p. Seite 429

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
25 (19.6.1925)
Date
1925-06-19
Page
Seite 429 (sequence 1)
Language
German
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IV. Jahrgang * Nr. 25 | Einzelnummer 10 Golöpsenmz il •C>Oa-v» O“ Cr£ZZIZ3 Qjr'£~~-’~"— Wou2Ls2bsiineM'?.k 40 Eoldpfemrig ruZLZllch Brstellgeld ^ll^sncneirnS Zeitung des Dudenrums Verlagnnd Schrlstlc'.tung: DerNn 3??68. Andeustr.l3. .'. Fernsprecher: Amt Donhosf 3304, 3565. .'. BanNonto: Dresdner DaiN, WechselstubeG, Berlin 3^"63. Liudenftc.s Alleinige An-eigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Moste. Berlin 65V 19. und deren Filialen. Anzeigenpreise: O.SO Goldmark für die 7 gespaltene Keile nach kndolf MsffeS Norrnalzeilemnrstcr Nr. < Fainilienanzeigkn und Stellengesuche sür Mitglieder de§ Cenrral-Vereins 0.4ö Goldmark, die 30 mm breite Rcklaimzeile 4,80 Eoldrnark Ds§ UM von Max Wiener (Stettin). Was war der alte Raw? Zuallererst und deur Wesen seines Amtes nach der Mann, der auf Grund gelehrter Kenntnis des Religionsgesetzes zwischen verboten und erlaubt Entscheidungen traf, der die oft, wie bei aller Gesetzeskackuistik/höchst verschlungenen Fragen der theologischen Jurisprudenz Zu entwirren und mit ihren Losungen den Weg praktischer Lebensbetätigung m weisen hattet Und da es beim Gottesgesetz kein Wesentlich u. d Unwesentlich, sondern nur die eine in allen ihren Aussprüchen mit dem gleichen Gehorsam zu erfüllende Thora gab, da sie noch weniger als das Werk eines menschlichen Gesetzgebers eine Lücke haben durfte, so erstreckte sich das lebendige Interesse des mit der Autorität des Lehrers Ausgerüsteten auf die ganze Breite des Daseins, aus die sogenannten rituellen Satzungen über gestattete oder versagte Speisen oder das Gemeindebad oder die Details der Sabbatheiligung nicht minder als auf die Geschästsgebarnng irr Handel und Wandel, aus die S -pitfragen im wirtschaftlichen Verkehr, auf ehe- und samilien.<chtliche Schwierigkeiten ebenso wie auf Forderungen und Warnungen im eigentlichen Ethischen Gebiere und aus die Weckung des sozialen Gewissens, idas sich vor allem in Wohltätigkeit und unmittelbarem Liebesdienst äußerte. Die S ä k u l a r is i c r lt n n d e s Lebens kam; beim Judentum durchweg später als außerhalb seiner Kultrirsphäre. -Die Emanzipation mindestens von den Formen und Formeln religionsgesetzlich geprägter Frömmigkeit schuf eine seelische Lage, bei welcher Religion günuigstensalls ein besonders geehrtes und gepflegtes, aber jedenfalls nur ein Gebiet neben andern Bezirken des geistigen und praktischen Daseins ward. Denn auch der Eesetzestreueste unter uns kann_ wohl mit Erfolg um die gewissenhafte Ausführung der Vorschriften der Thora bemüht sein, vor allem offenbare Verstöße gegen strikt formulierte Satzungen zu meide:? wissen: er vermag nicht — und er will cs ja gar nicht — den Einstrom jener Gedanken und Stimmungen der allgemeinen modernen Bildung mit ihrer unzweifelhaft auf Verweltlichung hingekehrten Tendenz bei sich und seinen Kindern einzudämmen, Ideen aufzuhalten, die — ohne immer dem Geist und der Absicht der Religion offen entgegengesetzt zu fein — schon durch die seelische -Energie, die sie aufbrauchen, einen weiten Raum desinteressierten Bewußtseins einnehmen. So bleibt es dabei, daß Religion, und auch die jüdische, — unbeschadet jener Religiosität. von der hier nicht die Rede ist, — eine Insel im -heutigen Menschen bildet. ' 28 a B i st unter d e r A u s wirk u n g dieser Verhältnisse aus den: Rabbiner geworden? Der 'Titel, den er nach dem alten, historischen Vorbilde führt, und die Ausbildung, die er im allgemeinen ans unseren theologischen Bildungsanstalten empfängt, die mit dem Zeugnis der „Autorisation juni Lehren" gekrönt ist,^scheinen darauf hinzuweisen, daß sein Amt die geradlinige Fortsetzung der Lebensaufgabe des alten Raw sein will. Es ist vielleicht nicht allgemein bekannt, daß der Studienptan unserer rabbinischerr .Seminare, gleichviel welcher Richtung, mit seiner weitaus überwiegend aufs Theoretische gekehrten Tendenz eine Ausbildungszeit verlangt, doppelt so ausgedehnt wie das Studimn der katholischen und protestantischen Theologie und beträchtlich länger als die reine Fachschulung für irgendeinen studierten Beruf. Zudem ging und'geht, wenn auch jetzt allgemein nur in bescheidenem Ausmaß, dem eigentlichen Studium von etwa sechs bis sieben Jahren in der Schulzeit schon eine zuweilen recht beträchtliche Vorbereitung wenigstens in der Kenntnis des Hebräischen voraus, als des wichtigsten Handwerkszeuges für die Einführung in die £meüem So sind diese Lernjahre durchaus darauf angelegt, vor allem zu Gelehrsamkeit zu erziehen. Und das würde durchaus der historischen Ueberlieferung entsprechen, wenn nicht im Inhalt dessen, was der Kandidat sich anzneignen hat, sich ein tiefgreifender Wandel vollzogen hätte. Ter Hauptweg der traditionellen Gelehrsamkeit führte durch das mosaisch-talmndische Gesetz, das wesentlich unter dem systematischen Gesichtspunkte jüdisch-religiöser Lebensregetung erforscht und angewandt wurde; der geschichtliche Ruhm des Rabbiners ist, ein großer Talmndist zu sein, der sich in der Halacha, der religionsgesetzlichen Entscheidung, trefflich allskennt. Alles übrige, selbst Erforschung der Bibel über ihren praktisch gesetzlich ansdeutbaren Inhalt hinaus, von Religionsphilosophie oder gar rein geschichtlicher Vertiefung in das Schicksal der Jndenheit ganz zu schweigen, lag^so gut wie völlig außerhalb des rabbinifchen gelehrten Interesses, wenigstens in der ganzen deutschen und ostländischen Kultursphäre; und die Beschäftigung mit der Haggada, mit den Aenßerungen des talmudischaltrabbinischen Schrifttums, die nicht Halacha sind, sondern entweder die Allsstrahlungen einer unmittelbaren Religiosität oder auch allerhand erbauliche und unerbauliche Betrachtungen über so ziemlich alles, was zwischen Himmel nnd Erde '-WO. Vf| VTrt'b O Ü j of r Der AM-mer. Von Max Wiener (Sieiiin). Zur ersten Tagung despreußischm Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Von M. A. 6oeb — VechlSaiuvalt Heinrich Siern — Vabbiner Dr. S. Weiße. S. 432. Der /-Fall Leistng^. Von Landrabbiner Dr. Freund (Hannover). S. 434. Der geschundene Goethe. Don Arthur Eoesser. S. 456.

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