Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 18 (1.5.1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- Seite 319 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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319 Forschen. Das hellenistische Judentum ist das einzige in der Gesuchte bekannte, welches das Experiment zu wachen wagte, mit der heiligen Sprache zu brechen. Das Resultat war sein Untergang. Das Judentum aller Seiten und aller Länder und nicht zum u-euigsien Deutschlands l>at für'die Erhaltung und Entwicilung der hebräischen Sprache mitgewirkt. Es ist ein Akt historischer Gerechtigkeit festzustellen, das; an der Wiederbelebung der hebräischen Sprache in P a l ä st i n a keine andere jüdische Gemeinschaft solcher; hervorragenden Anteil hat wie die deutsche. Aber nicht reuiger hat die hebräische Sprache, einerlei, ob Bibelsprüche oder Mischnadialelt, ob alt oder neu, ob unter aramäischem, griechischem oder arabischem Einfluß, für die Zusammenfassung und Erhaltung des Judentums getan. Eine Sprache, die eine so reiche und mannigfache Literatur answeist wie die hebräische, die, ohne Volkssprache zu sein, fortgesetzt eine Entwicklung, einen Ausbau und selbst eine Neugestaltung erfährt, fann nicht tot genannt werden. Harnaö erhebt Protest. . Don dem umfassenden Werl von Harnack „Marcion, Monographie zur Geschichte der Grundlegung der katholischen Kir-chech ist bereits nach wenig mehr als drei Jahren eine zweite Auslage erschienen. Mit dem Inhalt des Buches selbst, so interessant er an sich ist, können wir uns hier nicht befassen. Nur auf eines sei hingeirii'jcn. Von völkischen Kreisen wird des öfteren Harnacks Werk als Kronzeuge für a n t i f c m i t i} dj c n g r i f f e auf d i e Bibel benutzt. Hiergegen erhebt Harnack in der jetzt vorliegenden zweito:; Auflage energisch Protest. Er schreibt (2. 223. Anm.ft „Ich protestiere hiermit dagegen, das; meine Anöfr'rhrungcrr mit denen dorr Friedrich Lelltzsch („Die grafte Täuschung") zusamnrcnZcsteUt werden, wie Das mehrfach geschehen ist; diese sind von; wisterrschaftlichctt LLarrdpuukl auö ebenso rückständig, wie Xnnn religiösen veewcrsrrch." Wir freuen uns, daß der weltbekannte Gelehrte die „wissenschaftlichen" Entgleisungen des sonst als Assyrotogen hochverdienten Friedrich Delitzsch damit in das gebührende Licht gesetzt hat. „Die Geschichte der Juden in Elberfeld, der Ursprung und die Enrwilllnng der Gemeinde", so lautet das Thema einer Arbeit von Al. Stern-Groß m a n n (Elberfeld), zu deren Vorlesung der Frauenbund Elberfeld die GenreindernU-llüder cingeladen hatte. Tic Arbeit ist als erste und zudem lückenlose GemB.chte der Juden in Elberfeld zu betrachten und verrät eine graste Sachlcuntnis und eingehendes Queltcnstudinrn. Ter Verfasser greift cn:f das Jahr 1395 zurück und schildert die Gesetze und Verordnungen, welche die Grafen von Jülich und Berg heimlich der Erlaubnis des Aufenthaltes der Juden in ihren Landen ernsten hatten d. h. lange vor von: Bestehen einer jüdischen Gemeinde in Elberfeld.- Als erster Jude liest sich in Elberfeld im Jahre 1691 ein Fortsetzung des redaktionell'n Teils <mf Leite 320. mii KepenLence. ah-MOÄA Einziges jüdisches Hotel I. Naug-s cmr Platze. Unter Aufsicht Seiner Ehrwürden Herrn Prodmzialraobmer Dr. Hirsch seid, Gießen. Am Kurhaus und Park gelegenes Restaurant. Del.40. Vef. Emr! Adler. —— —■ n Wis MM MtzMs ö§s mschArl Von Erich Falk. : Im Speisewagen des D-Zuges Hamburg—Berlin. - Nach dem Diner sitze ich mit drei Herren beim Mokka. Zwei davon deutsche Industrielle, der dritte offenbar Amerikaner. Das Gespräch dreht sich um geschäftliche Fragen und ähnliches. Meine deutschen Reisegefährten sind in ihren Aeußerungen nicht gerade optimistisch. Sie unterstreichen kühl und nüchtern die unleugvareu oierigkeiten der Wirtschaftslage. Der Amerikaner ist stiller örer, nur hin und wieder steuert er ein leichtes Verständnis- Lei. Mein Gegenüber spricht gerade darüber, wie schnür seine Vertreter es haben, um im Inland? gute Aufträge zu erhalten, weil die Kaufkraft anscheinend zurückgegangen ist. Bei diesem Thema 'greift der Amerikaner plötzlich in die Unterhaltung ein: „Gentlemen, euer deutsches Tempo ist zu langsam? Statt über fehlende Kaufkraft zu klagen, müßt ihr das Tempo verdoppeln. Drüben bei uns schafft das Bempo Kaufkraft, Kredit. Kapitalskraft. Darum ist Wallstreet Bankier für die ganze Welt geworden/' Das sprudelte er so ruhig und gleichmütig hervor, als wäre eB" die natürlichste Sache von der Welt, daß wir seinen Gedankengang ohne weiteres verstünden. Ganz höflich wendet mein Gegen- „Für deutsche Derhältnifse fcheiut mir das Rezept nicht ansreichend. Wir arbeiten doch mindestens so lange in unseren Bureaus wie in Amerika oder England, und wir arbeiten auch nicht langsam." Ich schloß mich dem Eiuwand an. indem ich bemerkte: ..Ich weiß Zwar, daß taylorisierte Arlwit in Amerika ein beschleunigtes Arbeitetenstw ergibt. Und wir habeitz ja in Deutschland auch Ansätze zur Tahlorisiernng. So eine reiche braucht aber Zeit, um sich bei der deutschen Gründlichkeit durchzusetzen." „Taylor-System ist nur ein kleines Rad im tmsrnoss-Apparat. Hier in germanv müsste aber da? ganze Geschäft anders aufgezogen werden/ . Ich konnte mich n.cht enthalten, zu antworten: „Jhre^Ansicht ist sehr interessant. Noch interessanter wäre es, lvenn ^ie uns erklären wollten — wie würde Amerika das machen?" „Well, das will ich gern sagen: man versteht in Deutschland nicht. Reklame zu machen. Ihr macht Reklame gut für Sachen, die .ihr nicht verkaufen könnt, für Zeppelin-schisse und für Idealismus. ^Darin seid ihr groß! — Aber — für gute Sachen, die ihr verkaufen .könnt, darin seid ihr klein. In Amerika machen wir cs umgekehrt. 'Zum Beweise: Vor acht Tagen in Hamburg angelommen? kaufte äch mir vorgestern im cchuhladen ein Paar Schuhe. Wir haben in Amerika gutes. Schuhwerk, aber der ^chuh. den ich in Hamburg ''gelaust habe — hier zeigte er auf seine braunen Neisestieftl — ist bester. Er ist der beste Schuh, den es ans der Welt gibt, aber .das habe ich ganz nur durch Zufall erfahren. Weil der Schuh beim Anprobieren wie angegossen saß, fragte ich den Verkäufer: was ist es. für ein Schuh? Er sagten es ist Angulus-^chuh, und erklärte nur. er ist gebaut nach dem System der geraden Achseustelluug der Mäße. Ich chabe nicht gewußt. was „gerade Achsenstcllung" heißt, c hat mir erklärt, dar) es eine Entdeckung ist. die von einem Deutschen gemacht ist. und daß es ein Patent ist. Er hat wach gesagt, daß jeder, der einmal Angulus gekauft hat. niemals mehr anderes Schatzwert als Angulus tragen will. Ich bin am nächsten Tage wieder zu dem Mann gegangen und habe noch fünf Paar Angulus gekauft. Ich habe sie nicht cmprobieren müsien, weil der Mann nach der grünen Maßtarte vom ersten Paar Angulus mir die ganz gleiche Größe und Weite ohne Anprobieren geben konnte. Erft im Hotel habe ich sie durchprobiert und sie hallen gepatzt. Nun sehen Sie, das ist eine wunderbare Erfindung, aus der ein Riesengesch'Lst in der ganzen Welt anfznbauen ist, — und wie seid ihr Deutschen dabei? Nur ein Zufall ist es gewesen, datz ich aus die famosen Angulus-boars gestoßen bin. Ohne den Zufall wüßte ich eb-ensoweni-g von Augusts, wie die Mehrzahl aller Menschen davon weiß. Nun Null ich sagen, wie man das in Amerika machen würde! Erst würde man alle Schuhfabriken kaufen, die nicht voll beschäftigt sind, und. würde in Millionen Paaren nur Angnlus-Schnhe in Fabrikation geben. Dann würde inan am Hasen von New Jork ein Niesenbauwerk errichten, so hoch wie die Freiheitsstatue, in Form einer geraden Achsenlinie. Es weiß zwar kein Mensch, was eine gerade Achsenlinie ist, aber unsere advertiser würden das schon schassen. Tann würden alle Zeitungen Amerikas ohne Ausnahme auf der ersten Seile spalteulauge Berichte darüber bringen, was die gerade Aävenstellung beim Fuß zu bedeuten hat und was der Präsident Gooliege zur geraden Achftnstellung zu sagen hat. Man würde lange Leitartikel darüber bringen, um wieviel Jahre das Leben jedes Amerikaners verlängert wird, wenn er beim Tragen von Angulns-Schuhen nicht mehr unter Hühneraugen leidet, wenn Plattfuß, Senkfuß und Knickfuß nicht mehr entstehen können. Unsere Wirtjchaflsstalistrker würden sich damit beschäftigen, wieviel Millionen Arbeitsstunden im Jahre für die Industrie gewonnen werden, wenn die genannten Fußübel überhaupt nicht mehr entstehen können. Dlan würde eine Rieftnstraße, welche schnurgerade verläuft, nmbenennen in Angnlusstreet. Unsere Wissenschaftler würden das Thema von der Bedeutung der rechtwinkligen Stellung der Fuß ach so variieren mU Vergleichen der Bedeutung der rechtwinkligen Stellung des menschlichen Ganges zur Erdoberfläche. Unsere policc-men. die wegen der probibition aus Betrunkene fahnden, würden die Ausrede nicht mehr gelten lassen, daß der Manu taumelt, weil die Schuhe ihn drucken. Augnlns-Schuhe drücken ja niemals, und wenn der Mann trotzdem taumelt, hat er zuviel Alkohol in sich. Unsere Irrenanstalten würden wir umbeneuncn in .Heini für Nicht-Angulus- Trägerst Unsere Romanschriftsteller würden ihre Erzählungen nicht mehr beginnen: ,Jn der Zeit, ehe der Weltkrieg ausbrach, lebte ein Mann —st sie würden 'schreiben: ch's lebte einst ein. Manu vor der Erfindung des Augulüs-SrieftbA Hier konnten wir unsere Ernsthaftigkeit nicht mehr bewahren und lachten herzlich alle drei. Unser Amerikaner blitzte uns an: „Well. Sie lachen, Gentlemen, aber — (Fortsetzung folgt.)