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Central-Verein-Zeitung · 1925-04-24 · 17 (24.4.1925) · p. Seite 298

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
17 (24.4.1925)
Date
1925-04-24
Page
Seite 298 (sequence 3)
Language
German
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Zur RmchsprsM «temmh!. Die Völkifcherr rühren sich. — Kunzes „Neue Zeitung". — Marx a?5 „JuDenschützer". — Die Katholiken lehnen Den Antisemitismus grundsätzlich ad. — Marx' Brief an den C. V. Als Dr. Iarres im ersten Wahlgang das Amt des Reichs- Präsidenten erstrebte, waren es völkische und gewisse deutschnationale Kreise, die, wie wir wiederholt berichteten. von den Hakenkreuzfahnen und dem Hakenkreuztz e s ch i m P? e, bisher ohne Jarres' Einspruch, eifrig Gebrauch machten. Was Wunder, wenn selbst die Kandidatur H i n d e n - bürg Wasser aus die völkischen Mühlen führen sott! Niemals ist in diesen Blättern auch nur ein kränkendes Wort gegen den Feldmarschall Hindenburg gesprochen worden. Seiner Taten im Weltkrieg wegen gilt dem Heerführer in deutschjüdischen Kreisen hohe Verehrung. Das hindert keineswegs, wen erstaunt es? — die völkischen Kreise, in ihrer Werbung für den Präsidentschaftskandidaten Hindenburg die deutschen Juden ohne Unterschied zu verleumden und zu begeifern, womit sie anscheinend die U e b e r p a r t e i l i ch k e i L der Kandidatur Hindenburg dartun wollen. „Die jüdisch-sozialistische Offensive gegen Hindenburg" seht der Münchener „Völkische Kurier" (Folge 103, vom 16. April) in fetten Buchstaben über seine Nummer. Und der in Giftmischereien so erfahrene Richard Kunze schreibt gar in seiner „Neuen 3 ei tung* (Nr. 88 vom 16. April) von „Jüdischen Giftpfeilen gegen Hindenburg". Ja, Kunze hat die Stirn, den leitenden Aussatz dieser Nummer, der sich nut dem deutschsozialen Wahlkampf" befaßt, also zu beschließen: „Die letzte Waffe, D. h. Derr letzten Stimmzettel Zur Hand. Mit Hindenburg siegt Deutschland über BarmaLs völkcrfresienDe Raffe." Die umgekehrte Methode wendet Hitlers Lewblatt, der Münchener „V ö l k i s ch e B e o b a ch t e r", an (18. Ausg. vom 18. April). Er legt sich sür Hindenburg ins Zeug, indem er „Marx als In den schütz er" hinstellt. Dr. Marx hat in völkischen Augen gewiß Unerhörtes begangen. Er hat kurz nach dem Rathenau-Mord auf eine Anfrage des Centralverems klipp und klar erklärt, daß „dieser M o r d im engsten Zusammenhänge mit den deutschvölkischen Bestrebungen und der antisemitischen Hetze steht" und mit prachtvoller und nicht häufiger Deutlichkeit ausgesprochen, daß „die Katholiken den Antisemitismus als solchen grundsätzlich undbewußtablehne n". Bei der Hauptvorstandssitzung des Eentralvereins am 15. März wurde von einigen Freunden angeregt, den Präsidentschaftskandidaten die Frage v o r z u l e g e n, wie sie dem Judentum g e g e u ü b e r st e h e n. Wenn derartige Erklärungen in einem Zeitpunkt abgegeben werden, da sie von ausschlaggebendem Einfluß auf die Stimmung der Wähler sind, haben sie verhältnismäßig geringe Bedeutung. Viel wichtiger sind solche Erklärungen, wenn sie in Stunden ausgesprochen werden, wo ihre Verfasser nicht an Wahlstimmen denken. Deshalb ist uns der Brief von Marx, geschrieben -im Sommer 1922, als er noch Vorsitzender der Deutschen Zentrumspartei war, so wertvoll, und, nachdem das Hitler-Blatt jetzt Bruchstücke des Brieses wieder aus Tageslicht zieht, um damit gegen Marx Stimm« n g z u m achen, erscheint es uns ein Gebot der Gerechtigkeit, das Schriftstück nochmals hier wiederzugeben. Wir haben keinen Zweifel, daß jüdische und auch weite vorurteilsfreie christliche Kreise in dem Briefe alles andere eher als eine Belastung der Persönlichkeit von Wilhelm Marx sehen werden. Im Interesse der Gesundung unserer innerpolrtischen Verhältnisse, nicht etwa im Interesse der jüdischen Deutschen, wäre nichts lebhafter zu wünschen, als daß die Erkenntnis von der Gefährlichkeit einer rein judcnseindlichen völkischen Bewegung sür Vaterland und Volk Gerneingut aller Deutschen werde. Diese eindeutige Erkenntnis erweist der Brief, der also lautet: „Sic haben mir die Frage vorgelegt, wie nach meiner Meinung die deutschen Katholiken die Tatsache beurteilen, daß von deutschvölkischer Seite in den letzten Monaten in ganz besonderer Weise sowohl gegen das Judentum als Religion wie auch gegen das Christentum Sturm gelaufen wird. Die Tatsache an sich kann nicht geleugnet werden. Es ist eine vielfach beobachtete Erschein rmng, daß der Antisemiti § mus sich s a st i nt m e r öitdj all eine Gegnerschaft gegen das Christentum, speziell gegen die katholische Konfesiion, entwickelt. Daß die starke Betonung des deutschem Volkstums in ihrer Anlehnung an. den altdeutschen Götterknlt immer mehr als eine antid)uiftlicfie Bewegung hervortritt, kann - ernstlich nicht mehr geleugnet werden. Wenn die „Brandenbnrgische Wacht" in ihrer Nummer vom 15. Juli d. I. meine Ausführungen im Reichstag, bei denen ich die von deutschvölkischer Seite angeregten Sonnen w e n d - feiern als anti christlich bezeichnete, glaubt damit widerlegen zu tonnen, daß eine bei Gelegenheit einer Sonnenwcndseier in Berlin-Lichterselde gehaltene Rede einwandfrei sein mag. so kann das natürlich nichts beweisen. Wenn kein Geringerer als Herr Abgeordneter Dr. Düringer die vom Politischen. Antisemitismus getriebene Politik des Hasses und der Leidenschaft als mit den Grundsätzen des Christentums und der Humanität völlig unvereinbar bezeichnet, so sagt das wohl genug, patzt aber nicht weniger auch auf die Betätigung der deutschvolkischen Bestrebungen im allgemeinen. Die Katholiken lehnen jedenfalls den Antisemitismus als solchen grundsätzlich und b e io u tz t a b. Sie halten sich kraft ihrer religiösen Ueberzeugnng sür verpflichtet, den Hatz gegen Mitmenschen, mögen sie auch anderer Ueberzeugung sein wie sie selbst, mit aller Entfchiedenheit abzuweisen. Bei aller Betonung des Deutschtums und der Eigenart der deutschen Bvlksstämme lehnen sie die durchaus verkehrte und zur Zersplitterung des Bolksganzen führenden Bestrebungen der deutschvolkischen Bewegung ab. Die stattgehabte Untersuchung wegen der Ermordung Nathenaus hat nach meiner Meinung nach den bis jetzt durch die Presse bekanntgewordenen Ergebnissen den Beweis erbracht, d a ß . d i e s e r Mord in engstem Z u s a m m c n h a n g mit den d e u t schv ö l k i s chc n B e st r ebnnge n n n d der antisemitischen Hetze steht. Ter Mord beweist in. E. klar, datz eine mit derartig demagogischen Mitteln betriebene Volksaufhehung. wie die antisemitische Bewegung, schließlich auch überspannte Köpfe zu Mordgedanken und Mordtaten anregt. Man sollte glauben, datz der Abgrund, den die stattgehabten polizeilichen und gerichtlichen Ermittlungen gezeigt haben, für alle vernünftig denkenden Deutschen hinreichend Berantasiung gebe, die Bestrebungen dos Antisemitismus als für das deutsche Volk geradezu verderblich zu erkennen. Ich glaube nickt, daß zu befürchten ist, datz weitere katholische Kreise der antisemitischen Agitation Folge geben werden. Sie würden damit m. E. dem Grundgebote des Christentums, wenigstens in der Tat. entgegenhandeln. Die vaterländisch gesinnten Juden dürfen im Kampfe gegen die antisemitische Hetze auf die Unterstützung des katholischen Volkes und auch der Zentrumspartei rechnen. Marx, Senatspräsident, M. d. N., 1. Vorsitzender der Deutschen Zentrumspartei." Rumänien jstzt wis einst. Die Sy nagogeinFocsanizer stört... Wie der „Curierul Israelit" meldet, ist cs in F o c s a n r, int nördlichsten Zipfel Rumäniens gelegen, anläßlich eines Prozesses gegen einen antisemiti'chcn Rechtsanwalt rvcgen vorsätzlichen Mordes zu sehr schweren Ausschreitungen gegen die Juden gekommen. Die Synagoge, die jüdische Schule und viele Häuser jüdischer Einwohner wurden voll st ü n d i g z c r ft ört. Tie Täter waren .völkische" Studenten. Die Polizei war, wie immer, unvorbereitet und machtlos, denn der Polizeipräfekt hatte keine besonderen Maßnahmen getroffen. da er sich auf das Ehrenwort der Studenten verladen hatte, daß es nicht zu Ausschreitungen kommen werde. Unter den Juden von Focsani herrscht naturgemäß große Panik, err a n i e I e v i c i. Senator von K i j ch i n e U', hat eine dringende ufragc wegen dieses Vorkommnisses an den M i n ist c r de s I n ii c r n gerichtet, aber der ebenso deutschio i e j u d c n s e i n dl i ch e „U n i v e r s u G in B u! a r e ft bringt cs fertig, zu melden, die Juden hätten selbst in provokatorischer Absicht ihre eigenen Häuser zerstört, und dreizehn Juden seien verhaftet worden? Der Numerus clausus der Leichen. Die rumänische Negierung hat vor den Angriffen der antisemitischen Presse und der ihr gesinmingsverwandten Studenten die Waffen gestreckt: Der rumriinschc Senat nahm ein Gesetz an. wonach den jüdischen Studenten der Medizin die Sektion von Leichen n i ch t j ü d i f ch e r Toter nicht g e st a t t e t wcr - den sollte, falls die jüdischen Vereine, die jeden toten Juden den religiösen Vorschriften entsprechend begrul^n/glcichgültig. ob er ohne Verwandte zu h-n ier lassen gestorben ist oder ob ihn der T od in öffentlichen Krankenhäusern ereilte, ihre Tätigkeit nicht einschränkten. Bevor sich der rumänische Senat zu dieser Entschließung an.sschlvang.ch.mr es in einzelnen rnmani'-chen rn Iudenausschreitungen gekommen. Die rumänische Regierung hat also vor der Straße die Waffen gestreckt, neii V.u alte ] » . . * - . t Brauch der £ o t c n h e?t a t «t lt n q ui einem modernen S t cr a te v om R a ng e R u m ä n ie n 8 k ei ne S t 5 l 1 e s i rr d c n darf...

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