Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 16 (17.4.1925)
- Date
- 1925-04-17
- Page
- Seite 287 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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> -a :! Die Sepharöim in Bosnien. Bon Hermann Wendet. Im Jahre 1>*94 fand sich in der bosnischen Hauptstadt ein tUh\e* Hä ns lei:; Sepharditn-Juden zttsamrnen, deren r'-nschnnu'ugen ihrer Umgebung vornu-geeilt waren. und gründete zur Unterstützung bedürftiger Glaubensgenossen die Womratiawils- ^eiellschuft ,.L a Benevolenci a"; bis dahin waren nach nUem ^initcf} die Armen Donnerstag? und Freitags, Galen und Gerd ^bittend, von Hau? zu Haus gezogen. Religiöse Innrer, wie Ham Rebi Avrama Pa Pu, mnstleu ihr ganzes 'Ansehen sür das kühne U.nterfangen in die Wagschale werfen, denn die Masse der bosnischen Sephardim, geistig trag nn: wnftrvativ, jifyiccfte vor jeder Neuernng Zurück. So aber tarn „La Benevolencia" allgemach ans einen grünen Zweig. erwci-crte ihren Wirkungskreis und sah seit 1907* ihre Hanptanfaabe in der gewerblichen, handwerklichen und wissenschaftlichen Schulung der lugend. Dehnte sie 19US ihre Tätigkeit von Sarajewo ans ganz Bosnien imb Herzegowina aus, so ließ sie 192;.; auch die Schrnute füllen, die sie von den Ajchkenasi trennte, und wurde zu einer allgemein jüdischen Gesellschaft. In diesem Jahre zählte sie neben dcu Stiftern und Wohltätern 612 ordentliche "Mitglieder und griff 1 -is Schülern mit Stipendien unter die Arme. Da sie 1921 ihren dreisügsten Geburtstag feierte, gab in ihrem Nauren der Belgrader Tichter und Publizist Stauislav Binaver eine serbokroatisch abaesaüte Leutschrist (Spomenica o proslavi lrideudogodi-u j ico sarajevskcg.'i kuliuniopolpomo^a drusiva «La J^ncTc-knch*') licran?, die durch lieber sotznn gen Hei ne scher Gedichte und Br wach- Lungen über den Philosophen Bergsvn und den Filmkomiker Chaplin mannigfach die Brücke zu den KnrtnrleisLungcn des Iudeutuws in nudereu Ländern schlägt. Bor allem aber erhellt sie durch Aorraudlungen jüdischer und christlicher Mitarbeiter wie durch Bilder Geschichte und Wesen der Juchen in Bosnien und bildet so eine dankenswerte Ergänzung zu Dr. Moritz Levis ..Die Sephardim >! Bosnien"; bedeut sau: sind die Beiträge von Dihomir B. D j o rdj eo i c „Die Inden der Balkanha Bin selch Bladislav S l a r ic „Ans der Vergangenheit der Saraievoer Juden", Avram A Ir a r ac „Die Hochzeitsbräuche der bosnischen Sephardim", Dr. R. Maestro ..Bon der weltlichen und st; nago aalen Musik vor den Sepoardim". Tr. Isak I.zrael „Etwas über die Volksmedizin der Jv.de n in Bosnien" und Dr. Italmi Barnh „Die Sprache der SepWrdim- IndevS. Die Geschichte der Inden in Bosnien ist ein Abschnier dcr Gebh'uhte der Inden ans der Balkan Halbinsel überhaupt. Früh schon uhiO von ihnen aus allen Ländern um das Miitetmeer'öecken berichtet; der Apostel Paulus stiest in Griechenland und Makedonien aus sie. und die Zerstörung Jerusalems durch Titus verbreitete eine;! ruten Schwall über den nahen Osten. In der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts geht in Bulgarien von Juden die Rede; der Zar Iovan Alerander G-Rl—1365) hatte eine Jüdin zur Frau; um dieselbe Zeit werden sie in Serbien erwähnt. Aber den entscheidenden Auftrieb erhielt das jüdische Wesen mir dem Balkan durch die Einwanderung der 1492 aus Spanien vertriebenen Sephardim; ne fanden im osmanischen Reich Schutz und Unterschlupf und siedelten sich, meiit das Gewerbe des Bankiers (Sarash Arztes oder Ghirurgen betreibend, in allen Städten der Leva u i e au. Bon Salon : k drangen sie nach dem makedonische;: Skoptje ftlskübl vor. da diese Stadt zu Sarajevo, oder wie cs damals dies: Bosna - Saraj. in engen Handelsbeziehungen stand, schlnüen sie bald anch hier ihren Wohnsitz auf; ihre Nieder-!a;>nng in Sarajevo scheint für 1741 sestznsteheu. ist für 1767 verl'ingl. Wohnten sie anfangs mit den Moslems Haus an Hau?., so reavde ihnen 17,>0 ein besonderer Slrasienbez-rk in der Bähe des - ' ars zugewiesen: 1677 eriväpnt der Bischof M a r i j n i\ B! a - :nnii. das; sie nur in Sarajevo ansässig feie;;. Ars 106 Ofen den Türken emriiien ward und wieder in die Hände bee Lavsburger fiel, zogen mir den Moslems auch manche Sephardunftnälien ab und wandten siä, nach B^o s n i e n. 1697 nahm Prinz bn>>eik v. Savopen BosuwSaraj im Sturru: da feine Scharen stch plündernd u;w sengend ans die Stadt stürzten, hatten die Inden rächt mn wernguen zn leiden: ihre Spnagog«? und viele Woimuänwr euumren nieder, und au>.h brefangeusichast war ihr Los. lieber die -wnsmaftluhe Tätigkeit der bosnischen Sevrjardim geben manch? Lsteuttücke ait> dem achtzehmen Jahrhundert Ausschr.uf;' aw Sarajevo Aulelpuntr un.d Umuülagsplal; eines weiLverzreeigten Handels unu. mu'Nen jte von beu Waren, die sie in Venedig ans- Hhrlen oder nach Venedig einführten. v. H. au die -ntzloria za>it<m. dann vour^e die Summe pauschai.ierü Aus Hst; I-.n'ue }, 7S ist ein Gerichlsatk erhalten: nBwn einem Nagen, ailerding-;- vergeblich, die Söhtw des Inden 9egen die ortlwdore ^Urctjeugemcinde wegen st' siiaster. die ihr Barer den Bischöfen Teranrm Gavri! Baüliie -wmsije und 'tzaluit gelte!,au batte. Irn Jahre 178S Legre eine der ‘•:i rncni luw seinen Holzhäikseru üblichen Fenersbrüuste die j ü d i s eh e Bl a h a l a (Stadtviertel S a r a ] e v o s in 'Asch?. 2ttrs dem Beginn des neunzehnten Iahrhmtderls.^ da mit Napoleons illyristhen Pläne,! und Gründungen französischer Einflus; nach dem Balkan hiunbergreift. beruhtet der Capitaine Leckere von den Juden in Travnit. damals der Hanpistadt Bosniens, das; sie mit den Türken in guten! Einvernehmen lebten, aber Furcht hätten, weil die IH n g u sauersicher ans Handelsneid - das Gerüc-'k ansstreuten, das: Napoleon. Fein.d des Osmanenreichs. den indischen Glauben predige! Der Staatskapitän Rour le Blazelicr zählt zur gleichen Zeit 2.7 jüdische Familien in Trnvnik. 200 in Sarajevo, insgesan.t WK* bis Juden in Bosnien, ans. . Zogen sie ans der tzmrtimmlalsperre und ihren Begleiierscheimutgen Borteil, so ging es ihnen nachher lärglicher; erst unter Osman Pascha (is«30 lehrte Wohlstand wieder bei ihnen ein. 07* wurden sie mit der österreichisch-nngarischen OklnvaLiou in den abendländisehen Zivil i sationsl reis ge rück t. Spt'iltc dieses Ereignis nicht wenige dentfchsprechende Juden ins Land, so gab es ihrer aus de m Balkan f dj o n i m s e ck; z e h n - t e n I a h r 1) u n b c r 1; tu Belgrad tauchten sie 177* auf und folgten von 171* bis 1779 zahlreich dem öfierreiajisthen Befatznngsheer in Serbien, aber maftgebend für Bosnieit wie für die ganze Halbinsel blieben die Sephardim. Als sie an der Wende des fünfte hüten und sechzehnten Jahrhunderts crichieneu, verband sie mit den bereits anfäsngen Inden nur ber G l a n b e: sie unterschieden sich von ihnen dnrck, Sprache, Lebensart und Gewandung, lim in ihrer neuen Umgebung nicht aufznfallen, nahmen sie die orientalische Tracht au; sonst aber zwangen sie, kulturell reicher und kräftiger, den vorgestnideuen Glaubensgenosien ihre eigene Wesenheit so auf. das; von jenen mdn die winzigste Spur übrig blieb. Namemlich ihre Sprache, das „.Imloo-Ichpanch", in da? sie sich im Laut des dreizehnren und vierzehnten Jahrhunderts hiueingelebt hatten, war das Werkzeug einer reichen Bildung, die ebenso aus arabisch-hebräischen Uüe ans chrts»- 1 i ch-last ikia ui schm Ouellcn slost, und wmrde und blieb die sst N i t e r - spräche aller Juden aus dem Balkan. Aehnlich wie Jiddisch viele Elemente des Mitrethochdeuisihen bewahrt, ftccfr diefts! „-Tüdec>-Espanor voller Wörter und Formen, die nur dem vor- . l t a s s i s ch en . nicht modernen Spanisch eigen. Da Hebräisch - die Nikual-, Türkisch die Berwaltungssprache war. haben sich ans; beiden nicht wenige Begriffe im Sephardim - Spanisch nieder-; aeschlagen; Handechdeziehungcn lagerten italienische llsörrer ad. seri bische finden sich gerade in Bosnien weniger. - Vernachlässigte anfangs das Sephardimtnm auch in der neuen 1 Heimat feine geistliche und weltliche Bildung nicht, so das; in Zk o n st a n t i n o i> e l eine hebräische Buchd r n ck c r c t für!itt:rgi;che Zwecke entstand und der türkische Geograph H ad s dr t a I f a im siebzehnten. Jahrhundert die j ü d i s ch c H o d, - s chule „eine der grösiteu Sehenswürdigkeiten Sarmüts" nannte, fo wirkte sich der Fluch, unter der alles geistige Leben ausdörrenden Herrschaft des Halbmonds hanwn zu müssen, auf die Dauer auch an den Sephardim aus; ihre Bildung beschränkte sich immer mehr aufs Religiöse und erstarrte im Formalen. und Phlegma und Stumpfsinn waren das Ende. Erbe vergangener Jahrhunderte, erklangen nur noch ein paar spanisch.' Romanzen bei ihnen länger als in Spanien selbst. Seltstun genug; stach die miLLelalterliche Romantik dieser Lieder von der so ganz; anderen Umwelt ab; Sitzt in ihrem Hof die junge Fürstin. Gold'ne stadel in der Hand und fädelt Perkcn. Oh, wie schön ist sie und herrlich! : lItavu>cl;t conita«a asonCada an sn porlalo. A"ujii*a de oro an mano ri!ana;i esia!:r jktL;. Hay. gahiiia y hrila! Aber nur im Gedächtnis alter Fra;;?.; lemchnt heute der Brr-lut solcher Verse noch zuweilen ans. Philipp Schiss. 'Am 2t. März ist im Xi. VWnsstilne Herr V l, i l i p p S N; i s iKihorlHTi. (fina alten, iMerstils mit d-er VVeschiäüe der TZraulsnrier Eenreinde rüg vertu-ndeurn Fonrikie cntstou'meud. naüur ce allezeit an den Vorgängen in der Frantsmler jüdisären uüe au dem Leben der gesamten deutschen Jndeud.eit den lebbasiesten und latlraUmnen Anlcil. In den W o h i f a i) x 1 v i u fl i i u t t o n c n der aUr!nwrrdlHcir dlln>eiude stand er stets an! ü l; r e n d e r Stelle, und vestpratüt,.- ücl; nivat aus die Pslea' toust'stoneüer 2go1Ntäki-zleii. ländern ivhu auch ei? 'A r ru e nI t! e g c r in der valiliststeu Gemerude vratü'ä, tatia bis;u»n, leisten Ta-.n' seines Lebens. Seine Venom'.dtstäasNiüten und reeund'üllastljaren Benbungeir zu den <. reiten d^-r aineritaniseaen 'Loetuinau', i.er hoar ein Bruder de? vor einigen Ialnen verstorbenen -stelo rstnftr Plnlantaropr n Iakoö S 5h i f f; a.abeu itnn die Atönliäu lei; am' die grvster, ^?i9->atnouen;,i!iiimfu'n der bedräuaten osteuravaiüsten Faden, vonseit dem .t;ri.<u- .lugunstcu der notleidenden Bevölterung ^.ent'wtauds bedeutenden und segensreiwen Einstust nt nehuten. Sü>üf laar von Aubeai.tn an cüriges Mitglied d<-s Eentraloereiu?. Als coarattervolier Maua hu tt mehr als andere unter dem VI u - t f a; t . das d r n d e u t i di c a Jude n durch d e n m v d r r rm: n A n i i i c tu i t i? in u o o n a c ( a u wurde, und als il ii t c v_ .i e u i i du* t ciuv'and er bona a!r viele andere den gren;enlo'en schaden, die di.st t u 1 tu i!v i 0 v i g c B c rv e q u n g dem