Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1925-04-17 · 16 (17.4.1925) · p. Seite 281

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
16 (17.4.1925)
Date
1925-04-17
Page
Seite 281 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2277379-2277569-2277585--02059-3536976
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Leelm, 17. DUs'lHLZ IV. “501)2gang •> Nr. 1H Einzelnummer 10 Holöpfenmg^ N .'nc: Lsclöo nn cm er: l 40 Golbpfsinng X zuzüglich Bestellgeld Vertag rind SchrtsUeiLurig: Berlin SW 68, Lindenslr. 13. .. Fernsprecher: Lml Tönhoff 3524, S-'OO. Bar ^Nleiin.ge Ln-eigenannahrne: Annonren-Expedition Bndoll Masse. Berlin SW 19. uni) deren Filialen^ Rudolf MosseS Norrnalzeilenmeffer Nr. <, Familienanzeigen rrnd Stellengesuche für Mitglird-ec Le? Lerrrral-L k£ <? i;.. > v s? r Von Dr. jur. J* Levp (Hsrlin), G‘3 war ein beliebies Aussatzlhema beim Abiturientenfriiincu: „Halt dir zwei Fremid' im Haus, das SB:neu und das Glauben, lind laß van keinem dir des andern Freundschaft rauben!" Ich hatte es im März 3870 als knapp achtzehnjähriger Bursch zu bearbeiten und erntete volle Zufriedenheit. £ glückliche Unbefangenheit der Jugend! Wenn mir heute noch einmal jene Aufgabe gestellt würde, ick) scheute zurück vor dem Versuch ihrer Lösung. Und doch ist sie immer noch so zeitgemäß, daß jenes Tichtcrwort als Leitspruch über der neuen Zeitschrift stehen könnte, die sich den kennzeichnenden Namen gibt: „Der Morgen!" In der Tat, ein Problem, das gestern war, ohne zum „ewig Gestrigen" zu gehören, das Jahrhunderte hindurch die Gedanken und Ce fühle der erlesensten Menschen beschäftigt hat und sie morgen beschäftigen wird und weitere Jahrhunderte, solange es Religionen gibt und Wisteufchaften. 'Gegrüßt sei die Zeitschrift, die sich das Ziel seht, Clanben und Wissen, wo sie einander zu widerstreben scheinen, zu versöhnen, wenn auch zunächst im begrenzten Rahmen des Judentums, gegrüßt die Männer, die den Mut haben, planmäßig mit der Treue gegen die U e b e r l i e f e r u u g die Ehrlichkeit berieten Forschung zu paaren. Wie heißt es in der Ankündigung der neuen Zeitschrift? Tom geistigen Schicksal des deutschen Judentums will sie dienen und damit vor allem dem religiösen Gedanken; sie will „wieder offenbar machen, was unsere Vorväter erfahren und festgehalten baden", aber sie will „cs in den Sprach- und Aufsassungsformen unserer Zeit". Sie wird dom alten Wahren das Wort geben, aber auch philosophischer Kritik, wird wirklichkeitsfremde Begriffe ausmerzen, aber auch Bruchteile des Unglaubens beseitigen Helsen. Der lebendige Zusammenhang mit den gegenwärtigen Fragen der Geisteskultur soll jüdische Frömmigkeit vor der Gefahr schuhen, entweder zu verkümmern oder einer Weltläufigkeit zu verfallen. ,.Xr das Erbe der Däter zum verhaltenden Nachklang der Vergangenheit sich verflüchtigt". Glückauf zu dieser Fahrt in die Tiefe und in die Höhe! Aber nicht um G l a it 0 c n unb Wisse u nur handelt es sich. Dazumal, als ich den naiven Prüsungsauftatz schrieb, gab es in meiner ostpreußischen Heimat und anbcrnieit in deutschen Laudon weder dem Namen noch der Sache nach, was später A n t i \ c nt itis m u s ode r R n j j e n h a r> hieß. Ich habe davon auf dom Gpmnasium nichts gespürt: ich habe aus der Universität einer Burschenschaft angehört: jüdische Studenten, die „des Königs Nock" anzogen, wurden wie andere fristgerecht zu Offizieren befördert. Ter Abstammung und der Religion nach Juden, wur bui jtc i m bürgerlichen L e b c n a l s Deutsche b e t v a chtet behandelt. Wie sollte es anders sein? Standen doch unter dem Gesetz über die bürgerliche und staatsbürgerliche Gleichberechtigung die Namen W i (h e l m und B i s m a x cf! llnb gleichwohl, schon ein Jahrzehnt später, trotzdem deutsche -ouden genug im Kampf um das Deutsche Reich Gut und Blick hiugegeüeu hatten, kam Stöcker und kam jene „Bewegung", die K a i f e r Friedrrch a l s die S ch m a ch des Jahr h ändert s bezeichnet hat, und die den Dichter Joseph Viktor Scheffel veranlagte, Zur Reichegründungs' fcier ISSI den kernigen „(üedenkspruch" zu stiften: Sroßt an: ein Hoch dem Deutschen Reich! Au Kühnheit reich, dem Adler gleich Mög's täglich neu sich stärken! Doch Gott behüt's vor Klapeuhaß Und Rassenhaß und Massenhaß Und derlei Teuftlswerten! Und abermals kam ein Krieg, blutiger als je einer zuvor, und abermals opferten die deutschen Juden im Dienste für ihr Vaterland Tausende und aber Tausende ihrer Söhne, und was kam danach? Roher aw je seit dem finstersten Mittelalter loderte der Judenhaß wieder auf und feierte seine £ raren unter dem neuen Zeichen des Hakenkreuzes. Nicht Deutsche sollten die deutschen Juden sein, harten sie und ihre Eckerväter gleich seit unvordenklichen Zeiten aus deutschem Boden sich mit deutschem Geist erfüllt, deutschen Geist befruchtet, sondern Fremdlinge und geschworene Feinde dee Deutschtums. Gegrüßt darum „Der Morgen" auch wegen seines Vorsatzes, der Forderung des Tages Geltung zu schacken, die da gebietet, der Gehässigkeit, wo sie sich betätigt, und der Unklarheit, wo sie sieh widerspiegelt, die lautere und klare Wahrheit entgegenzustellou (wie es in den Richtlinien der neuen Zeitschrift heißt), „daß wir n a ch A b st a m in u n g n n d A e l i g i o n I u d e n , n a ch K u l t u r u n d V a t e r - l a u d Deutsche sin d". In diesem Kamps für die Wahrheit will „Der Morgen" auf höherer Warte stehen als auf W’ l'i? \$r . Ius ösm Inhalt: Der Ksrgrn. Von v.-. -un..Lsvq lSerlin). p » r r Wirli! 2% Von Oiio Nuschle, M. d. r. S. 252. Ein Abend Seim praflöenfeti Eöert. Von Prof. Eugen Woibc. <5. 254. Die EepiMdm; in Vosnien. Von Hermann Wendel. S. 257.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.