Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 15 (9.4.1925)
- Date
- 1925-04-09
- Page
- Seite 269 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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260 Die ägyptische Schmach. zmi Nabbiner Dr. Jacob (Tortn'uind'. Auf Lcsucheu htz Sictofacit sei hier Im der ^.eUlündschuick einer xtuffcr.fd;afi!idjcu Untersuchung w:<der§e§ck'cn. die ich in: lebten | Äffte feer „??tonatvfdjtift füc Geschick!« und 29i,!en;chc!sr des Juden. - tuiu^ beendet Hede, inx er, fc^foitber^ in dieser fofti«glichen Zeit, rion! allgemeinem Lnteressr fein dürfte. - Vielleicht die älteste gehässige Beschuldigung gegen das Bork; gjrnel ist die fdjon vor zlveitausend Jahren von den Alexandrinern,! möglick-e noeise schon von den alten ägyptischen Schrisigelehrton, j erhobene Anklage, daß die Israeliten fen ihrem?luszuge ans; s-legypten allerlei ltoftbarleiten, unter dem Vorwände, sie nur leih-! reeise mitzunchuwn, sortgesthleppt hätten, ohne sie jemals wnedorzugeben. Die Bibel selbst soll dies bezeugen. Tenn, so feißt es im 2. Buch Moses. Kapitel 3. Bers 21, nach der Uebersetzung von Lutfer: „Uno ich will diesem Volle Gnade geben vor den Aegypwrn, daß. wenn ihr auszieht, ihr nicht leer anszieht; sondern ein jegliches Weib soll von ihrer Nachbarin und Hansgonossin fordern ' silberne und goldene Gefäße und Kleider; die sollt ihr auf eure j Löhne und Töchter legen, und den Aegyptern c n t io e n b c r,* (Bibeln Versetzung von Kautzsch: Schnurcksachen und Kleider ent* l c h n e n ... und so die Ägypter plündern). Ferner Kapitel 12, Vers 36: „Dazu hatte der Herr dem Volk Gnade gegeben vor den Aegyptern, daß sie ihnen leiheten und entiv a n dien es den Aegyptern." (Kautzsch: so beraubten sie die Aegypier.) A-u komprorniLtiercudsten ist dabo:, daß sie diesen Diebi sraht nicht ans eigene Faust begehen, sondern sich von „Gott" dej schien lassen, ein Beweis für ihre niedrigen Begriffe von Aeligion! und Bi oral. j A n n kann sich denken, m it uoelchec Wollust die Anriss unten! und Feinde dos Alten Testaments zu allen Zeiten bis Houston i Steward iS h a m b e r 1 n i n , den: „gerrnani schen" Versa per der ' Grundlagen des 19. Jahrhunderts, und Theodor Fritsch, dem i:n* j ermüdlichr-n Fabrikanten judenfeindlicher Pamphlete, sich auf diese s Bloße gestürzt haben. Sie können sich dabei auf die gelehrtesten Autoritäten der akttestamentlichen Wissenschaft berufen, die gleich-! falls von Entwenden, Stehlen, Betrügen, Prellen u. dgl. reden, j So sagt z. B. der bekannte Berliner Forscher Eduard Meyer: „Gott weist, dast die Israeliren nicht wiederkchren und den Aegyp* l lern die Sachen nicht zurückgeben roerden, dast die Vorspiegelung - der Rückkehr nur Trug ich: er ist nicht der gerechte Gott der Well, s sondern durchaus Partei, uno so verschafft er seinem Volke noch | einen ansehnlichn Gewinn auf 5kosten der Fremden/ Hort man nicht beinah den Jargon einc-s Fri-sth heraus- Aus der andere-: j -Seite ist cs bisher allen apologetischen Anstrengungen noch nicht j gelungen, diesen Anstost befriedigend zu beseitigen. Und doch ist die herkömmliche Uobersetzn'ng und Auffassung falsch und im« Niöglich. Zunächst stünde dieser häßliche Zug in Widerspruch zu dem ganzen Geist der Erzählung, von der er den Abschluß bildet. Wie nachgewiesen wird, liegt den zehn Plagen, die über Aegypten , kommen, die Vorst-Itnug des Gesetzes vom widerspenstigen Sohne zugrunde, der den Eltern nicht gehorchen null, und wenn alle Mahnungen rurd Züchtigungen nicht geholfen Häven, schließlich dem Gericht übergehn und zum Lode gebracht wird. Die Plagen sind Züchtigungen für Verweigerung, des Gehorsams, denn wer nicht hören will, must fühlen. Pharao ist also ein widerspenstiger Schn. Auch er ist ein Kind Gottes, aber ein ungehorsames. Mizrai-n ist ein Bruder Israels, des andern Kindes Gottes. Alle Volker sind Kinder Gottes, alle sind Brüder, denn sie sind alle Nachkommen des Einen Urahnen, Adam oder Noah. Um so unverträglicher wäre mir die fern hohen, volle euer söhnenden, sittlichen Standpunkt ein Diebstahl, dcn die Israeliten beim Abschied begehen. Zunächst begreift man nicht, zu welchem Zimecke sich die Israeliten beim Auszüge goldene und silberne Geräte und Kleider von den Aegyptern „leihen". Damit sie, wird behauptet, ihr Gottessest würdig feiern können. Und auf ein derartig fadenscheiniges Vorbringen sollen die Aegypter nichts Eiligeres zu tun gehabt haben, als ihre Kasten und Truhen zu entleeren und all ihre ^Kostbarkeiten den Israeliten, die sie mit Sack und Pack, mit Kind und Kogel abziehon sehen, und die nie gesagt haben, daß sie wiederkommen werden, zu „-leihen"- Ich bezweifle, daß ein einziger deutsther Bauer seinem jüdischen Nachbarn bei aller Freundschaft in solcher Lago auch nur seinen Soun tags rock „borgen" würde. Nebenbei sti beuwrlt, das; das Wort, das mmi hier mir „Nachbar" über-!-Jck, i:u hebräischen dasselbe ist, das nun: sonst mit „Nächster'' wieder-,uvt. der schlagenoste Beweis, daß der „Nächäe" im Alten Dosmmrnt, z. B. in dem Satz: „Du sollst deinen Nächsten liefen nric dich selbst", nickst nur den Volksgenossen bedeickeu kann, denn hier ist der „Nächste" ja ausdrücklich ein Acgypler. Die Mitnahme der Sachen wird an allen Stellen der ^christ (außer den feiern oben angeführten noch 1. Buch Moses, Kapitel 15, Vers 13 und 2. Buch, Kapitel ü, Vers 2) mit dem A u § z u g in Verbindung gebrachl. In dieser letzten Stunde sollen sich die Israeliten die Gegenstände erbitten. Denn dies und nicht Entlehnen oder Borgen bedeutet, wie zuerst sestgestetl: worden muß, das betreffende Wort. Die Ehrlichkeit, deren Sache ja die Bibelkritik zu führen hier so beflissen ist, Härte verlangt, dieser: unbestreitbaren Tatbestand rund und klar auzuerlcuncu, flnuctU sich mit sophistischen Aedewendun-gen daran vorfeizu wind-eu. Was fedeuteie es, daß Israel Aegypten verließe Daß cs das Haus der KucchAchasc verließ? Also sorgt Gor: dafür, daß sie nickst bloß cnckassen, wudern so entlassen werden, une es rnuh ifrnc-!itischen Anschauungen und Gervohuheiten einem Knechte nach langjährigem Dienste zuwmmt. So schreibt ein israelitisches Gesetz vor: „Wenn dir dein Bruder, Hebräer ober Hebräerin, verkauft, so diene er dir sechs Jahre, und im sieben nur Jahre sollst du ihn frei von dir euckassen. Und wenn du ihn von dir entlässest, sollst du ihr: nicht leer entlaststu, ein Angebinde sollst du ihm machen; von deiner Wolle, deiner Tenne und von deiner Kelter sollst du ihm geben" (d. h. Kleidung und Nahrung-. Wie das sichnischc Wort lehrt, bestand in alwr Zeit die Milgabo in S ch m u cf - fache n. Sie war buchstäblich ein „Angebinde" als Avschieesgescheut. Es entspricht einenrein men schlichen Empfinden und atmet in seiner patriarchal i'cheu Noblesse echt se-micischcn und israe- Li tischen Geist. Dem enckassuun 5c noch t soll :nan den wohboolleudeu und freigebigen Herrn au scheu können, und mir S-lolz soll er au? die Geschenke Hinweisen dürfen, die er als Zeichen der Anernuu.ung und Dankbarkeit aus fem Herrenhanse iniioekommeu hat. Auch sonst rverdeu diese drei: silverne und gelaene Geschnwide und Gewänder als Gesthenke zufainmcn genannt, z. B. als Brauigeicheule. Afer das fawle Wort: „Und ihr sollt Aegypten ausplünder n ... und so P l ü n d c r t r u s i e sl c g Y p t e n a n s V Aber gerade in diesem Worte rrin die so schnöde verlanuie Gesinnung der Bibel noch herrlicker zutage. Z:var voar mau über dieses Wort schon frühzeitig ratlos, nichifeesteweuiger aber ist diese Uebersetzung ganz willkürl-ch und sprach ich ohne den mindesten Anhalt. Es bedeutet im Hebräischen, nienuals etwas anderes als retten. Freilich wußte man hier damit nichts anzusangen, denn was soll es in unseren: Zusanuneuhang bemgen: „Ihr soll: die AegYPier retten. - und so retteten sie die Aegumer" i Das Wort Aegypter war für den Israeliwn mir den birrerften Erinucru::gen verknüpft. Es wäre kein Wrrndcr gewesen, voeu.n er den Aegypter als den einstigen Unterdrücker seines Vfekcs haßte und sich berechtigt glaubte, ibw von allen Wohltaten, die sonst dir Schrift gegen Frerndc gebietet, auszuschießen. Wie, einem Aegypter soll ich liebreich begegnen? War es nicht in Aegypten, wo unsere Väter geknechtet wurden? Wohl, sagt die Thora, aber haben sic euch nicht schließlich doch in Fienndschaft in:b mit Kiefesgafen entlaßen, also nicht arrders gehaudel:, als ich jetzt von euch gegenüber jedem Fremden verlange? Daran: ..verabscheue nicht den Aegypier, denn ein Gast v?arst dn in seinem Lande". Diesen A'ppell uioti vieren zu können, ist der Zweck der Erzählung. Und da die Aegypter, die nicht so roei: sehen, von selber nicht fen’aii} gekommen wären, so sollen die Israeli Len die Jnitialive ergreifen. Sie sollen sagen: Laßt u ns in Freund sch L f t scheiden, gebt uns etwas zuu: Abschied, cs wird euch rillst gelohnt werden! Sie sollen die Aegypter so weit bringen, daß sie es ihnen anbieten, damit es ein wahres Gastgeschenk sei. 2-c rettet Ifrael Aegypten, seinen jetzigen Widersacher, rüdem es ihm beim Scheiden die Brücke baut, aus der sie eins: als Brüder zueiuander finden Umnen. Es wird entschuldigt und von späteren: Haß urrd Ausstlchuß gerettet. Darum loird auch von dem Volke Aegyptens leine Feiiedse'ligkeit gegen die Israeli-en berichtet. Die Ilnterdrücker und Hasser loa reu nur Pharao, seine -Timer und die Eyarlumim, die serviler: oder verbohrten Gelehrten Aegyptens. Damit nun jene LrefeK-tat nicht von dorn künftigen Gesthfehr vergossen werde, solle»', die Israeliten die aescheuku.u: Scheuuicksuchen ihren K irrdern au logen. Sie sind es, die nach jener großen Zeir fragen und ihre Erinnerungen beivahren sollen. „An diesinu Tage fyafe ich die Schmach Aegyptens von euchgcuounneuch Weit eniftrnt, daß diese Erzählung dem Alten Testament zrrr Schande gereiche, ist sie im Gognuoil eines der cxhcbmdsten Zenggtisie ihres Geistes velkerversöhrwiDer Nächstenliebe. %