Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 7 (13.2.1925)
- Date
- 1925-02-13
- Page
- Seite 125 (sequence 1)
- Language
- German
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SerUn, 13. §sbruar 1925 IV, Jahrgang » Nr. 7 Einzelnummer 10 GolOpfenmg \] Os) 2Ul^emeine Zeirun^ des Oudemums SRonfltlobonaemfr.t 40 Coldp'enmg Verlag und Dchriftleipung: DerNn öW6S, Lindmstr. 13. Fernsprecher: AmtDonhoff 3594, 5505. Bankkonto: Dresdner Dank. Wechselstube G, Berlin 8^V 63. Lkndrnftr.7 Allrinrge Amelgenann^brne: Annoncen-Expedition Rudolf Moste, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenprrise: 0.75 Soldmark für die 7 gespaltene Zeile nach Kiudolf MofscS Norrnülzeilenmester Nr. 4, FamilienanZergen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Dereins 0,40 Soldrnark, die 90 mm breite Reklamezeile 4 ©ol&mart §§SMSßNschsft» X Von Dr. Eugen Schmidt (Nünchsn). Wir veröffentlichen gern den Aufsatz Dr. Eugen C ch m i b t 5 o^ne in allen Punkten mit ihm einig zu sein. Die Schriftleituns- Auch wer scharfe politische Kämpfe zu beobachten Gelegen» beit hatte, muß erstaunt sein über die Niedrigkeit der Gesinnung, die stellenweise in völkischen Kampfeswelsen der Nachkriegsjahre zutage trat. Und dies geschah i m Lande Kants, der die Würde des Menschen verkündet, und gelehrt har, daß man ihn niemals als bloßes Mittel gebrauchen dürfe. Und man wird nicht minder erstaunt sein über die Gelassenheit derer, die es doch besser wissen mußten, und die dabei ruhig Zusehen konnten, sofern sie nicht unmittelbar betroffen waren. Tie doch wissen mußten, daß unter solchen Methoden eine Gemeinschaft unmöglich bestehen könne oder, wie Simmel sagt, daß jene Maxime die Formel für zede Vergesellschaftung darstelle. Wem fallt bei der Art und Weise, in der Volksgenossen gegen andere Volksgenossen Vorgehen zu können glaubten, nicht Rathenaus Wort ein: „Wer Lust hat, über Sklaven zu herrschen, ist ein entlaufener Sklave: frei ist, wem Freie willig folgen und wer Freien willig dient. Tie Freude, die Despotismus bringt, ist die Freude an der Selbstüberhebung, au der Niedrigkeit der Menschen." Despotismus und Pöbelherrschaft entspringen denselben Beweggründen. Es ist wohl nicht norwendig, deutlicher zu werden, wenn man etwas über die tieferen Gründe solcher Bcrhaltnngsweisen anssagen will. Die antisemirische Bewegung hat ohne Zweifel die deutsche Judenschaft in eine große Not gebracht. Dies zeigt sich allein schon aus der Stärke ihrer Abwehr, die in starken Organisationen zusammengesaßt ist. Ich denke in erster Linie an die im Kanellkonvent (K. E.) vereinigten Korporationen und an den Eentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Ich denke anderseits an die Palästinabewegung. die eine für den Idealisten so überaus erfreuliche Erscheinung ist, indem sie gezeigt hat, nuc eine Idee, so ganz utopisch zunächst erscheinend, so ganz „weltfremd", es doch Vermocht hat, sich im Reiche der Wirklichkeit bis zu einem gewissen Grade dnrchznsetzen, eine Leistung, die als bewundernswert neidlos anerkannt werden muß. t Sind nun die Auswirkungen der antisemitischen Bewegung wirklich so bedeutend, daß daraus eine Abwehr voll solcher Stärke entstehen konnte? Ist es wirklich so schlimm, lurnn jemandem hier und da ein scheeler Blick oder ein mißgünstiges Wort zugeworfen wurde? Gewiß sind vielfach darüber hinansgehend körperliche Roheitsakte gemeinster Art vorgekommen. Aber es ist ebenso gewiß, daß eine ganz andere und viel furchrbarere. leider nicht ebenso beachtete Wirkung von dieser Bewegung ausgegangen ist. Und diese Wirkung besteht darin, daß der An- Eise m itis m u s. verbunden m 11 der see> Glichen "Abwehr, die der deutsche Jude gegen ihn bereit hat, ihm den Weg in die G cm ein fdjaft, w e n n nicht versperrt, so doch erschwert. Daß er ihm die Freude am Staate nimmt, ja. NM zunächst von seinem persönlichen Standpunkte auszugehen, daß er ihm die Harmonie des Gewissens raubt. In einem trefflichen Buche „Ter Weg aufwärts! Organisation^) sucht Tr. Nicklisch den Begriff des Gewissens zu definieren. Und zwar der Form nach abs ein unmittelbares, innerstes „selbsttätig sich-seinerfelbst-bewnßt-sein". Ties doch ist in Wirklichkeit die tiefste Not des deutschen Inden, daß hier irgend etwas ist, was die Ruhe des Gewissens stört, etwas, das chm noch erschwert, sich als Ganzes und Glied zugleich zu fühlen. Taraus auch nur, nicht aus irgendeiner mystischen Blutsgemeinschaft, kann der Zionismus verstanden werden, als ein Versuch, aus dieser Gewissensnot herausz n kommen, als eine Lösung des ewigen Problems, das dem menschlichen Gewissen gestellt ist: aufzugehen in einer Gemeinschaft. Und so ist der Zionismus aus einem Optimismus und Pessimismus zu gleicher Zeit entsprungen, ans einem Optimismus, insofern er glaubt, daß eine Lösung dieser Gewinensnot überhaupt dem Inden möglich sein wird, aus einem Pessimismus, insofern er an eine solche Lösung in Deutschland, seinem Ursprungslande, nicht glaubt. Es ist nicht zu verkennen, daß dieser Pessimismus durch die Entwicklung der letzten Jahre in Deutschland reichlich Nahrung erhalten hat. Tennoch halten wir ihn für u n - berechtigt. *) „Der Weg aufwärts; Crgauifcfto:;." Drr'nch einer Grundlegung Don Professor Dr. Nicklisch, Berlin. E. L. Porsche! Verlag, Sr uN gart, 1922. lii!li!!i]li)!!!!!ii!iiiilil!!!!!lilil!!ll!!!i!!li! iliilS flm ö§M Inhalt: Volksgemeinschaft. Von Or. Eugen Schmidt (München). Von den „überparteilichen" VauemhochschNleN. Von Lenka v. Koeebcr (Leipzig). S. 126. Diplomatie und Judentum. Von Dr. 3. Levp (Verlin). S. 123. Mlische Dichtung. Von Zuttuö Lab. S. 130.