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Central-Verein-Zeitung · 1925-01-29 · 5 (29.1.1925) · p. Seite 90

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
5 (29.1.1925)
Date
1925-01-29
Page
Seite 90 (sequence 19)
Language
German
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00 hohen Gerste des Centralvereins mit Schrift und SSort zn U'ivfni bestrebt war. fchlvebt am Ende jcrncs Daseins das Bild ror. eine kleine Mahnung zu hinterlassen. Hochachtungsvoll S. S t c : u b e r g; n H a m ö :: r g. * Das haßerfüllte antisemitische Wühlen unserer schmachvollen Gegenwart erweckt Ln mir einen Vorgang aus frühester Jugendzeit, der sich tief in die Kindesseele genistet und heute seine Niederschrift für den rechtschaffenen Manschen gebietet, dessen ehrliche Gesinnung vor dem zersetzenden Magengist gewissenloser Hetzer geschützt blieb. In dem armseligen, aus fast hundert Wohnhäusern, Scheunen und Katen bestehenden hannoverschen Dorfe M a ck e n s c n. am Ausgange des -Lvlingerwaldes. stand meine Wiege. Außer dem steuereinnehmenden Amtsvogt. dem Reviersörster, Pastor und Kantor gab es nur einige Bauern und Ackersleute, die cur bescheidenes Einkommen besaßen, während die übrigen Bewohner, uw ist Holz- und Steinbrucharbeiter, gelegentliche Tagelöhner und Lerueuweber, rin kümmerliches Dasein"fristeten. Trotz der kargen Bodcnbeschaffenheit und schweren LebcnsbedLngnugen uourde Mackensen von den benachbarten Ortschaften beneidet. Hier hatten vor vielen Jahren elf jüdische Familien einen festen Wohnsitz gefunden und bewahrten uni ihrem rührigen Handel und wirtschaftlichen Entwicklnngsbestreben das Dorf vor gänzlicher Verarmung. In diesem mühsam um seine Existenz ringenden Orte kannte man keinen kirchlichen Unterschied. Jeder achtete das religiöse Bekenntnis des andern. Lutheraner. Katholiken und Inden Lebten friedlich miteinander. Nur die Leben.- sührung des einzelnen, sein Wirken und Streben kam in Frage und bestimmte seinen Wert. Obwohl meine Eltern bitterschwer mit der täglichen Not zu kämpfen hatten, keine andere Habe aU acht gesunde Kinder besaßen, zählten sie doch zu den angesehensten Ortsbewohnern. Mit unsäglicher Befriedigung gedenke ich der Erklärung des Pastors Eöltuer, die er in seinem Bericht an den^damalmen König von Hannover wörtlich aussprach: „Die Familie 'S a l o m o n Steinberg ist die großherzigste Wohltäterin meiner Gemeinde. Wenn die Hilfe aller Einwohner versagt, bleibt sie sorglich bemüht, die Not der Annen zu lindern." Von solchem wahrhaft menschlichen Wirken bewegt, übernahm der Landesherr bei der Geburt des siebenten Sohnes bcreitwilugst d:e Patenstelle; es ist die größte Freude meines langen Lebens gebliebcu, daß mein Bruder Ernst August die hoheitsvolle Erbschaft unserer heißgeliebten Eltern in ihrem ursprünglichen Glanze bewahrte, bis zur heutigen Stunde. Diese stolze Errungenschaft ist insbesondere unserer edelgesinnten Mutter zu danken, die. einer hochgeschätzten Familie des nahen braunschweigischen Städtchens G a u d e r s h e i m entstammend, an Bildung und Güte alle Frauen des Ortes weck überragte. Wie oft haben wir Kinder auf ihr Geheiß die besten Speisen und stärkenden Getränke den Hungernden, alten und kranken Leuten zutragen müssen, während uns nur ein Stückchen trockenes Brot mit einigen kalten Kartoffeln übrig blieben. Damals haben wir die mütterliche Fürsorge für Fernstehende nicht begriffen, auch wohl gar dagegen gemurrt. Heute wissen wir, daß sie uns das höchste meu;cgliche Gnt, ein warmes. opferfreudiges Mitgefühl für den wachsten, tief in die Seele senkte und uns damit die irdische Glückseligleit bescherte. Unter den vielen Hilfesuchenden erschien an einem nnvergepencn Tage die Frau des Rinder Hirten Koß, die ernst als Magd in Gandersheim gedient und daher eine besondere Freundschaft mit ihrer engeren Landsmännin pflegte. Meine Mutter sah in der alten, von Aot und Elend schwer bedrückten Hirtcnfran noch das junge, blechende Mädchen ihres Heimatstädtcheus, das einst hosfnnngsfreudig dem geliebten Manne in das weltvergessene Dorf gefolgt war und hier ein hartes Schicksal, die bitterste Eniräu'.chnng gefunden hatte. Kein Mensch hätte ein innigeres Mitempfinden für die arme Dulderin hegen können, als meine Mutter. Heute erschien die arme Hirtensran znm Danke für. die erwiesene Hilfe un) berichtete über die hoffnungslose Krankheit ihres Mannes. „Ach nein, meine gute Frau Steinberg," rief sie nach allen Trostesworten schluchzend, „er wird ja nicht wieder besser, mein braver Mmnr wird sterben, der Tod lauert schon Tag und Nacht an seinem Lager. Ich werde das Einzigste verlieren, das ich besessen habe. Der treue Kranke hat nur noch die eine Bitte ausgesprochen, Ihr Mann inöge seinem Sarge folgen, dann könne er ruhig sterben." Meine Mutter gab natürlich ofort die feste Zusicherung, ob schon sic eifrig auf die anderen, äuge eheneu Einwohner hinwies. „O nein," entgegnete leise die weinende Hirtensran, „mein Mann hat ja zeitlebens keinen Mensch-en höher geschätzt und verehrt, als den alten Salomon, der selbst mit Sorgen rümpfte, aber immer ehrlich für alle Notleidenden sorgte, soweit er konnte. ,Wack geht inel de rileu Lue an/ wiederholt er fortwährend in seiner Mackeuser Mundart, .da hebbat fit uich um mcC bekümmert, de olc Salnaou is de beste Minsch in Dörpe'." Fünf Tage später, am ll). Juli 1§6Z, läutete die Kirchenglocke znm Begräbnis des entschlafenen Ninderhirten. Bewegt folgt mein Vater dem schmucklosen Sarge. Ein beglückendes Gefühl" durchströmt seine Brust in dem Bewußtsein, den letzten Wunsch des Toten erfüllt zu haben. Einsam steht er ergriffen am Grabe. Kein Ortsbewohner, kein Verwandter, kein Mensch erweist dein braven Mann die letzte Ehre, der volle vierzig Jahre sein Bestes in bittcrschwerem Berus für einen Huugerlohn pslichtaetrcu geopfert hat. Wehmntsvoll bewegt blickt der verehrte Diener der Kirche auf das seit sin ne. herzbewegende Bild, wie er cs noch nie geschaut: „Ein Jude, der einzigste Begleiter zur letzten Ruhestätte des Christen." Ans tiefem Sinnen erwachend. drückt er die Hand des geschätzten Zeugen und leise, kaum hörbar, haucht cs von seinen Lippen: ^.Urewige Gewißheit. Uns alte hat ein Gott erschaffen, vor seinem Nichterstnh! sind alle Menschen gleich. Glücklich preise ich den Toten, der im sorgenschwersten Leben ein eisernes Pflichtbewusstsein bewahrt und dessen letztes Verlange,: die bereitwilligste Erfüllung fand. Ich danke Ihnen ans tiesle.oegkenl Herzen." —- Kieme Chronik. Iu Dingen stark» im Alter von 67 ^cnrcn Komuicrzienra! Julius SnMii, einer dcc t>cfaitiiicfteit und gcachtetsten Bürger der Stadt Bingen. ttvmmcrzicu. rat Julius Landau war Stadtverordneter van Dingrn und Zwei Iai’-il Mitglied der H2ude's!anuucr. Seit Grnnduna der Ortsgruppe Bingen tcs Gcntrnlvcpeins u>at er deren Bar fitzend er und seit dcm Bcstshcn dos Landesverbandes Hs^cn-Aüfsau uud Hessen des Lentralvereins dessen Vorstandsmitglied. 21 Gelier Inun flau!) der Verstorbne als Prä'cs der Indi''-.hen Lcurcind: Birken, vor. Der Ccutralverciu. mit ihm die fctutfd;: Iudcnschaft, betrauert in tcm i-e:- f-orcer.cu einen treuen äKitlümpfcr und oegeifterlcn Freund. — Am 10. Ian.r;ar srirrte Herr David Bach manu in Varburg sein jähriges IndNanuc. alv- Vvesitzcudec des Vorstandes der Cynagogcngeincinde-. $;cc) einem Irstgstte-- d'-eusr rvurde ihm von einer Dsvutativn ein beschenk nöerrcicht. Baa.-inann ist seit 23 Jahren Mitglied des Centralvereins. -- Am 21. Januar vellkndrte der Prediger und Lehrer a. 0. Jakob 0 st w <r l d sein 87. Leben-stahr. Ter verdiente Mann, der über 1) Jahre lang in Wirten in Westfalen «iue reich» gesegnete Wirksamkeit entfaltete, verbringt seinen Lebensabend in 3 c : l i 5U 6 d) o u e b e r g. - - Am 17. Januar beginn das langjährige Mitglied de» Cenlralvereins, Herr Lehrer Philipp 5t r o t o f ch i u in Berlin, in ge'.stigrr und körperlicher Frische seinen achtzigsten Geburtstag. Dcr Jubilar 'hz* 37 Jahre u. a. als S?c-igionslchrcr an der Jüdischen Gcu-.cindr zu Berlin yrrvrrtt. -- In Kasse! beging am LI. DezrmLrr Koninrcrzlenrat (Sn-tao P l a u t in voller lörxerlichtr und geistiger Frische seinen 70. Sebnristag. Koumirrzienrat Plant hat rreben seiner vielseitigen bernslichrn Tätigkeit stets Vrast und Zeit öu ehrenaintlicher Arbeit im Vien sie der Bllgemernheit gesunden und gehört dk'.'.t Ortsanssci'N'Z der Hilssvercino Srnisb'rr Juden und der OctccxwpYZ des Lentrarvrrcius als getreuer Berater er.; rpir wünschen ilontHiev^iciir.u $ I a u t noch eine lange Neihc g'.i'nlücher Jahre. — Unter Vnt.'üuahü-.e der gangen iildischen Bevö'kerrtvg wurde in 031 o 11 f ä u in Schlesien eine Ortsgruppe des Centralvereins gegründet. — Herr Iolrxch u j e l iuO Frag Marie gcb. Äoscntre.-.e r:r D o n q x o xd l t;.;rüder Pre» 'nicz Pose', i.'dt Polen, begehen a?n 2. Februar ihre getdcve Hsch-ei: in url.e. glchägee und iörperücher Frisö'e. TZNLGSrkSK. Nclruion auf Attmeldessrmnkaeen. Irr Gürtels und P-onnonen vrlrd noch vrrtfach auf -Arruretdeforrunlarcn die An g a L t Der Ncligisn r-cc» Kmgf. Für (-ö r o ß -- B c r l i n hat d-cr Poli^eiprofirrcut unter dem 29. Degen:der 1924 verfügt, daß die Angabe der Äeligivn ans Lnpickd-os-rLtU' laren der Hotels in Zukunft f o : t z u b l c i d t « h a t. Nam Köln und MagLrhurg. Dir hoffen, L25 Herr Rechlsrnrualt ir?. SIci feine Behanplnv.g. der Canlralverrin bsnu-.e seine von Zia-n:Kcn gegebcucn Gelder für die Bekämpfung der Zionisten, nach den energif-^en Ent» gegnnngen in der Magdeburger Wahlversammlung und nach der T-eBürr das LirtUels „Klarheit und Wahrheit^ von Dr. Ludwig Holländer („C. V.-Zritung.^ Nr. L) nun endgültig soUcn läßt. Ten Beweis für fciuc Behauxtunz hat er noch nie an treten können. .Writzer Hirsch br: Dresden. Der Zahnarzt De. KIrrtzes (Weißer Hirsch d. Dresden) hat einer Palientin, mit der cr rvegen eines 3!e-r» Postens von 9 Mark in Disserengen geraten rvar. eine Karte mit crutiscmitischcu Grobheiten geschrieben. Da ckHerr Dr. -Kinhe-, roegcn Lir'rr Bc» le idignngen zur Rede ge stellt, cs noch nicht einmal für natrocudig hält, sich irgendwie darüber Ln äußern, glauben wir in feinem Sinne zu handeln, irtrut vsir cs nuferen Freunden mitteUan. damit Herr Dr. Lrintzel in Zukunft von küdischen Patienten verschont bleibt. M<a^)sLnrgee ,,?(u'wttrLs"'. Das in Magdeburg erschrrnenbe radau. r-ölriseb-c Blalt „Ll u f rv d 1 t s", ccsscn Inhal:;u CO Prozent aus Bernn» g-w'p'r.ng-en dcr Führer des Magdeburger Centralvereins bcilunD, hat nach nur h-aibiährigem Erscheinen sein Dasein als selbständiges Drgan anrgegeben. Das Blatt solr in Zukunft als Beilage des Münchener „Natirualsozialstck erscheinen. H. B., KöniIsHrog. Bielen Dank für Ihren Hinrrers. daß SB a! t ' c : Hey :n c :t u , den trefflichen deutschen Dichter, der am 5. Januar t!)15 für das B-uterland den Tod erlitt, nunmehr schon zehn Jahre die kühle Erda deckt. Daß aber fein Lingen und Dichten nicht verget'.en ist, haben crfrenlichernei'e ZLl'.trcichr dencksch-e Zeituu.grn, darunter auch die „ttönigsdarger Hartung che Zeirungch mit einem Bus-ah von Heinrich Eptero Lezcugt. Dt. L.» CkrlLin. Die Tischlerei Hermanr! Stephan in KosNn hat rin erchild an-gehängt: „Inden haben keinen ZuiritD. Dir Inen sichest d.'vr anzuerlenncnd ochetiherzig.-n Herrn Stephan einen Gesellen, wenn rvir dieser Lerdst öffentlich bekannt macheu. BcrrchtigUNN. den Arlilel „Die Ichien Neste rnrÜesolterllLkr Bar» barcD in f!r. L Der „C. B.-Zeilunech haben sich Zwc: stnuentstellende Druckfehler cingeschlichen: Im ersten ÄbsLiz muß cs heistettt „Dttrch dieses Ebil: trinDru Die Inden immerhin nicht schlechter gestellt als ihr: Ldi'bürgcr." Ferner unuß cs auf der 2. Spalte (1. Absatz) heißen: „Die Iuli-Nevolution van IL3DH Ll.rpksn Fnhsel beginnt am Dicnskag. 3. Februar, VA klh-. r:it ,.3 i? i n 0 3 a" 'eine xhüesoph'sche Vortragsreihe im Plenarsaa! des Äcirchs» rvirtschafksrats, Berlin \X, Beücvuestr. 15. Cfiiurit:;!-‘.r:en c;i der -Ldct.bkai;-« Eeschäftlichs Notizen. Verein dcr Bosencr in Berlin. Zweiter Gc'clischasisabend urckcr Mikrvirtu.ng erster Künstler mit anschließendem Bcl! am S-onnabend, ."1. Januar, abends 7\!• Uhr, im Bräderrerein5hr.us klur;ürs:c:ts:rr.ßc llä'IlG. vuUc X!ar.:-_» Icuie als Gäste herzlich st wirrkstruneü. Der Llovd Triestlno rceanstaltet in dieüm Fuhre einige Frühling s r < i c n und) V. ogypte n u n b d e n: O r 1 c n t , dir Gelegutheit geben, dir dcrllhmicstcn nr:d interessantesten 5tunst' und Rn'turüätten des Altertums zu besuchen. Die Reise erfolgt auf erstklassigem Dampfer. Nähere Auskünfte gebet: die Ageuturcn des Lloyd Triest ins und die Retscbureaus. Verlag: Ctntralvercin deutsch. Staatsbürger ind. Slaub-rn-s r. V.. Berlin SV7 63, Ltndcnstr. 13. Tel.-Adr.: „Contra lg landen Berlin". Postichrckk.: Drrlin 30772. F.d.Schristl.verankvi.: Dr. Ludwig H 0 l l and e r. BerlinS^VOZ. — Ilnrerl.Manuslr. r.'erd. nur zurückges.. wenn Frern.mschlag bcilicgt. — Veranir?. k. d. Anzelgentril: Max Junge. D!n.-Fr:edcnau. — Druck vvn Rudolf Mvne, Berlin 6 >V 29.

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