Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 4 (23.1.1925)
- Date
- 1925-01-23
- Page
- Seite 57 (sequence 1)
- Language
- German
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Auflage $0000 23. Januar 1025 IV Jahrgang * Nr. 4 Einzelnummer 10 Go!-pfennlg - ^C> SLsMMAmZe jAÄMDM MMWöM Monatrabollnemenr 49 Eoldpfennlg r^ll^sri^Sinrs Lsirui^^ clss Oud.en.rums Verlag und Schristle^ng: BcrNnSWGS. Lindenstr. 13. .-. Fernsprecher: «mt TönhoÜ 3594. 3595. .'. DanNonto: Dresdner Bank. WechselstuLe 0. Berlin SW 63, Lmdenstr.7 Klleinrge Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rndoll Mosse. Berlin SW 19. und deren Filialen. Anzeigenpreise.- 9.?^ Goldmark für die 7 gespaltene Zeile nacL Kudolf MosscS Nsrrnalzeilenmrsser Nr. 4. Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Lentral-VereinL 0.40 Eoldmarü. die SK) mni breite Neklamezeile 4 Soldmarr Eine kritische LetrachLung von Sxektator. Dvn nativnaljüdischer Seite wird jungst erklärt, für ..Volk?» gemeinde" und „nationale Autonomie" in Deutschland niemals eintreten zu wollen. Latz diese verhängnisvollen Forderungen aber die zwangsläufige Folge nationaljüdischor Einstellung deutscher und ausländischer Zionisten sein minien, ist jedem ruhig Lenkenden zweifellos. Wir verofsentlichen daher in folgendem erneute Betrachtungen zu diesen entscheidenden Fragen von besonders kenntnisreicher Seite. Tie Schristleitung. Die breiten Wahlemnasien gel>en sich wenig Rechenschaft duvon, daß die Zionisten, indem sie die jüdische Gemeindestube zu erobern trachten, nur einer Parole gehorchen, die Lheodor Herzl auf dem Sterbebette an seine Getreuen als Vermächtnis ausgegeben haben soll. „Erobert die jüdischen Gemeinden!" sollen seine letzten Worte gelautet haben. Historisch steht das freilich nicht fest, und bedeutenden Männern wurden Aussprüche in der Sterbestunde zugeschrieben, die sich als Fabrikat ihrer Nachfolger und Erben tzeraussrellten. Anläßlich der vor kurzem stattgeftmdenen Wahlen zur Jüdischen K nl t u s g e m ei n d e in Wien rühmte sich das dortige zionistische Organ, daß seit dein Tode -Herzls die jüdischen Kultusgemeindemahlen sich stets unter Sturm und Donner vollziehen, da die Zionisten, getreu dem Gebot ihres Meisters, auf Eroberung der Gemeinden ans gehen und „Leben" rn die Sache gebracht haben. Es wäre beleidigend für Oer st s Andenken, anzunehmen, daß er seinen Anhängern das Gebot hinterlafsen hätte, die jüdischen Gemeinden zu erobern. Man oedenle: In seinen beiden Schriften „Juden staat" und „Altneuland" hat er bis ins einzelne dargelegt, was die Aufgabe des Zionismus und der Zionisten zu sein habe: den Judenstaat auszubauen, damit das jüdische Volk eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte habe (Baseler Programm), wo es sich aus den Golus-Ländern sammle, mu dadurch für alle Ewigkeit dem Antisemitismus zu entgehen und vor jeder Anfeindung gesichert zu sein. In „Altneuland" legte erdie großen Arbeiten und Kämpfe dar, die die Verwirklichung dieses grandiosen Zieles fordern. Dabei ist er sich bewußt, nur einen kleinen Zipfel des Schleiers gelüstet zu haben. Müßten da die Zionisten nicht ihre ganze Kraft auf dieses Ziel konzentrieren, und ist es nicht eine Zersplitterung, wenn sie ihren Weg nach Altneuland unterbrechen, um unterwegs in einigen jüdischen Gemeindestuben ihre Zelte aufzuschlag'en, die ja, nach Herzls eigenen Worten, ohnehin abgebrochen werden sollen, wenn der große Exodus aus dem Golus vollzogen ist! Anderseits scheint es den zionistischen Besonnenen ein Frevel, in die Reihen der Judenheit neuen Parteihader, neue Zerklüftung hineinzutragen, zu den bestehenden, die vollauf genügen. Es verlohnt sich, die einzelnen Punkte des Programms der Jüdischen Volks Partei ein wenig unter die Lupe zu nehmen. Da ist zunächst die Forderung, die jüdischen Gemeinden sollen in Zukunft an dem Aufbau des jüdischen Palästina Mitarbeiten. Wie soll eine jüdische Gemeinde in Europa, am Aufbau Palästinas Mitarbeiten? Soll sie diesen Willen durch begeisterte Reden Ausdruck geben? Eine jüdische Gemeinde in Europa kann am Ausbau Palästinas nur dadurch Mitarbeiten, -daß sie die dortigen gemeinnützigen Institutionen mit Geld unterstützt. Bedarf es erst stürmischer Wahlkämpfe und einer Dolkspartei, um jüdische Gemeinden zu solchen Liebeswerken anzuregen? Es ist nicht schon gehandelt, worin nationaljüdische Kreise das Publikum glauben machen wollen, ohne sie würden die jüdischen Gemerndevorstände Jeruschalajims vergeben. Jahrzehnte, bevor -Herzl sich zum Zionismus bekehrt hatte, wandten sich die palästinischen Schulen, Waisenhäuser, Krankenhäuser, Handwerkslshrstätten und anders gemeinnützige Institutionen an die jüdischen Großgemeinden in Mitteleuropa um Unterstützung und Beihilfe. Niemals geschah dies vergebens! Das würde auch in Zukunft der Fall sein, und es würde dazu keiner besonderen Volkspartei bedürfen. Leider hat diese Frage auf Jahre hinaus keine praktische Bedeutung. Tie Leistungsfähigkeit der jüdischen Gemeinden ist in ganz Mitteleuropa derart Hera bg e m i n d e r t, daß sie trotz äußerster Anstrengungen nicht imstande sind, die Verpflichtungen gegen die eigene Bevölkerung zu erfüllen. Waisenhäuser, Krankenhäuser, Erziehungsanstalten, Lchrftätten, Bibliotheken werden überall aus Mangel an Mitteln geschlopen. Tie Gemeindebeamten, von den obersten Spitzen bis hinab zum einfachsten Diener, leiden oft Not. Würde da nicht jeder nach Palästina hinausgesandte Pfennig für die Not daheim wegfallen? Schon der Talmud hat den weisen und gestruden Grundsatz: „Tie Not dieser Stadt geht voran!" Diese mußt du zuerst befriedigen, bevor du an die benachbarte Stadt denkst, selbst wenn ihre Not gleich groß ist. — Mit ihren Schlagworten gehen die Zionisten besonders gern in den Preisen der in Deutschland lebenden ausländischen, vorzugsweise osteuropäischen Juden vor. Diese sind politisch nicht so geschult, mit den Verhältnissen in Deutschland nicht vertraut. Es ist ihnen schwer, sich gcfühls- und gedankenmäßig in das seelische Verhältnis des deutschen Juden zur deutschen Nation, zum deutschen <i crw* w.f 2: