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Central-Verein-Zeitung · 1925-01-09 · 2 (9.1.1925) · p. Seite 21

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
2 (9.1.1925)
Date
1925-01-09
Page
Seite 21 (sequence 1)
Language
German
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^SrrUn, Fanuar 1925 IV. Jahrgang Nr. 2 liazelnummtr 1- Gslöxfrnnlg " Z^jjjZsr-r-tsir^s Lsiiur^^ des Gadenrums MsLLULöLNnrment 40 Eold-kermig Verlrg rrnd ScHriftleltung: Berits BW €& LinhW^r. 18. .. f^ernspttLer: Amt Dönhoff SLZ4. S5SS. .'. Dankkonls: Dresdner DanL Wechfelstrrbe 0, Berlin SW es, Lrndmftr.7 Alleinige Ameinenannahme: Annsncerr-ExpedÄon Niidolf Moste, Berlin 6V7 IS, und deren FUialezr. knzrigenprerse: 0.75 Soldmark für die 7 gespaltene Zeile nach Undoif MoffeS NormQ^rilenMeffrr Nc. 4» FamilienarrLeigen und CtrÜenzrsuchr für Mttglieder drS Cen.rnl>Oer§rrr§ 0,40 Colömart die 00 mm bttiU tleUatminU 4 EoldmarZ ¥ ‘$j)i mwmu Eins zsktgsmäßs gssihichtlichs Eelnnsrung. von Ssttholhaase. i. _ Die Stadt Posen ist rat Jahre 1258 von deutschen Siedlern gegründet worden, die, inmitten einer fremden Bevölkerung wohnend, deutsche Art und deutschen Gewerbefleiß in das dawals noch öde und unkultivierte Land trugen- Die Gründung deutscher Gemeinwesen in flämischen Landern erfolgte im Zuge einer Wanderbcwegung, die deutsche Sprache und Gesittung Über die Elbe bis an die Oder und darüber hinaus vorschob. Der Strom der deutschen Auswanderer brachte nach Polen auch Juden, die meist aus Schwaben und Franken stammten, wo sie schon seit der Römerzeit gewohnt hatten. Die Ein» Wanderung deutscher. Juden in Polen vollzog sich in besonders starkem Maße unter dem Einfluß der Verfolgungen, denen sie während der Kreuzzüge und wahrend des schwarzen Todes unbesetzt waren. Im Laufe der geschichtlichen Entwicklung brs in die neueste 8eit fluteten immer neue Ströme deutscher Auswanderer in das slawische Sprachgebiet. In Posen sind die ersten deutschen Kolonisten schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit von der polnischen eingeborenen Bevölkerung aufgesogen worden. Das 'gleiche Schicksal traf in' größerem oder geringerem Umfange die wiederholten Einwanderungen späterer Jahrhunderte. Die Deutschen der Gegenwart konnten in Posen noch die letzten Ausläufer einer solchen Entwicklung an den sogenannten -Mambergern" beobachten, süddeutschen Bauern, die in der ersten Halste des achtzehnten Jahrhunderts von dem Posener Magistrat angesiedelt wurden. Sie waren bis in die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts hinein vollkommene Deutsche tzeblieben, in Sprache und Gesinnung, mit den malerischen Trachten der Frauen, in den Erscheinungen der Männer, die 'an Dürersche Holzschnitte erinnern, und mit ihren altdeutschen Namen. Am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts aber waren sie Stockpolen, die jede Erinnerung an ihre deutsche Vergangenheit von sich wiesen. Nur die aus Deutschland eingewanderten Juden hatten, ungeachtet aller Unterdrückungen und Verfolgungen — während eines halben Jahrtausends an ihrer deutschen Muttersprache festgehalten. Sie liehen sich die deutsche Sprache, die sie in dem im mittelalterlichen Süddeutschland gesprochenen Idiom bewahrten, nicht rauben. Ihre Mundart war zwar mit hebräischen und polnischen Bestandteilen durchsetzt, blieb jedoch in ihrem Kern und Stamm eine deutsche Sprache. So wurden die Inden Posens im Wechsel aller politischen Veränderungen der Jahrhunderte die Wahrer und Behüter desjenigen, was eine Kulturgemeinschast am stärksten verbindet, der Sprache. H. Im Jahre 1793 rückten preußische Truppen in das vou inneren Wirren zerrisiene Polen ein und nahmen die Provini Posen in Besitz. Die preußische Herrschaft dauerte zunächst bis 1806, sie ging nach dem Zusammenbruch Preußens verloren, um im Jahre 1815 wrederhergestellt zu werden. Die rechtliche Stellung der Juden in der Provinz Posen war bis in die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts höchst unzulänglich und unklar. Erst die preußische Versasiung $£• währte ihnen die Gleichberechtigung. Aber schon die standrgZ und nahe Berührung mit der deutschen Kultur hatte genü-A, um in der kurzen Spanne eines einzigen Menschenalters das in ihnen seit vielen Jahrhunderten unbewußt schlummernde Deutschtum zu dem Bewußtsein ihrer inneren Verbundenheit mit dem deutschen Volke zu erwecken. In dem Nationalitäten» kampf, der in den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts ansbrach und im Jahre 1848 zu einer offenen Nationalen Erhebung der Polen aufstammte, standen die Juden mit Selbstverständlichkeit auf deutscher Seite. Gewohnt, nur nach Weisungen von oben zu handeln, und unfähig zu selbständigen Entschlüssen, versagten die staatlichen Behörden, das Militär, der Blagistrat und die deutsche Stadtverordnetenversammlung. Die deutsche Bürgerschaft blieb zaghaft, kam den Polen entgegen und suchte sich mit ihnen zu verbrüdern. Tu sammelte sich ein kleiner Kreis natioualgesinnter Männer und gründete zur Verteidigung der deutschen Volksrechte das Deutsche Nationalkomitee. Von den vierzig Mitgliedern dieses Ausschusses bestand nur die Halste aus eingesessenen Bürgern. Ter Geschichtsschreiber der Stadt Posen in preußischer Zeit, Moritz Jassö, dessen ausgezeichnetem Buch „Posen unter preußischer Herrschaft, ein Beitrag jux Geschichte des deutschen Ostens (Leipzig 1909)* die oben wiedergegebenen historischen Daten teilweise entnonuncn sind, schreibt über das Deutschs Nationalkomitee: „Man fand hier kaum die Namen der Leute, die in den letzten Zwei bis drei Jahrzehnten als die Spitzen der deutschen Bürgerschaft gegolten heben. Diese Männer und ihre Söhne ließen fast gänzlich das Beüpiel der Staats- und Stadtbehörden auf sich wirken und warteten ab, welche Wendung die Tinge nehmen würden. Zumeist iwucu cs die besser situierten Handwerker, die aus der bürgerliclien deutschen Bevölkerung dein Komitee beitraten, und mit diesen stmf oder sechs Juden, durchweg jüngere Männer

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