Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 28
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Seite 803-804 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
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799 Pick, die falsche Richtung dev Neuzeit ün 890 genossen immer ist ein solcher Kampf gestattet, dem Juden im Namen seiner Religion — nicht. Wir wollen die Gründe entwickeln. Schon die jüdischen Philosophen des Mittelalters sprachen dm acht mosaischen Satz aus : „Won Gott könne man nur verneinen^. Hierin liegt unsere ganze Aufgabe; wir stehen da als ewiger Protest gegen jedes taa, jede nivn, jede Gestaltung Gottes, die sich als Dogma festsetzen will. Bilder so viel ihr wollt, philosophische Systeme so viel euch's beliebt — ihr dürft Gott bald auf Wolken reitend, bald zu Throne sitzend, bald von Jeremias zum rnpvn geführt und Feuerthränen weinend, bald Lesillin legend oder als Denken und Ausdehnung schildern — aber in Erz sollt ihr ihn. nicht gießen und nicht in Stein hauen —- sonst werden eure eigenen Gebilde über euch Zusammenstürzen und euch zerschmettern, wie sie noch alle ihre Bildner zerschmettert haben. Denn üb\ asvrtsffhb .vnaüna.'tf? ■/h aw. 'aTi.ds'S.tj-; Könnt ihr aus eurer Haut herausspringen? Könnt ihr eure Beschränktheit, eure Endlichkeit abstreifen, und von einem Berge jenseits der Unendlichkeit niederschauen? Könnt ihr aus lauter unbekannten Größen eine bekannte ftuben? Ihr tbifjt. nicht, was Sein, Werden, Leben, Kraft, Welt, Natur, Gott heißt — d. h. ihr habt Worte ohne Begriffe, die euch nur bekannt Vorkommen, weil ihr sie tausendmal gehört— und erkühnt euch aller Welt als Glauben aufzudrängen, wovon weder ihr noch die Welt ein Jota verstehet, noch jemals.verstehcn werdet? . Darum mußten auch alle Religionen an der Gestaltung zu Grunde gehen, weil die concrete Gestalt mit dem ewig unfaßbaren und mystischen Gott in Widerspruch gerathen mußte. Verfölgen wir diesen Religionsbildungs-. und Auflösungsprozeß, so wird sich uns ein merkwürdiges Gesetz enthüllen. — Der Wilde verehrt was starker ist als er, als — das Stärkere, d. h Gott, Er sieht Bewegung, Kraft, Ton am Strom, am Donner und setzt durch Jdeenassoziation Willen, Denken, Gefühl, Begehren hinzu. Das ist der polytheistische Pantheismus. Bald zeigt sich ihm aber, daß am Strom nicht alles Person und activ sei; der Gesammteindcuck des Gewaltigen bleibt zwar derselbe, aber er kann doch daraus schöpfen, einen Stein hineinwerfen, 'ohne daß der Niese auffährt — er trennt daher das Active und Passive, das Treibende und Getriebene,, den Strom und Stromgott, Kraft und Stoff. I m Baume lebt die Dryade, er ist nicht mehr selber das Lebendige, Fühlende rc. Dem Gesetze der Trägheit gemäß setzt sich diese Bewegung und Trennung so lange fort, bis Apoll den Sonnenwagen sogar verlassen und auf Abentheuer ausgehenkann. Immer concreter werden die Gestalten, bis sie in herrlichen Gebilden aus dem Marmor hervortreten — und der ult ramon taue Polytheismus ist fertig und -— fertig, d. h. am Ende« Sobald die Gestalt des Gottes mir sicht- und greifbar wird, tritt der grelle Gegensatz zwischen . dieser mir bald so bekannten, und vertrauten Neptunsstatue und dem ewig fremden, unnahbaren, dämonischen Meere schneidend hervor; es springt mir in die Augen, daß dieses lebendige aber unheimliche und mystische Feuer nicht Vulkan noch der heilige Florian sei —> und zusammenbricht eine Welt mit ihrer Anschauung, um wieder zu erstehen und. den früheren, Bildungsprozeß mit einiger Modisication wieder durchzumachen.im ewigen Kreislauf vom polytheistischen, monotheistischen, dualistischen^ trinitarischen sc. Pantheismus zum Ultramunda nismus nnd dann zur Gestaltung und wieder zum Pantheismus u. f. w. Phidias und Sofisten oder Skeptiker, Raphael und Rirformation' stehen im strengsten Causalnexusr jspj» p,lm üb Der Mosaismus trägt in-das Subjekt nicht mehr Prädikate hinein, als ec daraus heraüsgelesen. Wir sehen ' im All Einheit, Vernunft, Gerechtigkeit, Liebe re. Wir nennen die Einheit Gott und sagen er ist allweise,, gerecht, liebevollrc. nichts mehr. Das ist alles Positive. Seine Mission ist gegen jedes Prädikat, das nicht aus dem Subjekte klar herariszulesen ist und sich als Dogma, als Gestalt festsetzen will, zu pr-otestiren. Die positiven Prädikate sind die ethischen, sie allein sind klar erkennbar*, in ihnen allein stimmen die philosophischen Systeme aller Zeiten und Völker —der Ausgangspunkt mag sein, welcher immer, Epikur oder Zeno — überein; für die anderen, die, metaphysischen gilt b arm kV 's nna arttötim . Freiheit, schrankenlose Freiheit der Forschung und subjectiven Meinung vom a"nan (Rationalismus, Extramundanismus) bis zu seinen beiden Extremen (Pantheismus) und (Gestaltengott) aber — oder besser — eben darum ewiger Krieg jedem Dogma,, sonst erschlägt der metaphysische Gott den ethischen, wie alle Glaubenskriege, Autodafe's, Sälltenheilige und FlageUanten beweisen, bis er wieder seinerseits vom neuerstandenen ethischen Gott erschlagen wird — und die Menschheit kommt aus den Stürmen nicht heraus und zu keiner vernünftigen ruhigen Entwicklung.— Begnügen wir uns als Theologen mit Gottes Erklärung von sich selbst »fiM ."VN8 Ich, der Seiende bin der Seiende. Mehr mit Bestimmtheit zu wissen wird uns trotz Kant und Herbart und Hegel und Schelling nie gelingen, Ob. Gott in ober außer sich die Welt begründet, ob er sich in.dcrWelt, durch die Welt oder als Welt manifestirt, das bleibt der Privatspeculation eines Jeden überlassen, nur — ps'aiarss5? -ind amat^n sprecht eure Spekulationen nicht im Namen des Mosaismus aus, mischtihn nicht in eure Emtagska'mpfe, schiebt ihn nicht einery eurer kurzlebigen philosophischen Systeme als Basis unter, und brütet ihn nicht zu kleinlichen Zwecken der Minute aus. Weil man sagt, die Juden und Hegel haben-die Revolution,gemacht, darum meint ihr. nichts Eiligeres zu thun zu haben, als Moscheh gegen Hegel in die Schlacht zn führen? Habt Geduld! Die Vorwürfe werden bald sterben, vielleicht auch Hegel — vielleicht auch nicht, wir dürfen im Namen des Judenthums nicht gegen ihn, wie überhaupt gegen kein philosophisches System kämpfen, weil wir für kein Dogma, sondern nur gegen solche kämpfen dürfen. Israel Pi ck, __;__ - Prediger und Schuldireclor zu B rrckar est. ') Im Talmud findet sich ein -nrrfMav. Sinna . Verlag von G. L.'Fritzfche. Leipzig. Druck von I. H. Nagel.