Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 27
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Spalte 735-736 (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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735 Die Juden im Caucasus. 738 wie auch auf derselben Seiten ^2 T) "IDN 111.1' '21 ItDN hpm dwdi rra di typ payrni by^irivropcn nmn N'2 -nro* 2M üV2 pyiiDr piV ot^oi jud dipdi rvm dwdi . Um davon auf unseren Gegenstand zurückzukommen: wie schön ist die Wissenschaft, . welche einen solchen Nutzen bietet, und . die-Waare, die einen solchen Gewinn gewährt! Denn derjenige, welcher sie verkaufen würde und nicht vielmehr erhalten, der würde gewiss bei seinem Verkauf in Verlust gerathen und getäuscht in seinem Handel fein2* Mögeluns Gott davor bewahren! ‘ . ... Ich habe das Volk, in'dessen Mitte wir leben, Anstrengungen machen sehen, um den höchsten Punkt in Kenntniß der Sprache zu. erreichen, dem was wir gesagt folgend, wie' es das ' Nachdenken will und die Wahrheit vorschreibt. Aber die Leute unserer Sprache haben in dieser unserer Zeit diese Wissenschaft" hinrer ihren Rücken geworfen und diesem Stoff kein Ohr geliehen; sie haben sie verschmäht und wie etwas Überflüssiges betrachtet, mit der man nichts zu thun haben mag, und als eine Sache, nach der. man nicht strebt. (Fortsetzung folgt.'j Die Juden im Caucasus. Trotz der allgemeinen Aufmerksamkeit, welche Gelehrte und Schriftsteller' dem Caucasus und seinen -Bewohnern zuwmden, hat man die dortigen Juden doch vollkommen vergessen. Und doch bietet ihr Leben, bieten ihre Sitten, Gewohnheiten und die Stellung die sie unter den Bergvölkern cinnehmen, viel Merkwürdiges dar, das sie stark von allen ihren andern Glaubensgenossen unterscheidet. Ihre Zahl in den Bergen des Caucasus ist schwer zu bestimmen, man weiß nur, daß der größte Theil die Berge Offetiens, Abchasiens und Tuschetiens bewohnt. Die ossetinischen Juden gehören ohne Ausnahme zur Sekte Uri; sie haben keinen Begriff von Bibel und Talmud, und führen ein Leben wie ihre Nachbarn, die Osseten. Dagegen unterscheiden sich die ab-chasischen Juden, obwohl sie den Charakter, einige Sitten und Gewohnheiten der Bergftämme angenommen haben, doch scharf von den Eingebornen durch ihre Neigungen, ihre sittliche Reinheit und ihre Vorliebe für eia ruhiges ansäßiges Leben. Sie halten sich für Nachkommen der krimischen Karaiten, welche im 16. Jahrh. aus.Fanagoria in der Kirm auswanderten und sich unter den transkudanischen Stämmen - niederließen. Anfangs wurden sie sehr gut ausgenommen, da Sabb, 149a. B. Mcz. 75 a. Dieses Citat fehlt in der Hebr. Uebersetzung des Kitab el-Luma'. In den 2 Talmudstel/en stehr in unserer Ausgabe Samuel für Rab. " 2) Der Verf. will sagen, daß wenn andere Waaren einen Gewinnbeim Verkauf bieten, so ist's bei dieser im Gegentheil, da man sie immer erwerben muß, ohne sich ihrer jemals zu entledigen, noch .um anderer Dinge willen zu vernachlässigen. ' man in ihnenerfahrene Waffenschmiede sah und sie die Bereitung des "Pulvers kannten. Da ffie sich jedoch in einzelnen Familien niederließen, so wurden sie bald in ein Knechtsverhältniß hinabgedrückt. Gewöhnlich fand man neben fünf oder sechs Wohnungen von Eingebornen auch eine oder zwei jüdische Familien, die für die Bergbewohner arbeiten mußten. Aber es kam noch Schlimmeres über sie. Der muhammedanifche Prophet Scheich Mansur, der die Tschetschna (im vor.Jahrh.) in Aufstand brachte, kam auch in die Wälder Abchasiens. Nun begannen bald die Heiden, bald die Christen, bald die Moslems die Uebergewolt zu bekommen; die tückschen Kaufleute, denen die Geschicklichkeit der Karaiten den Handel schmälerte, reizten das rohe Volk gegen die Juden auf, und viele derselben starben unter Martern, selbst den,Tod' auf dem Scheiterhaufen. 'Da trat ein gewisser Joseph Kadsi auf, der Sohn eines Schmieds und selbst ein Schmied. Als Knabe war er nach der Tschetschne verkauft worden und hatte dort in Knechtschaft auf den Höhen des Fartam gelebt-. Ec besaß einen glühenden festen unternehmenden -Geist, verließ endlich seinen Herrn, und wandert e nun als tschetschnischer Schmied zehn Jahre von 2Cul zu Aul. Auf dieser Wanderung sah er allenthalben die Knechtschaft seiner Brüder, und bald wurde -der,Gedanke,, sie zu retten, das Ziel feines Lebens. Aber vorsichtig und erfahren, wie ihn sein bewegtes Lebeu gemacht hatte^ verschloß er den Gedanken in sich, schliff ruhig' die Dolche der Bergbewohner und polirte ihre Gewehre. Mit einemmal aber erhoben sich auf seinen Ruf die Juden, erwehrten sich ihrer Bedränger, und zogen auf seine Einladung nach den Felsen von Sogden in Abchasien. Binnen fünf Monaten brachte Kadsi hier mehrere Tausend der unglücklichen Karaiten zusammen, und im Laufe von zwei Jahren ordnete er seinen jungen Staat auf eine Weife, daß noch jetzt die Umwohner ihn bewundern, und daß die Juden, kurz zuvor noch geknechtet und verachtet, jetzt ein Gegenstand'der Ehrerbietung und des freundlichen Benehmens der Bergvölker geworden sind. Kadsi kannte die Unwissenheit.der letztern und die Geschicklichkeit der Karaiten in allen Handwerken, und schuf jedes Haus in den drei von ihnen bewohnten Auls in eine Werkstätte um. Jetzt kamen die Bergbewohner herbei, kauften beiihnen Pulver, ließen sich Kleider machen und Gewehre putzen. Die Juden benahmen sich gegen sie freundlich und gastfrei, aber stets mit Mißtrauen. Selbst bei den wichtigsten Handelsgeschäften dürfen nie mehr als neun Bergbewohner in einem der Auls von Sogden zugleich erscheinen, und auch diese ohne alle Waffen; zugleich werden stets Schildwachen ausgestellt, und kein Jude darf je das Gebiet des Auls verlassen, bei Strafe ewiger Ausweisung. > Druck von I. H. Nagel« Verlag von C. L. Frische. Leipzig