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Der Orient · 1851-01-01 · Heft 24 · p. Seite 481-482

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 24
Date
1851-01-01
Page
Seite 481-482 (sequence 1)
Language
German
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482 Kurze Anzeigen, 481 Kurze Anzeigen. Zur Kenntniß der Geschichte und der wissenschaftlichen Gegenstände des Talmuds. Es ist langst anerkannt und oft auch in diesem Literaturblatte ausgesprochen worden, daß uns vielseitige Bearbeitungen des Lalnnrd's in Bezug aus Sprache, Geschichte und seine wissenschaftlichen Gegenstände fehlen: daß solche für die Erkenntnis des später sich entwickelten Schristthums, für den Zusammenhang mit der biblischen und apokryphischen Literatur und für die jüdische Geschichte überhaupt von großem Nutzen wäre. Allein dem vielseitigen Wunsche der Gelehrten «st noch bis jetzt keine That gefolgt; wie in vielen andern Gebieten der armen jüdischen Wissenschaft ist auch in diesem der Mangel an Arbeitern und Förderern fühlbar. Einem großen Theile unserer Rabbiner: geht entweder die Befähigung oder die Lust ab, sich mit dem geistigen Leben des jüdischen Alterthums zu befassen, da hierbei außer dem stillen Danke einiger Erleuchteter weder Ehren noch Honorare zu finden sind; dem Laien ist natürlich dann nicht zu verargen, wenn er das ihm Unbekannte durch seine Mittel nicht fördern hilft. Um jedoch den einen oder den andern anzuregen, wie dieses Blatt seit 12 Jahren unermüdlich und zuweilen nicht ohne Erfolg gethan, so halte ich es für angemessen, hier eine Reihe von Einzelerscheinungen, welche dahin gehören, in kurzen Berichten vorzuführen. 1) Das Transcendcutale, Magie und magische Heilarten im Talmud. Von Dr. Gideon Brecher, isr. Spitalarzt in Proßnitz. Wien 1850, 8. Hr. B. gehört zu jenen früher unter den Juden so häufigen jetzt aber so seltnen Aerzren, die neben ihrem praktischen Berufe noch Liebe zum Judenchume und Lust zu Forschungen auf Dem Gebiete jüdischen Schriftthums sich bewahrt haben; und wer es mit der jüdischen Wissenschaft gut meint, kann ihm von vor herein, wie er auch über einzelne Ergebnisse seiner schriftstellerischen Arbeiten denken mag, nur die vollste Hochachtung zollen. Uebrigens nimmit Hr. B., abgesehen von jener Benevolenz, als jüdischer Schriftsteller seinen Platz mit Ehren ein; sein hebräischer «Commentar zum Kusari und sein Werk über die -eschneidung haben ihn längst dem gelehrten Publikum bekannt gemacht, wenn gleich die Kritik sehr viel daran auszusetzen hatte, und es ist dem Berichterstatter eine Freude, daß Hr. B. in Vorliegendem einen Stoff gewählt, für den bis jetzt kaum Anfänge gemacht worden, und die Kritik mithin auch eine schwächere und geringere Leistung sehr hoch aufnehmerr kann. Es ist, wie wir gesagt, eine längst bekannte Sache, daß das Riesenwerk der Talmuden und Midraschim es verdient, fachweis und systematisch bearbeitet zu werden, wie der strenge Rabbinismus es längst mit dem halachischen Theile gethan; daß ferner zu einer solchen Vorführung , der talruudischen Wissenschaften eine große Belesenheit und ein Talem im Iusanirnenlesen und Zusammenstellen, im Sichten und Sondern, namentlich eine historische Kenntniß des Faches, das man eben aus der talmudischen Literatur systematisch vorführm, will, gehört, vor Allem aber muß der Bearbeiter eine richtige Anschauung von der talmudischen Literatur selbst besitzen, wenn er im Dienste der Wissenschaft irgend eine Leistung auf diesem Felde darbieten will. Hr. B. hat in der That schon längst eine ziemlich richtige Anschauung vom Talmud. Ec hält es für. das Werk, aus welchem (nächst der Bibel) das Judenthum seine Moral < Ethik) und Glaubenslehre ^Dogmatik), seine Spruchweisheit (Gnomik), seine Rechtslehre (jus), fern« Religionsphilosophie und Theosophie, sein Ritual u. s. w. herholte d. h. in der Geschichte aller dieser und ähnlicher Disciplinen kann die talmudische Literatur als wichtigste Quelle für ein halbes Jahrtausend nicht übergangen werden. Aber neben den wissenschaftlichen und nomokanonischen Themen, die es enthält, bietet das talmudische Schristthum, als Abspiegelung des geistigen Lebens einer langen Zeit, auch Stoff dar für so manche Gegenstände, welche wir in den Bereich des Aberglaubens, des Wahnes verweisen, weil die damalige Zeit sie für wahr und gut gehalten, und auch die nähere Kenntniß dieser Gegenstände verdient alle Berücksichtigung, da wir dadurch erst den Geist jener Zeit erkennen und wie jener Geist nach Jahrhunderten invaliderer Einkleidung wiederkehrte. Ferner daß der Talmud als Sammelwerk für den Ausspruch eines Einzelnen nicht verantwortlich sein kann, sowenig als in einer Encyklopadie der Verfasser des Einen Artikels für den Andern verantwortlich gemacht werden kann, und hiev schon um so weniger, als die Denkweise eines halben Jahrtausends darin aufgeschichtet ist, wo deren Träger zuweilen viele Jahrhunderte auseinander sind und an Kenntniß, Bildung und Anschauungen himmelweit von einander verschieden sind. In dieser Anschauung über die talmudische Literatur hat es Hr. B. versucht, in vorliegender Schrift Bausteine zusammenzutragen» um die transcendentalen Gegenstände in Paragraphen als gesonderte Gruppen zu behandeln; das verstceuete Material hat er aus dem Labyrinthe des Talmuds geholt, aus diesem die Themata objektiv hervortrelen lassen, ganz unbekümmert darum, wie dieses oder jenes in Bezug auf die Werthschätzung des Talmuds ausfällt. Sehr richtig hat Hr. 33. bemerkt, daß .1) viele diätetische Regeln darum in ein magisches Gewand gehüllt und mit einem mystischen Nimbus umgeben wurden, um sie leichter beim Volke einzuführen und deren Beobachtung zu fordern; 2) daß alle auf magischer Basis beruhenden Satze nicht als religiöse Traditionen ausgegeben wurden, sondern weiter nichts als Abspiegelungen von Ieitanschanungen sein wollten. Wir wollen nnn die hier behandelten Themen der Reihe nach aufführen: 1) Theo- und Angelologie» In einer Anmerkung giebt Hr. B. die Ansicht des Talmuds über die psychischen und animalischen Functionen der Organe, und der Gegenstand hätte wohl eine eigene Behandlung verdient; aber von einer Theologie des Talmuds, worin über das Wksm Gottes in Natur und Offenbarung, über sein Verhältniß zu Statur 31

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