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Der Orient · 1851-05-17 · Heft 20 (17.5.1851) · p. Seite 319-320

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 20 (17.5.1851)
Date
1851-05-17
Page
Seite 319-320 (sequence 15)
Language
German
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319 320 Mittheilungen aus. der. Gegenwart. und unfern Zeitgenossen, den Herzog 'von Manchester, einen Mann aus dem königlichen Mute von England — aber neben Bibel und klassischer Literatur und Kunst, den beiden Wurzeln der heutigen Civilisation, kann das mujüdische Schristthum als kulturhistorisches Moment durchaus nicht genannt werden, es kommt erst lange nachher. Nehmen wir nun die Schwierigkeit rabbinischer Studien hinzu, bei denen es nur ein Entwederoder grebt und Dilettantismus gar nicht denkbar ist, so werden wir hier wieder darauf geführt, daß es unsre, der Juden, Aufgabe ist, das jüdische Geiste sieben d'er Vorgang enheit a ufzusch ließen, sein e Bedeutung für und feinen Zusammenhang mit den Vor- und Rückschriten der allgemeinen Bildung und Gesittung darzulegen und unsere Literatur den christlichen Gelehrten. zuzubereiten und mundgerecht zu machen, zwar nicht mundgerecht im Inhalt durch Anschmiegen an ihre Vorurtheile, durch. -apologetisches oder, polemisches. Verdrehen der Geschichte, aber zusagende in der .Form. Selbst den Drientalisteu können wir es nicht verargen, .wenn sie.das Rabbinische denjenigen überlassen, die. es am leichtesten bewältigen können; durch solche Theilung der Arbeit, wo Jeder Lhut, was er am besten kann, kann auch die Wissenschaft nur gewinnen. Soviel von unseren älteren, rabbrnischen Schriften. Wir kommen^ zum zweiten der oben gesonderten Punkte, zu der neueren jüdisch-wissenschaftlicher Literatur und dem Verhaltniß christlicher Gelehrten zu israelitischen. Das war unser eigent- Siches Thema, aber durch das Vorige haben wir die Grundlagen für dessen Besprechung gewonnen. > Denn eine rm eigentlichen Sinn neue, über das Alte materiell wesentlich hinausgehende und dabei selbstständige, specisischjüdische Literatur ist kaum, noch in den ersten Spuren vorhanden. Wir zweifeln nicht, daß sie kommen wird, aber jetzt ist es noch nicht an . der Zeit. Vielmehr ist es bisher mit Recht das Streben der jüdischen Gelehrten gewesen, das Alte z.u sammeln- ^zu begreifen, zu erklären, durchzuarbeiten;, wo man, darum unbekümmert, neue -Schöpfungen versucht hat, sind pr,3 p’NtP M Tage gekommen. Nun denn, wenn dann unsre früheren Erörterungen richtig sind, so folgt daraus, dqß von dem christlichen Gelehrten nur diejenigen Erscheinungen Beachtung fordern können, die ihm etwas Ab geschlossenes, Fertiges, Ab ge runde tes bieten, unmöglich aber einzelne, vereinzelte Notizen, literarische Bemerkungen, Bausteine, und wären sie noch so schätzbar. Solche Spezialitäten, die Belege, das kritische Detail wird er sich gefallen lassen, er wird es als Gelehrter zu schätzen wissen, wenn er es auch als Leser überschlägt; aher er wird ein Fant, ein klar übersichtliches Resultat gezogen sehen wollen, wo das fehlt muß er unbefriedigt bleiben. Nun aber..,fragen wir wieder offen, .ob nicht der beiweiten größte Theil unserer Literatur vorerst noch/ aus'solchen Vorarbeiten und Materialien'besteht? Und zwar gilt das nicht blos von Vertag von C. L. Fritzsche. den Aufsätzen dev Zeitschnsten, sondern gerade die besten und tüchtigsten Werke wollen gar nicht mehr sein und manche haben es schon auf dem Titelblatts angegeben. Zu nz schreibt „zur Gesch. u. Lit.", Dukes „Bausteine, zur Kenntniß, Mittheilungen", Frankel,/Vorstudien". Wo etwas Vollständiges und zugleich Gutes geliefert ist, da betrifft es selbst nur einzelne kleine Fächer. Anderes ist prätensiöser als Systematisches aufgetreten — aber dazu genügt es nicht ein logisch schematisirtes Jnhaltsverzeichniß zu liefern, von fremdher die Fächer und Büchsen zu erborgen, es muß Inhalt darin sein und der muß den Etiquetten jener Schachteln entsprechen. Exenipla sunt odiosa! (Fortsetzung folgt.) Mittheilungen aus der Gegenwart. Der Anhalts Staatsanzeiger enthält in No. 24 d. I. folgende Bekanntmachung: „ In Ermangelung einer andern dazu geeigneten Behörde, ist mit höchster Genehmigung die Aufsicht über alle Kultus- und Schul-Angelegenheiten, so wie über die milden Stiftungen in sammtlichen inländischen israelitischen Gemeinden, insbesondere aber über das hiesige neue israelitische Gymnasium, am heutigen Tage dem, als solchen bestätigten, hiesigen Rabbiner Dr. Stadthagen interimistisch, an der Stelle eines L andesrabbiners, unter Vorbehalt der, der Staats - Regierung zustehenden Ober-Aufsich.t, in der Art übertragen worden, daß der Dr. Stadt- Hagen in dieser Beziehung die Funktionen einer dir.ekt unter uns stehenden Verwaltungs-Behörde zu vollziehen hat. Es wird solches zur allgemeinen Nachachtung hiermit bekannt gemacht, und dabei die Erwartung ausgesprochen, daß der Dr. Stadthagen in allen seinen, ihm hiernach zukommenden Funktionen, insbesondere von den Vorständen der israelitischen Kultusgemeinden möglichst werde unterstützt werden. Dessau, 15. März 1851. Herzoglich Anhaltisches Staats-Ministerium Plötz. Prag. Dr. Wolfgang Wessely, außerordentlicher Professor Är hebräischen 'Literatur an der Prager Universität, ist zugleich zum ordentlichen Professor des Kriminalrechts ernannt worden. In der Emancipationsfrage übertrifft Oesterreich alle Staaten des Kontinents, selbst Frankreich. Warschau im Mai. Der Polizeipräsident, General Abramowitsch hat allen israelitischen Gemeinden des Königreichs Polem den kaiserlichen Befehl bekannt gemacht, worin den israelitischen Frauen' das Abscheeren ihres Haupthaares, aus dqs Strengste bei Strafe verboten wird. Druck von I. H. Nagel.

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