Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1851)
- Date
- 1851-05-17
- Page
- Seite 305-306 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Berichte, Studien und Kritiken Zwölfter kür jüdische Geschichte und Literatur. Jahrgang. Das Abonnement auf ein Jahr ist 3 Thlr. 20Ngr. Man abonnier bei allen Postämtern und allen Buchhandlungen auf ein Jahr. Herausgegeben Don dieser Zeitschrift erscheint wöchentlich ein Bogen, und zwar an jedem Sonnabend regelmäßig. von Dr. Julius Fürst. M 20 Leipzig, den 17. Mai. 1851. Inhalt. Literatur- Berichte. Leipzig. Studien. Das Ben-Mischle von Samuel Ha-Nagid. Mitgeht. v. Luz atto.— lieber die Aufnahme der profanen Wissenschaften unter den Juden. Bon M. Mendelson. (Schluß.) — Zur Kultur- und Literaturgeschichte der Juden in Asien. Vom R«d. (Forts.) — Ueber den gegenwärtigen Zustand der jüdischen Literatur in Deutschland. Von A. Treuenfels. (Forts.) — Mittheilungen aus der Gegenwart. Literatur - Berichte. LeipZkg, 13. Mai. Von dem bekannten Orientalisten Dozy ist. ein räsonnirender Katalog der arabischen Handschriften der Leydener Bibliothek erschienen. In der Vorrede bemerkt der Verf., daß er die Beschreibung der hebräischen Kodices einem gelehrten Juden überlaffen muffe. Es wird aber gewiß noch sehr lange Zeit dauern, ehe die reiche hebräische Sammlung zu Leyden ausführlich beschrieben und geschildert sein wird. Sara wird jetzt überall von Hagar verdrängt. — Von dem bekannten jüdischen Arzte zu Proßnitz, Hrn. Dr. Gideon Brecher, ist erschienen: DasTranscendentale, Magie und magische Heilkunde im Talmud. Wien, 1850. 8. 233 S. — Der frühere Rabbiner zu Proßnitz, H. B, Fasset, jetzt Rabbiner zu Groß-Kanischa, veröffentlicht seine Antrittsrede: „Du sollst keine andere Götter haben." Groß-Kanischa, 1851. 8. — Der Distrikts-Rabbiner Dr. L. Adler zu Kifsingen hat die erste Lieferung eines größeren Werkes: „Talmudische Welt- und Lebensweisheit oder Pirke Aboth (Sprüche der Väter'), in punktirtem Urtexte, mit einer neuen Übersetzung und zum erster, Male mit einer ausführlichen Erklärung in deurscher Sprache versehen" erscheinen lassen. Fürth, 185t. 8. Der Verf. drückt sich in der Ankündigung seines Werkes, über Zweck und Tendenz desselben folgcndermaaßen aus: „Die Pirke Abot sind ein Mrschna-Traktat, so reich an Weisheitslehren und Sentenzen moralischen Inhalts, daß dieses Buch unstreitig zu den vorzüglichsten Schriften des Alterthums zu zählen ist. Sein Inhalt ist für den Geist so belehrend, seine Belehrung für das Leben so wichtig, daß man dieses Buch nicht mit Unrecht einen „Wegweiser durch das Leben" nennen kann und genannt hat Die Pirke Abot sind ein Buch für jeden, welcher das Leben recht verstehen, recht anwenden und gut und glücklich sein will, wie er sonst auch über so manche streitige religiöse Frage denken mag. Ob orthodox oder nicht: das Gebiet der reinen Moral, der Sittenlehre ist für jeden ein wesentlicher Bestandtheil der Religion. Obgleich sein Standpunkt die streng positiv religiöse, wie sich von einem Talmud-Traktate nicht an-, ders erwarten läßt, so kann sein Inhalt doch als reine Vernunftlehre bezeichnet werden, indem er vorzüglich auf das sich erstreckt, was wir zu thun haben, um als Menschen und Israeliten sittlich gut und menschlich glücklich zu sein. Das Buch besteht zwar aus einzelnen Sprüchen — daher sein gewöhnlicher Name: Sprüche der Väter — von den ausgezeichnetesten jüdischen Lehrern herrührend, welche während eines Zeitraumes von wenigstens 450 Jahren geblüht haben. (Vgl. Zunz G. V. d. I. S. 110); man irrt sich aber, wenn man es deshalb blos für eine Sammlung bunt durch einander geworfener oder nur lose an einander gereiheter Sprüche hält. Dem ist nicht so. Der Ordner der Mischna hat sie nach Plan und Absicht ausgewählt und zusammengestellt, so daß ein innerer Zusammenhang besteht und man die Sammlung als ein systematisch zusammenhängendes Ganze betrachten muß, wie der deutsche Kommentar ausführlich darthun wird. Man könnte das Buch „Morallehre des Talmuds" nennen, aus welchem denn auch Jeder, welcher über die talmudische Moral sich gründlich belehren will, diese kennen zu lernen Gelegenheit hat. Seine Wichtigkeit wurde von, Seiten der jüdischen Religionslehrer in der frühesten Zeit schon anerkannt 20