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Der Orient · 1851-05-10 · Heft 19 (10.5.1851) · p. Seite 303-304

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 19 (10.5.1851)
Date
1851-05-10
Page
Seite 303-304 (sequence 15)
Language
German
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303 304 Neuere Beurtheilungen Spinoza's. ubt der More auf Spinoza; allein welch eine Kluft zwischen den des Sohar, da an sich ist Mbr xbl ")Tin xb bby JlW PN' i6) PQD das nach einer Lrimtätsform sich entwickelt zur vollen Realität, das in Zahlen und Buchstaben, in Ceremonien und Handlungen sich manifestirt und in seiner Bestimmungslosigkeit, bei einer cieatio ex nihil, in ewigem Widerspruch zur Möglichkeit einer konkreten Natur steht — und dem Gotte Spinoza's, den er „substantiam constantem infinitis attributis, quorum unumquodque aeternim et infinit am essen fei am exprimit“ nennt. Im Jahre 1699 behauptete Wächter („der Spinozismus im Iudenchumb") auch schon, daß Spinoza die Kabbala vorgetragen habe und Hr. Lambert ist daher mit seiner Beschuldigung selbst nur ein Plagiator; ich weiß aber nicht, ob Jemand bis auf Htn. Lambert den exkommunicirten Philosophen einen Plagiator oder Charlatan genannt hat! Als wenn Spinoza außer dem ersten Abschnitt seiner Ethik: de Deo nichts.Anderes geschrieben hätte! Prof. Luzzatto beschuldigt Spinoza, in der Vorrede zu seinen Pentateuch-Glossen: blWDH, geradezu der Unsittlichkeit. Seine Angriffe reduciren sich auf folgende Punkte: 1) Spinoza kenne weder Gefühl noch Mitleiden: „IDW in*« ,b^n nnN p-i arun' t*bw )b 'it-n Dann V'M ’d nvi tt'y Dinn nbf, •m cwb ryo ioit wbw ^nntw ÄvN'" und verweist auf die Ethik I V, 50 Coroll. Spinoza sagt aber dort nichts Anderes, als daß das Gefühl des Mitleidens, weit ein trauriges, an sich schlecht und unnütz ist, da der Beistand den wir Andern leisten, ein Gebot der Vernunft ist. Seine Hilfe, die er für Leidende in Anspruch nimmt, potenzirt sich also zu einem Vernunftgebote, das von keiner Gemüthsstimmung abhängt. 2) Spinoza lehre, der Einzelne brauche nichts für Arme zu thun: „ty rbwo nmn nm np-isn *g no«v D«ij/n Wo nw ■’ifro j'w m , man" mit Hinweisung auf die Ethik IV, 17. Spinoza behauptet aber blos, daß, da die Kräfte eines Einzelnen nicht ausreichen, jeglichem Armen (unicuique indigenti) zu helfen, so rst die 2trmenunterstützung Sache der Gesellschaft, 3) Spinoza predige den schroffsten Egoismus: ‘■jßw b u o , iögy'ntyini isu mwpi wpzh citb jw nb »Tnnri". Luzzatto stützt diese Anklage auf folgende Stellen der Ethik: Conatus sese conservandi prinitini et unicuni v irtu t i s est fundamentum (IV7', 22 Coroll,). Primum et unicum virtutis, seu recte vivendi rationjs, fundamentum est suum utile quaerere. (V, 41, Deinon? »tr.). Hier waltet ein großes Mstverstandniß ob, Unter virtus versteht Spinoza (nach der 8. Defin. des 4. Kh.) die Kraft und Wesenheit des Menschen, durch welche er, implicite in derselben liegende Wirkungen hervorbringt. Daher ist das Streben sich selbst, d. h. seine Wesenheit zu erhalten, das Hauptfnndament der menschlichen virtus-, da das Verharren in seiner Wesenheit, diese selbst ist. Das suum utile Verlag von C, L» Fritzsche. — identisch mit proprium utile, in-IV, 25 —, wird daselbst beschränkt in der demonstr. — als Grund, durch welchen der Mensch in seiner Wesenheit verharrt, d. h. sich erhält. 4) Spinoza hebe jeden Unterschied zwischen lobens- und tadelnswerthen Handlungen aus und nach ihm stehe der Gute und Böse auf einer Linie: rD 2Wrb) nrn ^nn~ '181 o*ian iw accrfc wan ('m din.i to nm i^nd yvra pHSD HM? ,wyo'5>y NWÄ mit Beziehung auf I V, 50.. Schol. Das steht aber dort noch im Zusammenhang mit der Beurtheilung des Mirleidens, und Spinoza lehrt ausdrücklich: „qui nec ratione nee commiseratione movetur, ut aliis auxilio sit, is recte inhuman us appellatur.“ Er räumt aber dem, der die zwingende Nothwendigkeit der Vernunft anerkennt, den Vorzug ein. Der Hauptangriff Luzzatto's richtet sich endlich dagegen, daß Spinoza an die Stelle der Freiheit eine eherne Nothwendigkeit setzte. Das Verhaltniß von Freiheit und Nothwendigkeit ist bekanntlich so vielfach von jüdischen Scholastikern und Religionsphilosophen verhandelt worden, daß wir es hier unberührt lassen» Nur soviel bemerken wir, daß die Freiheit, deren Bedingung die Endlichkeit, eine untergeordnete Stufe gegen die Nothwendigkeit im Unendlichen, und daß das Subjekt feine Freiheit bethätigt, so oft cs afsirmirt, d. h. durch einen Denkprooeß die Nothwendigkeit einsieht. Spinoza war das Leben in und mit der Religion abhanden gekommen; seine si ttlich e Natur suchte aber eine sittliche Welt, auf ehernen Gesetzen des absoluten Denkens beruhend , zu kynstruiren, Wenige sind im Stande, aus der Innerlichkeit des Gemüthslebens heraus, ihm zu folgen, und in wem die Religion lebendig pulsirt, der braucht es auch nicht. Das reiche Gemrith und der fromme, religiöse Sinn des Hrn. Prof. Luzzatto findet sich natürlich mehr zu Iehuda Ha-Lewi's Kusari, als zu Spinoza's Ethik hingezogen; auch kann kein Lehrer der Religion auf den Einfall kommen, die Anschauung Spinoza's auf die Religion zu übertragen, da Religion, in ihrer konkreten geschichtlichen Formation, und Spinozismus Gegensätze Hilden: allein unsittlich war weder Aplnoza noch wollte er ein System, der Unsittlichkeit aufstellen. Das Beste und Treffendste aber, das Luzzatto gegen Spinoza's System vorbrmgt, ist der Schluß seiner Worte, in denen er-Spinoza selbst in dessen letzter Stunde schildert, wo er allein und verlassest war und einsehen mußte, wie die Endlichkeit des Gemüthslebens ihr-Recht neben der Unendlich? keit der Zdee geltend macht. Ad. Ie llinek» Drust' von I. H. Nagel.

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