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Der Orient · 1851-05-10 · Heft 19 (10.5.1851) · p. Seite 289-290

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 19 (10.5.1851)
Date
1851-05-10
Page
Seite 289-290 (sequence 1)
Language
German
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Berichte, Stuöien unfc Kritiken Zwölfter Das Abonnement auf ein Jahr ist 3 Thlr. 20Ngr. Man abonnier bei allen Postämtern und allen Buchhandlungen auf ein Jahr. für Mische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. ' Von dieser Zeitschrift erscheint wöchentlich ein Bogen, und zwar an jedem Sonnabend regelmäßig. Ml» Leipzig, den 10. Mai. 1851. Inhalt. Studierr. Zur Kultur- und Literaturgeschichte der Juden in Asien. Vom Red. (Forts.) — Historisches u. literarisches Sündenregister einiger Zeitgenossen. (Forts.) — Die kleine Genesis. (Schluß.) — Literarische Analekten. Neuere Beurtheilungen Spinoza's. Von Iellinek. Zur Kultur- und Literaturgeschichte der Juden in Asien. O Die ersten drei Jahrhunderte nach Abschluß des Talmud. Eine Skizze von Julius Fürst. (Fortsetzung.) Aber nicht blos für die eindringliche Kunde des jüdischen Lebens in Babylonien, für die richtige Auffassung des jüdischen Schriftthums, für manche Aufklärungen des Magksmus, sondern auch in kulturgeschichtlicher Beziehung ist der Einblick in die jüdische Legenden- und Sagenbildung höchst wichtig. Die jüdischen Legenden, vorzüglich die biblischen erster Klasse, gingen zur Zeit der Amoraim, der Saboräer und gleich nach ihnen zu den Arabern über, wo sie einen mächtigen Einfluß auf die Ausbildung des Islam, auf die Gestaltung des Koran übten. Der jüdische Gelehrte Abdallah Ibn SalLm, der Muhammed in Medina frühzeitig als Propheten anerkannte, Wara'ka Ibn Naufal, der in den Schriften der Juden sehr bewandert war, und vorzüglich Muhammed zu seiner Sendung fanatisirte, der Jude Kaab el-Akhbar in Jemen, der unter dem Khalifat Omar's zum Islam überging und am meisten als Gewährsmann der Traditionen angeführt wird, alle diese weisen auf einen jüdischen Einfluß hin, wenn nicht schon der ganze Koran mit seinem bunten Gewände, wie überhaupt die ganze islamitische Tradition, den jüdischen Ursprung klar herausstellte und unzweifelhaft machte.^ Mehr als einzelne Männer mögen wohl die Juden Arabiens, unter denen dort mächtige Stämme blüheten, die jüdischen Sagen dem sich gestaltenden Islam zugeführt haben. Aber diese Entlehnung aus dem Judenthum, diese Einbürgerung des fremden Elementes auf unheimischem Boden konnte nicht ungetrübt und unverfälscht geschehen, und es ist nicht unwichtig,, den bestimmenden Momenten nachzuspüren, welche diese Trübung des reinen Quells veranlaßt, und da ein ausführliches Eingehen hier zu weit führen würde, so mögen wenigstens einige derselben hervorgehoben werden. Bei den Juden waren die Sagen und Legenden aus einem naturwüchsigen kindlichen Walten mit ihrer Geschichte, aus einem sich selbst nicht erkennenden Schöpfungsdrange der Phantasie hervorgegangen, während der erstehende Islam, dev auch in der Aufnahme der jüdischen Moral und vieler alttestamentlichen Gesetze mit religionsstiftendem Bewußtsein verfuhr, diesen fertigen Stoff der Sage als fertige Geschichte bis auf Muhammed zu seinem Bekehrungszwecke aufnahm, und natürlich hier und da insoweit den Ursprung änderte, hinzusügte oder abnahm, je nachdem es zu seinem Zwecke paßte. Daher mußte es kommen, daß er manche Sage über Moses, 12!) Einen Versuch, diese zusammenzustellen, machte G. Weil: „Biblische Legenden der Muselmänner. Aus arabischen Quellen zusammengetragen und mit jüdischen Sagen verglichen" (Ff. a. M. 1845t. 8), aus welcher Sammlung man die Überzeugung gewinnen kann, daß fast für jede Nuance der islamitischen Sage die jüdische Quelle yachgewlefen werden kann. Dasselbe zeigte sich schon bei der v. Hammer-Purgstall'schm Sammlung, genannt „Rosenöl" (2 Bdch») it, bei der Ueberfttzung aus Bastami (Or.LB. 1841 No. 5. 6.). 19

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