Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1851)
- Date
- 1851-04-19
- Page
- Seite 241-242 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2360092-2360688-2360712--7381-3536358- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Berichte, Studien unö Kritiken Zwölfter Das Abonnement auf ein Jahr ist 3 Lhlr. 20Ngr. Manabonnirt bei allen Postämtern und allen Buchhcmdlungen auf ein Jahr. kür Mische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Br. Z Jahrgang, Won dieser Zeitschrift erscheint wöchentlich ein Bogen, und zwar an jedem Sonnabend regelmäßig«. 1851, eipzig, den 19. April, Inhalt. Studien. Ueber den gegenwärtigen Zustand der jüdischen Literatur in Deutschland. Von A. Treuenfels. _ Orthographie des A. T. Von Ph. A. Nee. iForts.) — Zur Kulturu. Literaturgeschichte der Juden in Asien. Vom Red. (Forts.) — Die kleine Genesis. — Ankündigungen. lieber den gegenwärtigen Zustand der jüdischen Literatur in D errtschlcrnd. Bon A. TreuenfelS. I. □m* 2iy) mra irbjp n1? vym hddd Seit Jahren hören wir von allen Seiten, in mannigfachen Variationen und Modulationen wiederholt, die Elegien über den traurigen Zustand der jüdischen Literatur. Sie betreffen nicht so sehr innere Gebrechen, Mangel an producirenden und tüchtigen Kräften, als die äußeren, Mangel an Unterstützung und Ermunterung. Die Zeitschristen-Lr'teratur, vor 1848 üppig blühend, wohl überwuchernd, ist rasch den Weg alles Papiers gegangen und „es ist nur eine Nachlese geblieben, wie wenn man den Oelbaum schüttelt, zwei, drei Beeren"; für die Wissenschaft des Judenthums nur noch dies eine Organ — und auch in ihm hat ein Klaggesang des Redakteurs jeder; der lehren Jahrgänge aus- und eingeläutet. Selbstständig erscheinende Schriften von, für und über Juden werden immer seltener, besonders seit der Kampf gegen außen hin (vor der Hand?) beendet ist und der innere Reformstreit vor dem tosenden politischen Wellenschläge und dann bei der allgemeinen Abspannung verstummen mußte. Was erscheint, bringt dem Verfasser und dem Verleger (zu oft sind Beide nur eine Person) weder Lorbecrn noch Gold; was nicht kolportirt und aus Barmherzigkeit gekauft wird, bleibt liegen und — was weit schlimmer ist — ohne merklichen Einfluß, hat sich oft kaum einer tüchtigen eingehenden Recension zu erfreuen. Doch nicht bekannte und gegründete Klagen zu wiederholen ist hier unsre Absicht, sondern nach Grund und Ursache derselben zu suchen, vielleicht dürfte es dann gelingen auch den Weg der Abhülfe anzudeuten. Wer trägt die Schuld? Wo es Klagen und Anklagen giebt, da kann diese Frage nicht fehlen und darum liegt sie heutzutage, — wo sich so Vieles jämmerlich gestaltet, so reiche Hoffnungen begraben werden mußten und halb Europa einen „Jeremias auf den Ruinen" repräsentirt — schier in der Lust, bildet den Mittelpunkt alles Parteihaders und wird voraussichtlich noch lange nicht erledigt sein. Da wollen wir denn auch einmal fragen:^ wer oder was ist Schuld an dem Verfall und Elend der jüschen Literatur? „Das Publikum ist Schuld," wird ein lauter Chor ziemlich einhellig antworten, „das jüdische Publikum! Es hat kein Herz und keinen Sinn für die Geschichte seiner Vorfahren, keine Wärme für seine Religion, keine Liberalität in Unterstützung seiner Gelehrten und ihrer Geisteserzeugnisse." Die Anklageakte ist damit noch lange nicht zu Ende, wehmüthigzornige Rückblicke auf eine bessere Vergangenheit gehören noch dazu; aber sie ist bekannt, man betrachte sie als vollständig verlesen. Ich wage es als Anwalt des verklagten Publikums aufzutreten, schicke jedoch die Bemerkung voraus, daß wir bloß die wissenschaftliche jüdische Literatur, an die Klagende auch zunächst denken, im Auge Haben, von jeder' andern Gattung und Richtung absehend» Vor 16 39242772