Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1851)
- Date
- 1851-03-29
- Page
- Seite 193-194 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Berichte, Studien und Kritiken Zwölfter — jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben Das Abonnement auf ein Jahr ist 3 Thlr. 2VNgr. Man abonnier bei allen Postämtern und allen Buchhandungen auf ein Jahr. von vr. Julius Fürst. Bon dieser Zeitschrift erscheint wöchentlich ein Bogen, und zwar an jedem Sonnabend regelmäßig. »13. Leipzig, dm 29. März. 1*51. Inhalt. Kritiken Die Philosophie bei den Juden. Arrgez. vom Nied. — Studien. Zur Kultur - u. Literaturgeschichte der Juden in Asien. Bom Ned. (Forts.) — Die Verszählung des Pentateuch. Von S. Baer. — Das f8ufy bet Jubiläen. (Forts.) — Ankündigungen. - ■ Kurze Ueberfichte». Zur jüdischen Religionsphilofophke. (Fortsetzung.) La pliilosopliie chez les juifs, par S. Munk. Artide exlrait du Diclionaire des Sciences Philosoph! ques et augmente de Notes historiques et bibiiograph. par L’Auteur. Paris 1848, 8. ,Dieser Separat-Abdruck eines allgemeinen Artikels in dem franzöfischen Wörterbuche der philosophischen Wissenschaften schließt sich insofern, den Schriften zur jüdischen Religions- Philosophie an, als es literärgefchichtlich eine Uebersicht über die dahin gehörige Literatur der Juden giebt, aber im Ganzen doch nur der historischen Literatur angehört, während z. B. das von Guggenheimcr durch Besprechung eines Systems zur ausschließlich philosophischen gezählt werden muß. Wie viel auch über einzelne Stücke oder Parcellen der jüdischen Religionsphilosophie geschrieben ist, namentlich in lirerärgeschichtlicher Beziehung, so ist biß jetzt doch noch kein Gesammtbild über diese Disciplin gegeben und Hr. M. verdient unfern Dank, daß er es in einer kurzen Skizze, wenn auch sehr unvollständig und mangelhaft, zu zeichnen unternommen. Geben wir den Lesern ein schwaches Bild dieses bloß 40 Seiten starken Artikels, wenn auch nur, um den Gang des Vers s zu zeigen. Der erste philosophische Gedanke der Hebräer war die Erkenntniß eines höchsten Sein's, das Dasein eines einigen Gottes, eines Schöpfers des All; aber diese Erkenntniß war eine gläubige, moralische, theologische; in den Büchern der alten Hebräer zeigt sich keine Spur einer metaphysischen Spekulation, wie wir sie bei den Indern und Griechen finden, und der Mosarsmus ist kein philosophisches System. Zu diesem religiösen Hauptprincip treten dann einige Fragen, welche in das Gebiet der Philosophie gehören, nämlich woher das Böse in einer durch das höchste Gute geschaffenen Welt komme und wie dieses ohne die Einheit Gottes zu negirm, thatsächlich da sein könne? Das Böse entspringt ferner nach dem Mosaismus aus der Erkenntniß oder Freiheit des Menschen, aber diese Freiheit collidirt wieder mit dem Wissen Gottes und es ist ein Problem, das dir Weisen zu lösen versucht. Selbst durch alle philosophischen Epochen blieben diese Fragen ein Hauptthema. Die alten Hebräer liebten es , diese Fragen in der Form der Poesie, m Gnomen, Parabeln abzuhandeln. In diesem Smne ist das Buch Hiob, Kohelet verfaßt, aber eine philosophische Spekulation in unserem Sinne findet sich nirgends. Als durch das babylonische Exil die Juden mit der chaldäischen Religion und dem Parsismus bekannt wurden, so übten diese freilich durch ihren Spiritualismus einen Einfluß aus das Judenthum, aber dieser Einfluß erstreckte sich nur auf die religiösen Ansichten und nicht im .Entferntesten auf eine philosophische Spekulation, da der Parsismus selbst keine Elemente der Spekulation besaß. Erst durch das Zusammentreffen mit den Griechen und durch'die Macht ihrer Bildung entstand bei den ägyptischen Juden eine eigenthümliche Spekulation, um so den Griechen den Werth der jüdischen Religion zu zeigen, und Phi ton ist Repräsentant dieser Richtung. Ihm gingen A r i st obu l, der V erfasser des Buches derWeisheit voran. Es folgt eine kurze Skizzirung dieses Systems, die aber sehr einseitig ist und die gleichzeitige Richtung in 13