Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1851)
- Date
- 1851-02-22
- Page
- Seite 127-128 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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127 128 Mitcheilungen aus der Gegenwart. — Ankündigungen. Es klingt/ unglaublich jibertrieben , und doch haben wir es erlebt,--erleben., es noch, täglich u^nd stündlich , daß-hie kaum verdrängte und anscheinend unschädlich gemachte Pestwolke des mittelalterlichen Wahns, im Bunde der. alcm Nacht der^ knechtenden Gesinnung mit dem unheilvollen Gefolge vom Lücke, Mißgunst, VornrtheiL und Hochmuth — oder lieber das Alles in einem inhaltschweren Worte, Judenhaß, zusammengeschmolzen — schon wieder hier und da qualmend heraufziehet um (wenn auch vergeblich) selbst.den milden Sinn'und den freien klaren Blick der Hochgestellten zu umnebeln und zu trüben. — Doch wozu den alten tausendjährigen Kampf mit dem mächtigsten Feinde der Erde, mit dem Unverstände, wieder erneuern, nachdem Götter selbst, wie die Dichter singen, mit ihm vergebens gekämpft?-— Dieser spottet, sicher verschanzt, der gerüstet aus dem Haupte Jupiters entstiegenen Minerva. Aus dem verbrannten Gehirn des Volkswahns entsteigt dieser, dem Phönix..gleich, wieder Zeüep.ache.neu verjüngt.und.gerüstet, und setzt allen Angriffen sein undurchdringliches Schild mit der Devise: „Gewohnheit" ruhig sicher entgegen. .. Der Zweck dieser Zeilen aber ist ein anderer. Ich.getraue mir, was das Schicksal meiner Mitbrüder in Zukunst betrifft, auf das neue Oesterreich mit Zuversicht hinzuweisen. Oesterreich, das oft gehöhnte und verschrieene „Land der Phäaken ^,. das oft in den Hintergrund treten mußte, wenn vom Fortschritte geistiger Bildung,, von politischer Reife die Rede war 7— möge nun auch einmal in den Vordergrund treten. Ich muß es hier offen aussprechen, auf die Gefahr hin, servil gescholten zu werden, wenn je die Räthe der Krone bei der Reorganiswung eines Staates redlich und ausdauernd %\x Werke gegangen sind-, so sind es die österreichischen Staatsminister in Beziehung der israelitischen Angelegenheiten. Durch das Princip der „Gleichberechtigung" aller Nationalitäten Ln Oesterreich vom durchdringenden Geiste und edlen Herzen eines bedeutenden Staatsmannes erfaßt und ins Leben gerufen, sind die Juden schneller und sicherer zum Ziele gelangt, als es der Fall gewesen, wenn die Reichs-Verfassung. auf eine andere diplomatische Basis erbauet worden wäre, oder wenn sie ihre staatsbürgerliche Auferstehung einemnach Idealen ^haschenden Reichstage zu verdanken hätten. So aber hängt unsre Gleichberechtigung mit jener der andern Nationalitäten der Kronländer fest zusammen. Will man nun die Verfassung, das neu.aufgeführte Staarsgebäude aufrechterhalten z muß man auch „den sonst verachteten Baustein" dulden, als einen integrirenden Lheit des Ganzen erklären und anerkennen. Auf diesem Wege wird auch von Seiten des Ministeriums unermüdet fortgeschritten, trotz den unzähligen, tiefwurzelnden Hindernissen, die auf jedem .Schritte noch anzutreffen sind. Nur beschränkte Köpfe, die von den vielfältigen, in ihrem Streben unwillkürlich sich durchkreuzenden Branchen in. einem erst zum Lheil reorganisirten Staate keine Anschauung haben, Verlag von C, L» Fritzsche^ -können" verlangen, daß die Minister gleich unmittelbar ein greifen', um dem neuen in den untern Schichten kaum verstandenen Gesetze Geltung zu verschaffen. Nur unpraktische Ideologen werden fordern, daß die konstitutionellen Räthe der Krönenden Mißverständnissen oder Uebergriffen der kleinern Aemter und Kommunalbehörden,, unverzüglich steuern sollen. Genug, das Princip ist gerettet z die Grundidee der Reichsverfassung wird jederzeit kräftig aufrecht erhalten. Ist einmal der Gährungspr'oceß vorüber, wird gewiß von selbst der Lebensfunken, die Centralkrafr vom Herzen' der Staatsverwaltung aus auch die nieder« Organe der Regierung durchdringen und gleichmäßig erwärmen, daß die starre Rinde nach und nach aufthaue und die menschlichen Regungen flüssig werden. — Wir wagen in unsrer Behauptung noch weiter zu gehen, das charakterfeste Vorgehen unsrer Regierung. in Beziehung der jüdischen Zustände für manche Regierungen in gereiftem Staaten als maßgebend anzuempsehlen. Ja, lächelt nur, ihr weisen Herrn von gestern! Oie Erfahrung, die Notwendigkeit hat bei uns ergänzt, was dem gefesselten Leben lange Zeit gebrach. Und wie früher Oesterreich, an sein System gefesselt, beharrlich und redlich die Achtung selbst seiner Feinde und Gegner sich zu erzwingen wußte, so sucht es jetzt, in vielen Stücken, worunter auch der fragliche Gegenstand, beharrlich und redlich an den gegebenen konstitutionellen Formen festzuhalten. —s. Aus Rußland. In der neuesten Zeit veröffentlicht die russische Regierung wieder, eine Anzahl Ukase gegen die Juden, die an Barbarei und Nichtswürdigkeit ihres Gleichen suchen. Sie betreffen die jüdischen Rekruten, die Steuern und das Wohnen innerhalb dreier Meilen an der westlichen Grenze. Für einen flüchtigen jüd. Rekruten hat die Gemeinde drei zu stellen, für eine rückständige jüdische Steuer hat die Gemeinde das Dreifache Zu bezahlen und die Exilirung der Juden von den Grenzorten ist mit so vielen russischen Bübereien und Niederträchtigkeiten verbunden, daß die Verwünschungen gegen das knutenreiche russische Slavenreich wohl gerechtfertigt erscheinen. Prag. Die Berathungen der Notablen-Versammlung haben den 10. Febr. ihre Endschaft erreicht. Bei der letzten Sitzung war der Herr Statthalter zugegen, der die Versammlung, mit freudiger Aussicht für die Zukunft entließ. Der Entwurf ist nun vollständig berathen und wird nun so der Regierung zur Genehmigung vorgelegt und man hat wohl in Bälde eine Realisirung zu erwarten. Wahrscheinlich wird eine von den Notabeln gewählte Kommission nun die Sache betreiben. Druck von I. H. Nagel.