Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1850)
- Date
- 1850-12-07
- Page
- Seite 194 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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- 194 - großartig und würdig gefeiert in Bordeaux unter Leitung des R. Marx und in Metz; in beiden Städten befinden sich ausgezeichnete Tempel.—Die bekannte israel. Schule der Künste und Handwerke in Mühlhausen (Elsaß) ist nun von der Regierung als ein Etablissement von öffentlichen Nutzen anerkannt- — Der Großrabbiner Cahe u, von dem Konsistorium zu Dran (m Algerien), hat eine Amtsreise m seinem Bezirke gemacht und hat Tlemsan besucht, wo er Klagen gegen das arabische Büreau oder gegen einzelne Agenten gesunden. Der kriegerische Geist der benachbarten Stämme, die vermeintlichen Verbindungen der Israeliten mit denselben haben die Behörden veranlaßt, die Israeliten zu Tlemsan noch dem Joche dieses Büreau zu überlassen, aber Hr. Cahen ruhctc nicht, bis er sie davon besieiete und sie den übrigen Franzosen gleichstellte. Das andere Ereigniß war, eine israel. Knabenschule für diese Gemeindewelche die jüd. Bevölkerung selbst lange hinteriricben hat, wie gewöhnlich aus Orthodoxie. — In Alg rer hat in diesem Jahre zum ersten Male eine allgemeine Preisvertheilung für sämmtliche öffentliche Schulen, ohne Unterschied der Konfession, stattgefunden. Auf den 10. Aug. sandte jedes Institut seine besten Zöglinge in den großen Hof des Lyceum, damit sie um die Preise konkurriren; die jüdische Schute untör der Leitung des Hrn. Weilt erhielt nächst der ersten Schule der Regierung die Auszeichnung. — Hr. N.a b o n, früher Korrsistorialpräsiderrt von Oran, wurde Vieekpnsnl von Frankreich in Tetuan (Marokko). — Dann sind viele Klagen über das jesuitische Unterrichtsgesetz, welches Frankreich um seine schönste Zierde, um seine weltberühmte Toleranz bringt. Jetzt herrschen vollständig die Jesuiten und der unduldsame Clerns. Berlin, 21. Novbr. Gegen Sekig Cassel, der Hanptredakteur der ministeriellen deutschen Reform geworden, erhebt sich ein wahrer Sturm von Schmähungen, und seine magyarischen Alterthümer, die wahrscheinlich keiner dieser Schmäher gelesen, sind das Schibolet, um schlechte Witze über den neuen Pnblieisten zu machen. Diese Schnrähungen können unmöglich der Person Caffel's gelten, da er der Publicisten-Zunft noch gar nicht als solcher bekannt ist — als Korrespondent aus Erfurt sel. Andenkens ist seineThätigkeit speeiett fast gar nicht bekannt geworden, — aber sie sind gegen seine Konfession gerichtet und darum um so schmählicher. Die christlich-romantischen oder teutonisch-urdentschen Pnblieisten können in ihm den Juden nicht vergessen, denn „Alle denken daran" wie Börne sagt; die jüdischen Pnblieisten, deren Zahl freilich größer ist als man sonst glaubt und die durchgehends der reformistischen Richtung angehören, schmähen ihn schon als Zeloten und Orthodoxen, und da sie bei ihrem Publikum dies nicht hervorkehren mögen, so stimmen sie in den Chorus der christlichen Gegner. — Das Aufgeben der Verurtheilung in conlunuUiam gegen einen nichterschienenen Angeklagten auf Preßvcrgehen am Sabbat, weil ein Jude am Sabbat nicht zu erscheinen braucht, traf nicht Dr. Holdheim, wie einige Blätter berichten, sondern Dr. Rebe nstein, und ich erwähne dieses hier nur zur Berichtigung. - Von unserem soeben znsammengetretenen Landtag erwarten wir auch so Manches in Angelegenheiten der Juden und zwar ersten s ein Ausführungsgesetz über Civilehe, das in der Verfassung verheißen ist und zweitens eine gesetzliche Aenderung des bisher bestehenden Jndeneides, der noch in seinem alten Gewände umherspukt, wie er auch gegen den Geist der Verfassung ist. Die Aenderung kann aber jetzt nur durch die Kammern geschehen. D Österreich. Aus Oesterreich, im Nvbr. - Hier zu Lande, wo die Stellung der Israeliten zur übrigen Bevölkerung durch die Verfassung eine neue geworden, wo theils die israelitische» Gemeinden noch nicht das ganze Bewußtsein der Gleichberechtigung besitzen, theils die Bevölkerung noch nicht jene Kulturstufe erreicht, wo es sich blos um Grundsätze und Principien handelt, ist es wohl nicht überflüßig, diejenigen Thatsachen zu verzeichnen, die aus dem Wege des gegenseitigen Verständnisses sich herausgestellt. In diesem Sinne mögen die Leser folgende Notizen hinnehmen, gleichsam als Rundschau, inwiefern die Gleichberechtigung in dem großen Kaiserreiche Boden gewinnt. In Krakau wurden drei Israeliten in die Gewerbekammer gewählt. — In Z1 o e z o w gründet der Arzt Dr. M. Rechen eine Lehranstalt, vorzüglich für Israeliten. —- In Chotsch bei Melnik wurde Hr. Kaufmann zum Bürgermeister'zweierDörfer gewählt. — Irr R a d a u n wurde der Religivnslehrer Hr. Löwenfeld in den Ausschuß gewählt. — In E i d l i tz wurde Hr. L ö w y in den Gemeinderath und in den Ausschuß Dr. Stroßer, Ficker, Söbl gewählt. — In Lieb en bei Prag wurde Hr. Pieser in den Gemeinderath und der Wundarzt Grünfetd in den Ausschuß gewählt. — In Holleschowitz bei Prag wurde Hr. Dormitz er Bürgermeister. — In Al lesen rvollten die Stadtbehörden die jüdischen Schneidermeister dahin beschränken, daß sie keine christliche Gesellen haltert dürfen, allein der Ministerialkommissar v. Koller hat die Sache schnell zu Gunsten des,Rechtes entschieden. — Eine Deputation der Preßburger Gemeinde hatte unlängst beim Minister des Innern eine Audienz, bei welcher Gelegenheit sie um Nichtbegründung des Schulsondes baten. Hoffentlich wird die Regierung keineswegcs darauf eingehen. —• In Pesth hielt jüngst das Komite für Ausschreibung urrd Einfordernng des Schnlfonds in Ungarn eine Sitzung. Im Decenrber sott die erste Rate bezahlt werden. — In Preßburg