Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 46 (16.11.1850)
- Date
- 1850-11-16
- Page
- Seite 181 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Das Äbonnment auf ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnirt bei allen lobt. Postämtern und allen'solide Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. . Hepausgegeben von ' Dr. Julius Fürst. Jahrgang. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jeden: Dienstag regelmäßig. Leipzig, den 16. November 1850. Inhalt. D eutschlan t>. Bruchsal. Die Schauspielerin Rachel. Frankfurt a. b. O. Mischehen. Pensionat. — — Oesterreich. Brünn." Die erste jüd. Vertheidigmrg. vor dem Schwurgericht. -Aus Ungarn. Fortschritte. - Wien.-In Sachen der Gleichberechtigung. G am o gy. Erfindung .eurer neuen Nationalität. Hohenems. Deputation. Prag. Anschluß oder .Nichtanschluß. Krakau. Abschaffung des Provisoriums. — Niederlande. A msterdam..Aussichten. — Polen und Rußland. Petersburg. — Türkei. Konftantinopel.— Personalchromk und Miscellen. London Paris. Konstantinopel. — LB. d. Or. Deutschland. Bruchsal, im Oktbn Gegen Ende Oktober wurde der Ort Untergrombach bei Bruchsal von der be- .rühmteu Rachel aus Paris besucht. Die Veranlassung hierzu war folgende: Eine alte Judenfrau suchte vor ungefähr acht Jahren, weil ihr verstorbener Ehemann von Untergrombach gewesen sein-sollte, ihr Heimatsrecht hier auf und wurde, als gänzlich mittellos, von der israelitischen Gemeinde dahier unterstützt. Diese arme .Frau stellte stch nun am 2?., Oktbr. Morgens der Rachel in Mannheim als Taute (Schwester des Vaters .Felix) vor und wurde von derselben mit ausnehmender Liebenswürdigkeit und Herzlichkeit empfangen. Sie schämte sich der armen Verwandt::: nicht, und da sie gerade nach Karlsruhe zu reisen im Begriff war, mußte :die arme Frau mit ihr in der ersten Wagcnklasse bis .hierher fahren. Wie zum Unterpfand ihrer Liebe übergab sie derselben eine sehr we.rthvolle, von ihr immer getragene goldene Uhr, auf deren Rückseite alle Stücke, -in welchen die Künstlerin stch auszeichnet, in emaillirter Arbeit genannt sind; mit dieser Gabe aber auch das Versprechen, bei ihrer Rückkehr von Karlsruhe sie in ihrer Hütte aufzusuchen. Sie hielt Wort. Gestern früh, als cs kaum Tag geworden, war die gefeierte Dühnenkönigin bereits in Begleitung ihres Bruders, ihrer Schwester und Schwägerin von Karlsruhe hier angelangt und hatte die arme alte Frau in der kleinen ärmlichen Wohnung mit ihrem Besuche überglücklich gemacht. Die kurze Zeit des Aufenthalts wurde segenspendend verwendet. .Die alte.Tante erhielt sogleichvon .der durch ihre Kunst groß und reich gewordenen Nichte ein Jahresgehalt von 400 Fl. ausgesetzt, deren eine Hälfte sie dem dortigen Vorsteher der Israeliten, Hrn. Jakob Bär, sogleich behändigte. Außerdem übergab sie der Tante selbst, r:M andern Geschenken, noch 100Fl. zum. Ankäufe von bequemen: Meubles. Der Synagoge spendete sie 150 Ft., und den Ortsarmen, ohne Unterschied des Glaubens, eine namhafte Summe. Was sie an Kostbarkeiten bei sich hatte, wurde zu Geschenken und Andenken verwendet. Nachdem sie über eine Stunde bei ihrer Tante sich aufgehalten und dort einige Erfrischungen genossen, verweilte sie im Hause des obengenannten Vorstehers, bis sie Mittags 10-J Uhr weiter nach Mannheim reiste, Durch diese edle Handlungsweise gab die Künstlerin ihrem Herzen das ehrenvollste Zeugniß. Sie selbst war über die Gelegenheit zum. Wohlthun innig erfreut. Mit einer unbeschreiblichen Anmuth wußte sie Jedem entgegeuzukomrnen und Jeden zu erfreuen, und sich die Achtung und Liebe Aller zu erwerben.- . , - (D. A. Z.) Frankfurt a. fr. O., im Nvbr. In den letzten Tagen des vorigen Monats traute der hiesige deutschkatholische Prediger eine Jüdin mit einem Christen, nachdem erstere ohne den Akt der Taufe zu begehen, dennoch den Austritt ans dem Judenthum bekannte. Bald darauf verlobte sich eine hiesige christliche Bürgertechter mit eiuem Inder: aus Landsberg a. W. — Zu " "' 46