Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1850)
- Date
- 1850-11-09
- Page
- Seite 178 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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178 von W., wie es scheint pseudonym und dem Schluffe nach in Tarnopol geschrieben , schildert Ln besserer Haltung das jüdische Leben in Galizien, wenn auch sehr kurz und ungenügend, und daran knüpft er allgemeine Betrachtungen über das Judenthum irr Bezug auf die Zeitverhättnisse, über Proletarier, Mittelstand re., und daß auch diese Schrift sehr ungenügend ist braucht wohl kaum erinnert zu werden. Schon die ältere Schrift: 1 ,,Die Inden in Galizien von Dr. Löb enstein" bieten des Stoffes mehr. Brody, im Oktbr. Unser Schulwesen ist im traurigsten Zustande; unsere Realschule ist kaum dieses Namens werth und die übrigen erfüllen kaum die ersten Bedingungen einer Schule in der Gegenwart. Einige Versuche, das Schulwesen und den Kultus zu heben, sind wegen der vorherrschenden Indolenz kaum über Worte binausgekommen; das Haupthindernis^ liegt in dem Mangel einer orthodoxen Opposition, welche allein vielleicht im Stande wäre, die indifferenten Halbgebildeten zu Schritten auzufeuern, wodurch die Klasse in sich und aus sich selber getrieben wird. In der hier konstituirten prov. Handelskammer wurde Hr. M. Kalli er zum Präsidenten gewählt, welche Wahl vom Handelsministerium *auch bestätigt wurde. — Hr. I. H. Schorr, bekannt durch eine schöne hebräische Handschriftensammlung, soll, wie man sagt, das Bet h a- Ozar von Luzzatto fortsetzen. 'Kewberg, im Octbr. In der hiesigen Tempelgemeinde, welcher seit dem Hintritt A. Kohn's Dr. Mor. L ö w e n t h al vorsteht, werden nun große Ränke geschmiedet, um diesen Mann, der nun bereits 2 Jahre hier sein Amt gewissenhaft vertritt, zu verdrängen. Die Ränke gehen von den Orthodoxen und den Indifferenten aus und zwar nicht in hergebrachter Weise, daß man gegen denselben polemisirt und streitet oder ihn zu verkleinern sucht, sondern nach - einer ganz neuen listigen Methode, indem mau ihn sehr hochschätzt, aber den verstorbenen A. Ko hu so zu kanonisirm sucht, daß ein Nachfolger etwas ganz Apartes sein muß. Ein großer Theil mag vielleicht gar nicht wissen, daß er selbst geleitet wird, noch weniger daß eine Verwaistheit der Kanzel nur Verwirrung bringen wird. Gern hat diese Partei immer die gefeierten Namen der Juden Galiziens, als L. Mieses, R. Kr och me t, I. Perl u. A. auf der Zunge, diese Männer würden aber gewiß nicht so gehandelt haben. Herr Löwenthal predigt gut, und gerade für Galizien höchst angemessen, gegen sein Benehmen und Führung hat selbst der Orthodoxe nichts einzuwenden, und man. begreift die Verblendung nicht, warum dieser Manu verdrängt werden soll. Doch Herr Löwenthal wird ihnen das Feld lassen, wenn er es ihnen nicht schon gelassen, da er nicht zu denjenigen gehört', die ihre Energie darin entwickeln, gegen den Willen ihres Vorstandes zu bleiben. — Unsere Hauptschule , die Frucht unserer Tempetgemeinde seit 1844, \ gedeiht sehr gut und hat gegenwärtig gegen 1000 Zogi linge. Herr Dr. B. Sternberg, Direktor dieser! Anstalt, führt die Oberleitung mit großer Umsicht und der Unterricht ist im Ganzen sehr gut, so daß ste ein k herrliches Saatfeld für eine gedeihliche Zukunft bildet. Daß auch dabei das Hebräische nicht vergessen wird versteht sich von selbst, denn höchstens die Unvernunft oder! der superlative Kosmopolitismus könnte Anstoß daran nehmen. — Im bürgerlichen Leben gestalten sich nun allmälig auch die Dinge erfreulicher. Beim Bau unserer Citadelle sind gegen 50 Israeliten als Tagelöhner beschäftigt. Den nemrnannten Statthalter' begrüßten von seiten der Juden Dr. Btumenfeld, Dr. Ko lisch er, M. Goldbaum, A. Rosenstein, Sal. Klehrmann, Münz und Nierenstein. Am 30. Sptbr. kamen zuWechsetgerichts-AffesorenMieses und Klehr- \ mann noch Go 1 dbaum und Sokahl hinzu. l Papa, im Oktbr. Mit der Wendung, welche die hiesige Rabbinatsangelegenheit nunmehr nahm, sind! t: die Wenigsten zufrieden. Löws Freunde schmollen, daß er gehen und sie verlassen will. Seine Feinde können es nicht verschmerzen, daß die von ihnen mit st vielem Eifer betriebene Absetzung nicht erfolgte. Von einer gegenseitigen Annäherung der Parteien ist mindestens in diesem Augenblicke noch keine Rede. Charakteristisch ist die Motion, welche vor Kurzem von einem Mitglieds unseres Gemeindevorstandes gestellt wurde. Der gute Manu, sein Name ist Rafael Sieß, meinte nämlich, die Gemeinde sollte ihr herrliches, von dem aufwärts strebenden Theile der Gemeindeglieder mit st vielen Opfern erbautes Schnlhaus — zu Wohnungen verarrcndiren l! (W. Bl.) U Szegedin, 18» Oktober« Schreiben Sie es nicht j einer etwaigen Kälte gegen unsere religiösen Angelegen- [ Helten, sondern einzig und allein dem unter uns Herr-;S sch enden Mangel an Korresp ondenzlust zu , Daß Ihnen! j die Wahl des Hr. Dr. Löw zu unserem Rabbiner, jj welche bereits am 2. d. M. sou ritu vollzogen war, i f noch nicht berichtet wurde. Wir hatten einen Konkurs ausgeschrieben. Rabb. Löw war nicht unter,den Bewerbern. Er wurde gleichwohl fast einstimmig gewählt. Unter allen Gründen sprach vorzüglich der für ihn, das' wir einen guten Prediger wünschen und brauchen. Eine gute Predigt ist das wichtigste, was wir von unserm Geistlichen erwarten. Gut Unterrichtete versichern uns, daß Hr. Low geprüfter Hauptschullehrer sei, und seit Jahren den Religionsunterricht persönlich und mit \ gutem Erfolg ercheile. Wir freuen uns dessen, und . werden von diesen seinen Fähigkeiten den gehörigen Gebrauch zu machen wissen. Hauptrückstcht, der wir nichts l überordnen, bleibt indeß für uns die Predigt, der wir es übrigens gerne 'gönnen, von Zeit zu Zeit in Dem- \ sch a form aufzutreten. Parteien gibts in unserer Milt - e '