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Der Orient · 1850-10-26 · Heft 43 (26.10.1850) · p. Seite 172

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 43 (26.10.1850)
Date
1850-10-26
Page
Seite 172 (sequence 7)
Language
German
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172 werden, wie sie der Gesetzgeber Israels durch den Propheten Jeremias 3. 15. beurkundet: ,,die mir gefälligen Hirten leiten durch gründliche Gelehrsamkeit (Dea) und durch Weisheit^" Damitder kurzsichtige Mensch die gottgefälligen Lehrer und Leiter erkenne, sind deren Eigenschaften und Aufgaben durch den Propheten Malachi 2. 6. genau bezeichnet: . , ,,Treue Lehre führte, er; in seinem Munde, nie falsch auf seinen Lippen,, friedlich und rechtschaffen wandelte er, und Viele, brachte..er vom Sündenlvege zurück." Mithin Sophisten, Heuchler, Zank-, Ehr-und Habsichtige sind dem Herrn nicht gefällig. Die Aufgabe deö Lehrers und Leiters, ist nicht, für Andere ein Sündenbock zu sein, sondern durch seine gründliche Belehrung und religiösen und moralischen Lebenswandel, Religion und Moral zu verbreiten und zu befestigen. - ' Wer Augen hat und sehen will, wird die Wahrheit einsehen. Aus Oberschlesien, Ende September. Es dürste.den Lesern Ihres geschätzten Blattes nicht unangenehm sein, zu erfahren, wie sich bei der, den 23. und 24. d. M. in Sezcscanowitz bei Oppeln zum erstenmal stattgefundenen Schaustellung des land- und forstwissenschaftlichen Vereins auch viele Juden betheiligt haben. So befand sich dabei ,, a u sz u ze i ch n e n d e s Rindvieh" aus der Zucht der HerrschaftRorok, dem. Herrn Gnradze gehörig, des Arrendator Friedländer in Oppeln, Brauer Pringheim daselbst, der Johanna Leubuscher in Czarnowanz und des Gastwirth Schönfelder in Königshuld. Sonderbar ist es, daß von den drei Prämien wegen Schweinezucht, zwei Juden, dem Dominium Rorok und dem Gastwirth Schönfelder zuTheil wurden. Wir wollen damit zumeist darauf aufmerksam machen , welchen Einfluß die Juden auf die Kultur Oberschlesiens und wieder umgekehrt, der so sehr billige und verbesserungsbedürftige, wie fähige Grund und Boden daselbst auf die Verhältnisse der Juden haben könnten. In den kleinen Städten, und auf dem Laude in Oberschlesien, treiben die Juden bei ihren sonstigen Geschäften zumeist auch Ackerbau. Wie klein wäre nun für Manchen der Schritt sich jetzt, wo . fast alle Gewerbe darnieder liegen, ganz der Ackerwirthschaft zu widmen, wenn er nur zum Beginn einige Aufmunterung und Unterstützung fände. Sobald erst einige Juden ihren Glaubensgenossen durch die That beweisen, wie der Haushalt lediglich durch den Ackerbau bestritten werden kann, dann folgen gewiß sehr viele ihrem Beispiel.. Und auch für den oberschlesischen Bauer, der übrigens , wenn nicht von außen auf ihn influirt wird, gewiß nicht judenfeindlich ist, das beweist schon das.allgemeine Sprichwort: ke bieda, to do Zyda, (in der Roth wende dich an den Juden),, dürste mit der Zeit durch die größere Thätigkeit und Vorsorglichkeit seines jüdischen Nachbars, den Impuls zur besseren Bearbeitung seines Ackers, mreutlich aber zur Aufnahme der Obstbaumzucht gegeben werden. Von Seiten der Behörden läßt sich hierzu keine Unterstützung erwarten, man hat auch gerade kein Recht dazu, darum uachzissuchen. Dagegen sollten die vielen vermögenden und reichen Juden, deren Oberschlesieu nicht wenige hat, sobald wie möglich einen Versuch machen, der schlimmsten Falles für sie nur einen ganz geringen Verlust zur Folge haben könnte. Nur muß nicht mit langen Berathungen, mit Festessen und Dismembrations - Vorschlägen begonnen werden, auch nicht mit Begründung einer ganzen Kolonie; vier bis höchstens sechs Bauerstellen, in der Nahe eines kleinen Städtchens mit armen, aber arbeitstustigen und des Ackerbau kundigen Juden besetzt, wäre zum Beginn ganz genug. Sollten diese meine ehrlich und herzlich gemeinten Worte irgendwie und wo Efugaug finden, dann bin ich gern bereit einen von mtr, : fett langen Jahren gehegten und allmälig vervollständigten Lieblingspta.n hierüber in diesen Blattern zu veröffentlichen. Derselbe ist auf der genauen Bekanntschaft mit den Verhältnissen der Juden überhaupt, wie der der oberschlesischen und Oberschleftens insbesondere basirt und dürfte, wiewohl vielfach der Verbesserung fähig oder gar bedürftig, doch in der Gruudautage wohl als richtig erkannt werden. Um nicht für einen gewöhnlichen Planmacher gehalten zu werden, will ich nur noch mitthcilen, wie das nöthige Kapital, zu 4—6 Bauerstelleu mit 4000 Thlr. angenommen-; doch könnte schon mit 2000 Thlr. und 2—3. Stellen begonnen werden, durch Ein hundert Aktien a 40 Thlr. aufgebracht werden soll. Die Zeichner verzichten auf die Zinsen, und sind die Anbauer die ersten fünf Jahre, wenn sie cs nicht freiwillig mit der Abzahlung beginnen wollen, von Allem, mit Ausnahme der Steuern frei. Nach dieser Frist zahlen sie jährlich 6A und werden damit alljährlich 6 Aktien amortisirt, wo also nach 24 Jahren die Anbauer ihre Stellen schuldenfrei eigen haben. Ob die Aktionäre das Kapital zurückgezahlt oder zu weiterer Anlage verwendet haben wollen, mögen sie gleich bei der ersten Zeichnung bestimmen. Schreiber dieses erklärt sich zur Annahme zweier Aktien bereit,.ohne die Rückzahlung noch sonst irgend etwas für sich zu beanspruchen, und zahlt den Betrag von 80 Thlr. sofort, sobald ein Komits zur Betreibung dieser Angelegenheit zusammengetreten sein wird. I. E. E—in Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I, H. Nagel.

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