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Der Orient · 1850-10-19 · Heft 42 (19.10.1850) · p. Seite 168

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 42 (19.10.1850)
Date
1850-10-19
Page
Seite 168 (sequence 7)
Language
German
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- 168 - fern liegenden Fall-gar nicht möglich, und ich würde es nicht mit der pflichtmäßigen Gewissenhaftigkeit vereinigen können, wenn ich über den Sie berührenden Fall eine bestimmte Ansicht aussprechen wollte und muß vielmehr die Entscheidung ganz Ihrer Einsicht überlassen. In achtungsvoller Ergebenheit Geiger. Die Absicht, weiche der Anfrage bei Geiger zu Grunde gelegen , war die , den von falschem Humanismus berauschten Sturmresvrmern, die seit den 18. März Politik und Religion auf gleich breite Grundlagen ausflachen, darzuthun, daß, voraussichtlich, selbst der rücksichtslose .Breslauer Reformbahnbrecher, es nicht gutheißen würde, eine christliche Sekte, die Taufe und Abendmahl hat, die alle Epochen in der Entwickelung des Chrisienthums, i. 6. christliche Feste, feiert, in eine jüdidische Synagoge aufzunehmen, von der es mit vollstem Rechte Meg. 29 heißt: to An UZD tßnpob DrA mni ■'«? ’-nrojp’ ferner il)id. td An iA. rv\n nnN pyc 7D1 rWDJD. Wenn Geiger irgendwo seine gepriesene Entschiedenheit zur Anwendung bringen sollte, so war sie Hier an gehörigem Orte, eben weil die Frage so ,,zarter Natur" war, die nach beiden Seiten hin nicht unbedenklich ist."" Das ist natürlich: bei„glatt— ncco" oder „glatt nETU3" macht man keine DDHrANtt/l Und auf ihn gerade blickten voll Erwartung die Liebaugler mit der großen Idee der Verbrüderung hin, denn ein Frankel und Sachs ist zu „fromm", er§y ,,Jesuit" — daher war der Eindruck von G.'s Schreiben, das nebst den beiden andern im Original der Generalversammlung vorgelegt wurde, ein so peinlicher, daß ein Mitglied so frei war zu bemerken: „Wozu Frankel, Sachs, Meiselund Geiger? Waldek, Teunne, Kinkel, Jakoby müssen wir fragen!" — Die „Prüfung der einzelnen Verhältnisse", die recht betrachtet bei der Bedeutung, welche der Gegenstand für die ganze Judenheit und selbst für die Fortbildung des Judcnthumö hatte und noch hat —• von gar keiner Erheblichkeit waren, Hätte G. noch mehr erleichtert werden können, aus seinem. Wunsch, als es in der Zuschrift des Dr. M. au ihn geschehen war. Aber hier entschied das bhü on p"> 'P'D rprp ddni — Ohne Noth passirt man nicht den gefährlichen Strudel zwischen der Scylla und Charybdis, d. i. demokratischer Philantropismus und jndcnthümliche Besonderheit! — Es dürste schwer werden diese Scharte in dem scharfen Messer der Geiger'schen Kritik ausznwetzcn! „Moor! Moor! sagt Roller, möchtest du bald auch in den Pfeffer gerathen, daß ich dir Gleiches mit Gleichem vergelten kann!" denn Eisenmenger, Schudt, Bauer, Minister Eichhorn, die neue preußische Kreuzzeiturig mit allen Junkern und was cs sorfst Judenfeindliches gegeben: es ist dem Fortbestände des positiven Jridenthums nichts so gefährlich als die freie christliche Sekte bei dem so sehr vorherrschenden Jndifferentismus in den gelockerten Gemeindebeständen. So hat wohl kein echt jüdisches Institut so reiche und so bedeutsame materielle Unterstützungen bei Juden gefunden als der Bau der Kirche der fr. christl. Gemeinde hier.- Um Sie auch mit dem jetzigen Bestände dieser Angelegenheit bekannt zu machen, bemerke ich, daß in der Generalversammlung der isr. Gemeinde hier die Majorität sich gegen die Einräumung der Synagoge erklärt und den desfallsigen Beschluß dem Vorstand der ft. christl. Gem. in höflicher Form mitgetheilt hat. Dieser nun von allen Kirchen und öffentlichen Gebäuden, Gymnasium und Synagoge abgewiesm beschloß den Bau einer eigenen Kirche, an dem sich mit reichen Untersti'ltznngcn auch sehr viele Juden, betheiligen, was durchaus löblich wäre, wenn cs nur die Förderung eines Instituts gelte, das eine große Idee zu verwirklichen berufen ist, und nicht vielmehr die Untergrabung des synagogalen Verbandes', wenn nicht auch Familienväter sich in die fr. christl. Gemeinde aufnchmen ließen; wenn die rohen Ausfälle des Predigers Legen alle religiösen Autoritäten nicht auch das alte Testament unter den Einfluß des schonungslosen Witzes zögen, der unserer Jugend natürlich mehr zusagt als der ehrwürdige Ernst des Synagogenkultus. So ist ein junger Hausvater, an dem, nach Abzug des Goldes, nur eine rohe Arroganz bemerkbar bleibt, urplötzlich vom Strohftier des Kritik sein sollenden Spottes so erleuchtet worden, daß er der Hungernden israelitischen Jünglinge "a^t. -rtD'D ÜV sich erbarmte, und sie am Mittag fctirte 1 Solche Ereignisse, an sich durch ihre Träger unbedeutend, werden insofern der Veredlung und Versittlichung der jüdischen Masse gefährlich als sic in dieser einen Argwohn gegen alle Reformen nähreu, der in den zulässigsten, nothwendigsten Verbesserungen schon den Kernpunkt solcher häßlichen Extravaganzen sieht und sie desavouirt, was zur Folge haben könnte, daß Gemeinden, wie die hiesige, die seit einem Deccnnium im schönsten Fortschritt begriffen gewesen, wieder die alte jüdische Starrheit liebgewinnen könnten mit allen häßlichen Versteinerungen derselben, die uns gemacht haben rwaAi bmb obpbi Es ist deshalb eine gründliche Besprechung dieser bedeutsamen Angelegenheit eine unabweisbare Nothwendigk'eit, daß nicht wieder ein oberflächlicher Seribent ans „on dil"s schöpfe und Intoleranz nennte, was charakterfeste Entschiedeuheit und opferungsfähige Begeisterung für den Hochgedauken des Judenthums und seine Träger die geheiligten Institute von vicltausendjähriger Dauer gewesen! Verlag von C> L. Fritz sehe» Druck von I. H. Nage!.

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