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Der Orient · 1850-10-12 · Heft 41 (12.10.1850) · p. Seite 164

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 41 (12.10.1850)
Date
1850-10-12
Page
Seite 164 (sequence 7)
Language
German
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Hamburg, Juli. (Verspätet.) In der unlängst abgehältcnen Versammlung der deutsch - israelitischen Gemeinde, betreffend eine Gegendemonstration gegen die orthodoxen Opponenten und deren Oppositions-Schrift an den Senat gegen die Civil-Ehen, soll es sehr lebhaft hergegangen sein — denn (hört! hört I) auch hier gab sich eine starke und laute Opposition gegen die weise, menschenfreundliche Absicht des Senats kund, und es hat den Bessern und Vernünftigen Mühe genug gekostet, diesen Scandal zu unterdrücken. Die Veranlassung zu solcher Opposition fand man in der humanen Bestimmung des Senats, daß die Eltern bei ihrer Verheirathung zuvor um die zukünftige Religion ihrer zu erwarteten Kinder befragt, und die Entscheidung zu Pretocoll genommen werden solle; nichts desto weniger stellte man es einer spätem Sinnesänderung anheim,, die erste Bestimmung zurück zu nehmen und sichspäter noch für eine andere Religion zu entscheiden. — Dagegen erhoben sich nun bedeutende Scrupel, indem man befürchtete, es würden bis dahin etwa in ihren Vermögensverhältnissen zurückgekommene Ehegatten, die sich anfangs für das Christenthum entschieden, sich aus pekuniären Rücksichten für das Judenthum entscheiden, indem man von dorther iher Hülse und Unterstützung zu erwarten hätte, und was der thörichteu Gründe mehr waren. — Glücklicher Weise erklärten sich die beiden Prediger, namentlich Herr Doctor Frankfurter, ferner die Herren Dris. Rieffer und Cohen entschieden, letzterer sogar mit gerechtem Zern und beißenden Bemerkungen über den alten noch nicht ganz abgestreisten orthodoxen Wust -— gegen die oppositionellen Ansichten, welche dort laut wurden, und endlich Unterzeichneten Me die von Herrn Dr. Rieffer abgefaßte Adresse an den Senat, worin diesem förmlich ein Dank votirt wird, für seine edle und schöne Absicht, die Juden- Emancipation auf dem vorgeschlagenen Wege zu för-. dem, und jeder denkende Christ kann sich dem nur anschließen; denn beim Himmel! —- niemals wird die Emancipation vollbracht werden, bis der äußere Typus des Juden, das äußere Zweierlei der Nationen getilgt ist, und dies kann nur durch fleischliche Kreuzung möglich gemacht werden. Palästina. Dcnnnskus, 28. Aug. Dieser Tage beging der Stellvertreter des Said - Pascha eine der g r a u s a msten Handlungen gegen einen preußischen Staatsangehörigen, einen gewissen Abraham Romano. In der Nacht vom 2. ans den 3. Aug. wurde im Hause, welches Abraham Romano bewohnte, ein Diebstahl begangen. Romano wurde plötzlich durch das Geschrei seiner Nachbarn aus dem Schlafe geweckt und bemerkte bald, daß ihm während des Schtafts das goldene Ge- | schmeide und einige Juwelen entwendet wurden. Neman o eilte in den Hof, wo seine Nachbarn den Dieb ergriffen hatten, welcher aus allen Kräften zu entwische i suchte. Bei der Unmöglichkeit zu entlaufen, erbot er sich endlich, die entwendeten Gegenstände zurückzustcllen, und begann auch wirklich schon einen nach dem andern aus seinen Taschen zu langen. Er that Dies jedoch sehr langsam, in der Hoffnung, endlich doch entwischen zu können, sodaß einer der Haustcute die Hilfe der nächsten. Hausnachbarn rufen ging. In wenigen Augen-; blicken war der Hofranm mit vielen Muselmännern s den Volksschichten angefüllt, welche bereit waren, ihnen i*; Hilfe zu leisten. Als sie aber in dem Diebe einen Türken, folglich einen Religionsgenossm erkannten, wendeten sie sich gegen die Beraubten, die durchgehend Inden waren, mit der Behauptung, die Israeliten hätten den armen Mann ins Haus gelockt, um ihn zu tödtcn. Obgleich man bei dem Diebe die geraubten Gegenständ fand und dieser den Diebstahl nicht geleugnet hatte, verlangten die Türken, daß Romano nebst zwei andern jungen Israeliten sich samrnt dem Diebe mit ihnen sogleich ins Serail begeben sollten. Dort wurden sie m den Stellvertreter des Pascha gebracht, welcher die Kracliten nicht anhören wollte und nur die Muselmänner sprechen ließ, die ihm die erdichtete Fabel erzählten. Der KLaja (Stellvertreter) gab den Befehl, den Dieb gleich in Freiheit zu setzen, dem Romano und den beiden andern Juden hingegen eine Zahl Stockstreiche zn ertheilen. Die beiden Letztem warm türkische Unterchinen und unterzogen, ohne ein Wort zu entgegnen, sich der ungerechten Strafe. Romano aber glaubte als preußischer Unterthan protestiren zn dürfen und zeigte das Konsulatzeugniß vor. Dies erbitterte den Kiaja derAri, daß er den Befehl ertheilte, die Zahl der Stockstmche zu verdoppeln. Wirklich wurde der Unglückliche aus eine so grausame Art geprügelt, daß er am 22. Aug. 'in Folge dieser Schlage seinen Geist aufgab. Da Kiaja hatte sich nicht mit den Stockstreicheu begnügt, sondern ihn mit Ketten belastet in einen engen Kcrkel werfen lassen. Erst als der preußische Konsul Dr.Wenstein die Behandlung erfuhr und sich persönlich an de» - Kiaja wendete, wurde Romano in sein Haus aus sei» ' Bett gebracht, das er nicht mehr lebendig verließ. Dr. Wetzstein schrieb schon zwei Noten an den Pascha, M Bestrafung des Kiaja und Genugthuung für die grausame That verlangend. Der Konsul erhielt keine Aut- . wort, woraus man schließen muß, daß Said-Pasch , das Benehmen des Kiaja stillschweigend gutheißtt Man hofft, die preußische Gesandtschaft -in Konstantmop'i werde sich dieser Angelegenheit mit Wärme annehmeu, um eine vollständige Genugthuung zn erhalten, da sonst für die Europäer, welche sich hier ansiedeln, keine Sicherheit mehr geboten ist. (Lt.) Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. .Nagel.

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