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Der Orient · 1850-10-12 · Heft 41 (12.10.1850) · p. Seite 161

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Journal
Der Orient
Volume
11 (1850)
Issue
Heft 41 (12.10.1850)
Date
1850-10-12
Page
Seite 161 (sequence 1)
Language
German
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Berichte, Studien und Mer rt en Das Abonnment auf ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und ollen solid. Buchbandlungen auf ein Jahr. jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Don dieser- Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. 1950, Leipzig, den 12. Oktober Inhalt. Die ungarischen Juden. Eine Scene aus der Republik Ungarn. — Deutschland. Berlin. Der Rabbinats- Kandidat Landsberger. Großherzogthum Posen. Zustände der Gemeinden daselbst. Ein kirchliches Fest in Posen. Hamburg. Ueber die Mischehe. — Palästina. Damaskus. Eine grausame Geschichte. — LB. d. Or. Die ungarischen Juden. * Die Lage der ungarischen Republik waren gezählt. Der Zwiespalt zwischen dem Gouverneurpräsidenten und seinem, militärischen Rivalen ward immer größer und immer offenbarer und unheilvoller. Görgey zögerte trotz wiederholten Zusagen noch immer, die allseitig geforderte und dringend nöthige Vereinigung sämmtticher Streitkräfte zu bewerkstelligen; und doch hatte Fürst Paskiewitsch bereits mit der russischen Hauptarmee bei Tißafüred den ungarischen Rubikon überschritten, und Baron Haynau stand mit der österreichischen Hauptarmee in Jelegyhuza, 5 Meilen von der provisorischen Residenzstadt der ungarischen Regierung. Noch waren kaum drei Wochen verstrichen seit jenem Abend (11. Juli), an welchem Kossuth seinen Einzug in Szegedm gehalten und den patriotischen Einwohnern, die ihn mit einem glänzenden Fackelzug empfingen, die Zusicherung errheilr hatte, daß wie voir Dedreczin aus die Unabhängigkeit Ungarns erkämpft worden, so werde von Szegedin aus die Freiheit Europa's erkämpft werden, —. und bereits hatte sich die, durch jene Prophezeiung erregte Hoffnung und Siegeszuversicht in Trauer und Bangen umwandelt. Die austrorussischen Streitkräfte drangen unaufhaltsam vorwärts, die ungarischen wichen Schritt vor Schritt und naheten immer mehr dem gegenwärtigen Regierungssitz. Schon sing man an ') Aus einer noch ungedruckten Schrift: Die ungarische Revolution und die ungarischen Juden. Bon I. E. Horn. zu zweifeln ob man diesen nicht abermals werde nach einen andern Ort verlegen müssen. „Aufgeben oder vertheidigen, bleiben oder flüchten" , war die inhaltsschwere Frage, um welche sich jetzt die Berathungen der Führer und die Gespräche des Volkes dreheten. Am 25., 26. und 27. Juli waren hierüber geheime Berathungcn gepflogen worden, von denen wohl manche dunkle Sage, aber keine bestimmte Kunde im Publikum verlautete. In einer öffentlichen Reichstagssitzung am 28. Juli sollten die Resultate jener dreitägigen geheimen Berathungen allgemein kundgegeben werden. Alles sah mit gespanntester Erwartung dieser bedeutungsschweren Sitzung entgegen, in welcher es öffentlich ausgesprochen werden sollte, ob noch Siegeshoffnung vorhanden oder die Niederlage bereits unabwendbar sei. , Denn darüber machte man sich keine Illusionen mehr. Das erkannten die Meisten, daß mit dem Aufgeben Szegedins und der untern Theiß wohl auch die ungarische Sache großmtheils aufgegeben werde. Leider gaben aber manche Anordnung, welche in den letzten Tagen getroffen worden, gerechten Grund zu der Vermmhung, daß die Regierung trotz der Folgenschwere dieses Schrittes doch abermals das unheilvolle „Zurückziehen" aussprechen und wie früher Buda-Pefth so jetzt Szegedin ohne Widerstandsversuch räumen werde. Seit früh Morgens hatten sich Hunderte auf dem viereckigen Marktplatz vor dem zum Landhaus umwandelten städtischen Rathhaus versammelt.. Militär und Civil, Kaufleüte und Beamte, Kinder und Greise, Obstweiber und vornehme patriotische.Damen hatten sich im bunten Durcheinander 41

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