Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1850)
- Date
- 1850-09-21
- Page
- Seite 149 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken Elfter «' Jahrgang. — jüdische Geschichte und Literatur. — Das Abonnment auf ein Zahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Don dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Dopen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. 1850, Leipzig, den 21. September Inhalt. Deutschland Aus Baden. Der Privatdocent Dr Friedkander. — Oesterreich. Horzitz. Vorfall in der Synagoge. Nikolsburg. Taudstummeninstitut. Das B'ne-Aijjon — Polen und Rußland. Petersburg. Ukas. Odessa. Feierlichkeit bei Grundsteinlegung. — Personalchronik und Miscellen. Speyer, Lemberg. Proßnitz. Arad. Aus Oesterreich. Arad. Proßnitz. Literarisches. Trieft. Prag. Wien. Prag. Boskowitz. London. Kisckeneff. P.rris. Brüssel Metz. Leipzig. Aus Böhmen. - LB. d. Or. Deutschland. Aus Duden, 8. Sptbr. Der frühere Heidelberger Privatdoeent Dr. Friedländer, dem noch vor einigen Wochen sein Gesuch, nach Amerika auswandern zu dürfen, abgeschlagen wurde, hat setzt diese Erlaubniß erhalten. Aber nicht, wie der Major v. Rongo, unbedingt auf dem Wege der Gnade, sondern nur unter der Bedingung, daß er 1000 Fl. für Prozeß- und Gefängnißkosten bezahle. Friedländer wird von dieser Erlaübniß Gebrauch machen. So sehr man hier auch über diese neue Gnadenbezeigung des Großherzogs erfreut ist, so macht es doch immerhin einen unangenehmen Eindruck, daß der Staat auf diesem Wege sich die Gnade gewissermaßen bezahlen oder abkaufen läßt. D. A. Z. Oesterreich. Horzitz, Sptbr. Hier hat sich ein eigenthnmlicher Fallzugetragen, der in seinem Ausgange von ähnlichen in Nord- und Süddeutschland sehr abweicht. Einem Arzte, Dr. Lewit, wurde ein Sohn geboren, den er, gestützt auß. die gesetzlich ausgesprochene Gewissensfreiheit, nicht beschneiden ließ. Die Gemeinde, obgleich orthodox, hatte nichts gegen diese Unterlassung. Aber Hr. Lewit wollte dennoch einen religiösen Akt in der Synagoge, er wollte, wie sonst bei Mädchen üblich, eine feierliche Namengebung, beim ersten Synagogcnbesuch der Wöchnerin. Der Chasan im Namen der Gemeinde verweigerte es. Auch die Synagoge, meinte der Vorstand, muß ihre Gewissensfreiheit behalten , nur ihr zukommende religiöse Akte vorzunehmen. Hr. Dr. L. war aber damit nicht zufrieden, sondern von der Weigerung allfgeregt lief er schreiend in dem Gotteshause umher, mit gellender Stimme die Worte rufend: ,,Im Namen Gottes gebe ich meinem neugeborenen Sohne den Namen Elias 1" Ueber diese Störung in der Synagoge führt nun der Kreisrabbiner Hr. Grünfeld Klage bei der Kreisregierung, da dasRabbiuat wie die Gemeinde es unmöglich zngeben kann, daß die Gewissensfreiheit so uerffrutkm werden soll, das stille Asyl der Synagoge beliebig zu verletzen. Nikolsburg, d. 1. September. Hier besteht ein israelitisches Taubstummeninstitut von Hrn. H. Kolli s ch in's Leben gerufen und von Hrn. Joel Deutsch als Lehrer geleitet) in diesem Institute war den 16. Aug. in Gegenwart der Behörden, der Geistlichkeit und eines großen Publikums öffentliche Prüfung, die allgemeine Bewunderung erregte. Die Zöglinge legten Proben ab im Lesen, Schreiben, Rechnen, in der Religionötehre, in der Sprachsünde und in der Physik und dem Hrn. Deutsch, der zu seinem Berufe fast alle derartigen Anstalten Deutschlands besucht, wurde von allen Seiten das ungctheilteste Lob gespendet. Der Katechet an der Wiener Taubstummenanstalt, der zugegen war, erbot sich einen Zögling aus eigenen Mitteln hier erziehen zu lassen. — Nach einem Ersatz des B'ne-Zion, schmach- 38