Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1850
- Issue
- 36 (7.9.1850)
- Date
- 1850-09-07
- Page
- Spalte 561-562 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Meratnrbtatt -es Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. M 36. Leipzig, den 7. September 18S«. Inhalt. Kritiken. Kurze lieber sichten. Lesebuch von A. Horwitz. Abtalkon. l. von I. H. Jacobson. Gebetbuch von H. Arnheim. Der Machaior von G. Polak. Der Talmud rc. von A. Büchner. Beurtherlt von I. Fürst. — Studien. Historisches und literarisches Sündenregister einiger Zeitgenossen. — Ueber einige populär - moralische Werke von Leop. Dukes. — Literarische Miscellen. Nachtrag zur Königslehre. Von Dr. Lewysohn. — Ankündigungen. Kurze Uebersichten. 20) Deutsches Lesetuch für mittlere Schulklassen von A. Horwitz, Vorsteher einer höheren Knabenschule in Berlin. Berlin 1850, 8. Fr. Gerhard. Dieses schöne und treffliche deutsche Lesebuch ist für höhere Klaffen in jüdischen Schulen einmal schon darum sehr zu empfehlen, weil es in der Reihe der vorhandenen Lesebücher durch eine vorzügliche Auswahl und durch gut durchdachter Anordnung einen Ehrenplatz einnimmt, und dann weil es der erste praktische, und in der That gelungene Versuch ist, alles pietistisch Confessionelle zu entfernen und das allgemein Menschliche als das einzig wahrhaft Religiöse durch das Ganze schimmern zu lassen. Aus den jüdischen Schulen hört man oft die gerechte Klage, daß die Lesewie die Lehrbücher, selbst die besseren und besten nicht ausgenommen, von einem krankhaft christlichen und pietisteschen Odem durchzogen sind, wodurch deren Gebrauch und Anwendung in jüdischen Schulen, schon des confesionellen Gegensatzes wegen, unmöglich wird. Und die Abhilfe jüdischer Seits, welche von Jugendschriftstellern mosaischen Glaubens versucht wurde, nämlich homöopatisch, simNi8 similibus, nur jüdische Lese - und Lehrbücher gelten zu lassen, hat höchstens das Gift paralysirt, aber keine Kraft und Gesundheit gegeben. Der rein jüdisch-confessionelle Standpunkt ist ebenso verfehlt als der christliche; die jüdische wie die christliche Verdummung und Beschränkung, der mattherzige Pietismus der Synagoge wie der Kirche erzieht eine geistesschlaffe, thatenarme Jugend, ohne Begeisterung für große Weltgedanken, ohne Willensenergie zu edlen Lhaten, ohne lebensfrischen Idealismus, und was bei einer solchen Jugend aus der Zukunft wird lehrt hinlänglich die Geschichte. Wenn aber die jüdische Jugend anders werden soll, und nur diese habe ich hier im Sinne, wenn sie durch Ausbildung ihres ästhetischen, geistig-formalen Sinnes, durch Erziehung für eine allgemein-menschliche Kultur, durch Begeisterung für große Gedanken undThaten, durch Empsänglichmachung für nationale, religiöse oder kosmopolitische Ideale anders werden soll, dann muß auch auf die Lese- und Lehrbücher der Gedanke gerichtet werden. Herr H. hat dieses Lesebuch in" dem angedeutetem Sinne mit großer Tüchtigkeit ausgeführt. In den ausgenommenen Poesien und Erzählungen ist mit großem Takte auf die Form des Ausdruckes, auf die ideale erregende Seite des Gegenstandes, auf die kulturfördernden Elemente, auf tiefe nationale oder, acht religiöse Anklänge gesehen, so daß das Gelesene in dem empfänglichen Jugendgemüthe hundertfach nachklingt. Ich habe mich überzeugt, mit welcher Lust die Jugend darin liest und darnm empfehle ich es den jüdischen Schulen für diejenigen Klaffen, welche die technischen Leseschwierigkeiten bereits überwunden. Druck und Papier ist sehr schön. 21) Abtalion. Erstes Lese- und Sprachbuch für die israelitische Jugend zur Weckung religiöser Gefühle. Deutscher Theil. Mit 2 Steintafeln.— Erstes Hebräisch - Lese - Lehrbuch für die israelitische Jugend. Nach vieljährigen praktischen Erfahrungen. Von Dr. I. H. Jacobson. Zweite verbesserte und vermehrte Auflage. Breslau 1850, 8. F. E. C. Leuck'art. Herr Jacobson hat als Jugendschriftsteller für die jüdische Schule einen guten Namen, sein zweigetheiltes „Abtalion," sein „katechetischer Leitfaden," feine „450 Gebere und Lieder" m\b seine „Jugendbibliothek" haben ungetheilte Anerkennung und, insoweit es bei dem unerquicklichen lethargischen Stand jüdischer Institute möglich ist, auch Verbreitung gefunden, und da mir auf diesem kleinen engumhägten Felde 36