Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1850-08-17 · 33 (17.8.1850) · p. Spalte 525-526

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1850
Issue
33 (17.8.1850)
Date
1850-08-17
Page
Spalte 525-526 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/8555529-9891031-9891082--6503-3535935
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Studien. Literarische Miscellen. 528 Literarische Miscellen. Midrasch Unter den Agada's oder Midraschimwelche nicht Schrif- ((l.tc zum Gegenstände ihrer homiletisch-moralischen Lehren Mmmen, gehört vorzüglich der Midrasch über die Buchstaben des Alfabets, der bald als Midrasch des Akib a,1 bald als Buch über die Buchstaben von 'zkiba'' bezeichnet wird, richtiger aber Midrasch Ha-Otijjot^ d. h. ein Midrasch über die Buchstaben des Alfabets genannt, M Midrasch über die Mysterien der Buchstaben,^ oder, ,pom einmal dieses Werk auf Akiba zurückgeführt werden soll, das Alfabet des Akiba-' oder das Haggadawerk des R. Akiba, welche Benennungen auch fammtlich Vorkommen. Bevor man jedoch specieller aus den Inhalt dieses Zsgadawerkes eingehcn darf, ist es literarisch nothwendig, daß man auf die talmudischen Agada's über die Buchstaben des Alfabets einen Blick wirft. Schon von Nab wird die Sage berichtet,' daß Mose bei seinem Aufsteigen in den Himmel Gott angctroffen, Kronen .für die Buchstaben flechten8 und im Gespräche erfuhr er, duß einst nach vielen Geschlechtern ein Lehrer mit Namen Akiba den Josef ausstehen, der aus jedem Häkchen der Buchstaben ganze Massen von Halacha's herleiten wird.9 Zu der erweiterten und umgestalteten Agada darüber" heißt :i'$ specieller, daß dieser Akiba aus jedem Krön lein, der Buchstaben 365i' Erläuterungen der Lehre ableiten ,wipd. " Zn den Kinderschulen hatte man zur Belehrung der Kinder cigeinhüinliche mit Bedacht geschriebene Fibeln," fa denen man religiöse Lehren über Gott u. s. w. an die Form und an die Namen der Buchstaben knüpfte«" Aus solchen uralten Fibeln (Sifre Dawkanim), verfaßt von Kinderlehrern iDardcke"), die auch berühmte Tannaiten waren," werden große Stücke angeführt, worin die Namen der Buchstaben, deren Stellung vor- und rückwärts, deren Form und Besrandtheile zu sinnigen moralischen Lehren, zu religiösen Belehrungen , zur Einprägung philosophischer Formeln verwcn- 1) Nü'pJJ rl i&rfiD f* Ha-Palit S. 23 und 40—-45. 2) fiO'py n^DIN 'd. in den gedruckten Ausgaben. 3) rvnnwn emo. 4) nm.NnnD3 ürno. 4) *a*»py 'm rra 6) &2'pv bw rrun. k 7) Menach. 29 d; Sabb. 89a. 6) nrr))xb nnns “wp. 9) nobn bw ybn f?pl pp bo by am. 10) Otijjot c. lö iAade). 11) min 'djjd rfosy vby ioin yn )o ty. 12) Qijpin ’IDD Menach.!. c. 13) ib. ib. 14) ipmn. Sabbat 104a; j. MegMa c. l; Bereschit rab. e. 1. A. 13—15. 15) s. Tos. zu Sabb. 1. e. det wurden. Dasselbe war mit den andern gekünstelten 2Clfabeten17 dev Fall, die man ebenfalls in agadischer Weise zu deuten suchte, oder mit den Endbuchstaben des hebräischen Alfabets," mit gewissen Paarungen der Buchstaben ln dem Dekaden-Alfabetund mit einzelnen Buchstaben in'Eigennamen, in Anfängen gewisser Abschnitte der Schrift u> s. w. Aus den Kinderschulen, wo diese Art von Belehrungen nach dem ausdrücklichen Zeugniß der Talmude und Midraschim sehr früh entstanden sind, ging diese Belehrungsweise später zu den Agadistcn und Vortragenden Lehrern in den Schulen über, wie man aus zahlreichen Stellen in der talmudischen Literatur sieht, und es kann daher gar nicht auffallen, wenn schon früh specielle Sammlungen über agadische Ausdentungen der Buchstaben gemacht wurden. Kalender-Rath (1127.1 NM). Es bestand in Palästina ein Kalender - Rath, genannt Sod ha-'Jbur,1 worin viele Lehrer und Kundige der Astronomie gesessen, um für die ganze Juden heit Neumonde und Feste zu bestimmen. Als Sera nach Palästina aus Babylonien heimkehrte wurde er in dieses Kollegium ausgenommen und er freuetessich. daß er dadurch des Fluches der Diaspora, die ein solches Kollegium nicht bilden durfte, entgangen fei.3 Die Kalender-Wissenschaft an sich oder vielmehr die Bestimmungen des Kollegiums hießen Sod und es war Vorsatz, diese nicht den Heiden mitzutheilen oder vielmehr sie den Heiden zu verheimlichen (Ketubot 111 a). Die Wissenschaft heißt auch ni^Töl niöipn ni&rr d: h. die Berechnung der Jahreszeiten und der Gänge der Planeten und sie diente auch dazu, die Schöpfungsgä'nge zu begreifen (Sabbat 75a). Bar-Kappara sagt schon, daß derjenige, der diese Berechnungen machen kann und es unterläßt, die Augen vor den Wundern der Schöpfung verschließt; Jochanan hält die Wissenschaft für ein Gebot und als die Weisheit Israels vor den Völkern (ib.). * * * Wallfahrten nach Palästina (/KltS'l p^p). Das Verweilen außerhalb des Vaterlandes war ein Fluch, den schon der Seher Jecheskel ausgesprochen^ und wem es 16) Sabb. l 0. 17) 02 bx; rn ritt; yOO 0rw, Sabb. I. c. 18) Sabb. 1. c.; Beresch. rabb. 1. c. und noch an vielen andern Stellen. 19) na Dtt Scheinst rabba e. 15. 1) ND Ketubot 112 a; Jalkut zu Jecheskel 352. Das Wort -po ist in der biblischen Bedeutung (Jer. 6, 11; Ez. 13, 9) Rath, Versammlung, genommen, und -er Ueberliefcrung zufolge (Ketub.. 1. o.) soll das prophetische Ol? 1)0 (Volksrath) Ez. 13, 9 damit identisch sein; vielleicht war auch in der Lhat in früherer Zeit der „Volksrath" zugleich das Kalender-Kollegium. 2) Ketubot 1. c. , 3) ib. ib. 1) Ez. 13/ 9.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.