Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1850)
- Date
- 1850-08-17
- Page
- Seite 131 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- 131 - Zeitfragen einzulassen, deren Entscheidung dem Diener des Altars nicht zusteht, und ihm, falls er sich unbcrufcn damit befassen wellte, nur große, der Verwaltung seines heiligen Amtes abträgliche Verlegenheit bereiten wurde? Attgarn, Juli. Die Strafkontributon als Kultusfond in Ungarn. Ein peinliches Gefühl mußte auf allen Juden in Ungarn tasten, so lauge sie sich schuldlos einer Straffälligkeit unterzogen sahen .... Wenn auch Viele sich der Strafe hätten entziehen und entledigen tonnen, mußte cs doch jeden Einzelnen sehr schmerzlich berühren, d e s Glaubens wegen zur Strafe gezogen zu werden. Es. kann .daher nur als höchst verdienstlich angesehen werden, wenn das Verwaltungs-Konnte, noch bevor die neue Wendung dieser Allgelegenheit eintrat, sich auf's Aeußerste anstrcngte, das wahrhaft bedrückende einer Strafte n tr i b u t i o n hinwcgzubringen, und dafür ein Objekt hinznstellen, zu dessen Tendenz sich Jedermann willig und gerne bekennen mußte. — Ist arkch diese Tendenz von Vielen damals nur als eine sekundäre angesehen werden, jetzt tritt es als eine unabweislicheNothwenrigkeit hervor. Die Schul- und Synagogen - Zustände in Ungarn können nicht mehr so gänzlich verwaist ruld vernachlässigt wie bisher belassen werden. Jeder Jude ist Jude ans freier Wahl; von jedem einzelnen Juden hängt es ab, entweder ausznschciden aps den: Verbände seines - allgeborenen Bekenntnisses, oder dabei und darin zu beharren. Will er das Letztere, so muß er, wenn sein Gewissen nicht taub, sein Sinn für die Ehre — die doch das höchste Gut eines jeden Menschen — nicht gänzlich in ihm erstorben ist, so muß die Geltung der Konfession, welcher er angchörr, auch einen Werth für ihn haben, und cs gibt auch in der That feinen, dessen Herz nicht lauter anschlägt, wenn er Lob oder Tadel über Juden anssprechen hört. Und dennoch geschieht so wenig zur Verbesserung jener Verhältnisse, in welchen allein und ausschließlich alle Juden solidarisch verbleiben. Wie es dem Volksstamme des Ungarn überhaupt eigcnthümlich, besitzen auch die Juden da einen gesunden kräftigen Verstand; sie' sind in hohem Grade bildungsfähig. — Ist aber dieser höchste Schatz menschlichen Besitzes nicht bisher wie ein edler Stein, der roh und. ungeschliffen unbeachtet verwittert, säst völlig vernachlässigt geblieben? WaS ist bisher, mit wenigen Ausnahmen, in Ungarn zur Herstellung von Bildungsanstalten, zur Verbesserung der beinahe in Verwilderung gerathenen sittlichen Zustände Wesentliches.geschehen? Sehet hin auf eine so große Anzahl von Jünglingen, fraget sie, ob!te einen Begriff haben vom Glauben überhaupt und vom Glauben ihrer Väter insbesondere? ein großer -L-Heil dieser Jünglinge ist bald damit fertig ob schon sie ganz roh und unwissend — das was man gewöhnlich im Allgemeinen Ceremonial-Gesetz nennt, als etwas UeberftüssigeS zu -verwerfen . . Von der reinen Lehre der Religion aber fehlt ihnen jeder Begriff; woher sollten sie auch damit bekannt geworden sein! Sind ihnen, besonders den Armen, Mittellosen, den Waisen, sind ihnen etwa die Lehren der Religion auf eine faßliche Weise beigebracht worden? Und die weibliche Jugend, deren Eltern nicht bemittelt genug sind, eine sorgfältige Erziehung zu geben; für den Religions- oder sonstigen Unterricht der Töchter des Armen, der Verwaisten! Was ist bisher in Ungarn dafür geschehen? Kann dieser Zustand, soll er auch weiter so bleiben? Können diejenigen, die mit solchen Mitteln ausgestattet sind, welche hier Abhilfe bringen konnten, die Verantwortlichkeit die ihnen mit Recht zur Last fallt, können sie etwa diese Verantwortlichkeit von sich abwätzen? ' W.-B. Großbritannien. London, 29. Juli. In Nr. 30 des „Orient" befindet sich ein kurzer Bericht über die Literary- Society, die vor Kurzem sich hier gebildet hat, bei welcher Gelegenheit die Namen Vreßlan, DukeS und Schiller erwähnt sind als die, welche die Gesellschaft hervorgerufeni Erlauben Sie m'r jedoch im Interesse der Wahrheit/' daß ich hier Einiges berichtige. Daß Hrl-'; D u k'es'durch seine trefflichen Mitthcilnngen und durch seine unermüdliche Thätigkeit auf literarischem Gebiete, daß Hr. Breßlau durch sein mit großem Takte redigirtes Blatt, sehr viel dazu bcigetragen haben, unter den englischen Israeliten den Sinn für jüdische Literatur zu wecken, ist vielfach bereits anerkannt, hingegen kann Hr. Schiller, schon in dem Entbehren eines angemessenen Wirkungskreises nichts dafür gethan haben, wenn man nicht fromme Wünsche als Bethätigung ansehen will. Nächst der Berichtigung in dem Mitgetheilten ist ater auch noch Einiges zu ergänzen. Mit Fleiß und Anstrengung waren dafür vorzüglich thätig, so viel ich weiß, Rev. Levy, Chasan an der Reformsynagoge, Jos. Zedner, Seriptor am British Museum, dann noch der Literat Steinschneider, Heinrich Fandet und endlich Waller Joseph (Schn des Verf.'s des der, beiläufig gesagt, den Männern der Literatur in jeder Beziehung große Unterstützung leistet). Vorzüglich also den hier genannten Herren gehört das Verdienst, die Gründung dieses Institutes herbeigesührt zu haben, ohne daß ich hier etwa die Verdienste der Herren Dukes und Brcßlau auch nur im Entferntesten schmälern will. Der Wahrheit die Ehre! — Bei dieser Gelegenheit theile ich Ihnen auch noch mit, das die Btüthenlese Ginse Oxford nun ganz fertig ist und ich werde sehen, ob ich