Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1850)
- Date
- 1850-08-03
- Page
- Seite 124 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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124 die bekannte schon oft zur Sprache gekonunene Judenangelegenheit bis zu den äußersten Konsequenzen verfolgt. Sich stützend auf ein Ministcriaireskript, welches besagt, daß die Wiedereröffnung der iw .dem., bisher nur von .Christen bewohnten Stadttheile etabttrten Handlungen -der jüdischen Kaufleute bis. zur weitem Entscheidung zu geschehen habe: glaubt der Stadtrath befugt zn sein, die in späterer Zeit am Stradom geöffneten Etablissements schließen zu dürfen und fügt dem Beschlüsse noch den Satz bei, daß, falls die Hanscigenthnmer jene Kaufleute aus ihren Häusern entfernen würden, sie — 'die Eigenthümer — der gesetzlichen Strafe unterliegen werden. . Personalchronik und Miseellen. Fürth, Juni. Der letzte große Talmndist in unserer Madt, Herr Wolf Hamburger,. Verfasser von -)y£/ D'lpw zwei Lhoden, nbüUf nftü . |0\J3 "iJN? u. a., ist hier verstorben und mit ihn ist zugleich die Letzte Spur einer ehemaligen Jeschiba hier verschwunden» * + München, Juli. Es heißt nun, daß für den nächsten Landtag das Recht der Wählbarkeit dm Israeliten Baierns genommen werden soll. Es wäre das die Konsequenz in den reaktionären Schritten der Volksvertretung. ÄA Bier-Spießbiirgerthum kann es kaum verschmerzen, daß in der Gesetz-. Hebung zwei Israeliten, Dr. Morgensterm und.Dr. Arnheim gesessen, obgleich beide persönlich sehr geachtet sind. Nürnberg, Juli.. Der hier unter.großen.Schwierigkeiten Aufgenommene I. K y h n aus Markt-Erlbach, was zur Zelt eine, freudige Überraschung verursachte, ist noch immer nicht fest ausgenommen,, da die Bestätigung der Regierung noch immer nicht an ge langt, ist. Prerau (in Mähren). Aus den Zeitungen werden Sie über, die kleine Judenverfolgung hier vor länger als 2 Monate,, daß sogar Militär requirirt werden mußte,, erfahren haben. Es stellt sich jetzt bei der Untersuchung heraus, daß die Lokalbehörden. nicht ohne Schuld sind. * * Fra nkpeich. Das Jesuiten - Blatt L’Univers religieux berichtet mit großem Wohlbehagen, daß in Perpignan zwei junge Israeliten aus Konstantinopel das Judenthum abgeschworen, nachdem sie von der (närrischen!) Bekehrungsgeschichte des Alphonce Ratisbonne dazu verleitet worden sind. Die katholische. Bekehrungsgesellschaft sucht diese Schrift in der Türkei zu verbreiten. Jesuitismus! Vertag von S» L. Fritz sch e. Lemberg, Juli. Das hiesige Fremdenbüreau ist nach -Konfessionen eingetheilt und bei dieser Einteilung ist ein Judenbüreau zum Vorschein gekommen. Der Haß ist doch zähe! — London, Juli. Es hat sich bereits eine ziemliche Anzahl jüdisch-ungarischer Flüchtlinge hier versammelt, die zwar von den allgemeinen für die ungarische Emigration bestimmten Geldern Unterstützungen erhalten, aber die dennoch in der traurigsten Läge sich befinden, da diese Unterftützungsgelder nicht ausreichen. Zum Glück thut noch die israel. Gemeinde, auf Verwendung d>s Rabbiners und des Hrn. Breßlau so Manches. Viele sind gezwungen nach Amerika auszuwandern. * * Lemberg,. Juli. Hier erscheint eine Zeitung, genannt: „die jüdische Post, das ist eine politische und kaufmännische Zeitung" in hebräischen Lettern und rheils in hebräischer, theils in deutscher und polnischer Sprache. Die Zeitung mag für die dortige Gegend manchen Nutzen stiften, aber selbst für diese Special.ität könnte sie besser sein. * Gatogorei (in Galizien). Nach dem Berichte der jüd. Post ist dort den l2. Juni ein furchtbares Feuer ausgebrochcn, welches den größten Theil der Stadt vernichtete. Ob dieses Bcaudunglück auch Juden betroffen, wird 'dort nicht berührt. Italien. Einige Journale berichteten, daß Plus IX. in einem Schreiben den Bischof von Lu^on beglückwünschte/ daß. er in seinem Sprengel einen Juden vom Lehramte dtt Philosophie, den das Ministerium ernannt, verdrängt habe. Jesuitismus! * *' * Aus Mahren. Die Anfechtungen, welche Juden in Prerau, Olmütz, in dem Dorfe Deloplas, Straßnitz, Trebilsch, Wollein, Holleschau u. a. O, erlitten, sind nach genauer Untersuchung, zum Theil wenigstens, auch von Juden verschuldet worden. * * Bern, Juli. Abermals ein Sieg! Der Natjonalrath beschäftigte sich nach einer dreitägigen Beratung des Regnments heute mit dem Gesuch der luzerner Regierung um Aufhebung des bundesräthlichen Beschlusses für Zulassung du aargauischen Inden zu dem luzernerischen Märkten. Nach langer und.lebhafter Erläuterung wurde der Mehrheitenantrag der Kommission angenommen., der auf Abweisung dc§ Gesuches geht, weil den Juden als Schweizerbürgern gemäß der Bundesverfassung das Recht der Zulassung zukomme, mit dem Zusatz jedoch, daß dieser Beschluß künftigen Fällen nicht vorgreife.. Druck von I. H. Nagel.