Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1850)
- Date
- 1850-07-20
- Page
- Seite 116 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2360092-2360634-2360664--7124-3535872- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
doch noch im Institute sind. Die Einnahmen für 1848 ynd 1849 betrugen 3530 Thlr. 15 Sgr. 10 Pf. \ Hamburg, im Juni. Es ist hier stark im Werke, die Gestattung der Civilehe zwischen Juden und Christen durch ein Gesetz fcstznstellen. Für eine solche freilich nur beschränkte Civilehe ist die Majorität des Senats und Dr. Rießer, der überhaupt.die Sache angeregt, ist auch sehr für dieselbe thätig.. Jetzt liegt die Sache noch dem geistlichen Ministerium und dem israelitischen Vorstande zur Begutachtung vor und wie man hört, soll der Entscheid günstig sein. - Oesterreich. Nngarischbrod, 27. Juni. Ein Badegast, der heute von Teplitz hier durchreiste, erzählte nachstehendes Factum, welches sich vergangene Woche im Badeorte Teplitz zugetragen. Die Bäder in Teplitz, deren Besitzer der Baron Sina ist, waren bis zum Jahre 1848 ganz so eingetheilt, wie überhaupt die Menschen unter dem Metternich'schen System, in Hcrrschafts-, Bürger-, Judennnd Bettlerbäder. Diese meist aristokratische Verfassung währteso lange die Bäder unentgeldlich genommen worden sind. Nun müssen aber die Bäder bezahlt werden, und vor der Badekasse sind alle Conscssionen gleichgestellt. Ein gewisser Herr vom Adel konnte jedoch nicht begreifen, wie es kommt, daß ein Jude sich mit ihm in einem und demselben Wasserreservoir baden soll. Er protestirte im Bade gegen diese „Gleichberechtigung," und als ein reicher Israelit aus Troppau seinen Protest nicht beachtete, so machte es ihm der adelige Herr mit der Hundepeitsche begreiflich und trieb den starrsinnigen Juden, dessen Adel bis zu Abraham reicht, mit einer Stange aus dem Bade! Tags darauf ging der siegestrunkene adelige Herr wieder in's Bad. Was sah er da? Einen Juden! Er ersuchte den Vermessenen natürlich ganz höflich — er möchte sogleich Weggehen.. Herr B. aus Nikolsburg erwiderte aber: „Herr,/ ich will mit Jhnem baden, wenn Sie mit mir nicht baden wollen, so gehen Sie hinaus." Kaum waren die Worte ausgesprochen, greift der Sieger über Troppau nach seinem Stocke, versetzte Herrn B. einen Streich über die Schulter, dieser packte den adeligen Gegner und drückte ihn in einen Winkel. Der Lärm rief den Commissair herbei und Beide mußten aus dem Bade. Die jüdischen Badegäste finfc sehr bestürzt und haben nach diesem Vorfall zwei Tage nicht gebadet. Ich habe die Thatsache erzählt, und enthalte mich jeder Bemerkung. Pesth., im Juli. Die bekannte Angelegenheit der Strafkontribution der Israeliten in Ungarn hat eine andere Wendung genommen. Dieselbe wird nämlich aus einer Nichtkontribution in einem israelitischen Neligionsfondsbeitrag umgewandett. Das betressende Aktenstück lautet folgendermaßen: An das pesther israelitische Verwaltungskomüß. Ihr an den Hrn. Minister des Innern um Aufhebung der Strafkontribntionsmaßregeln eingereichtes Bittgesuch ist mir mit dem Bedeuten übermittelt worden, daß man geneigt wäre, jene den JSraclitengemeinden auferlegte Strafkentribution nachzusehen, daß jedoch dieselben, zufolge Einvernehmen des Hrn. Finanzministers, dafür einen Betrag von 1,200,000 fl., wenigstens 1 Mill. der k. k. Kammervcrwaltung in Ofen, einzuzahlen hätten, wovon übrigens ein eigener Kultus- und Untcrrichtsfonds gebildet und ärarlisch eigens zu diesem Zweck; verwaltet werden würde, dessen Ertragniß die Staatsverwaltung den Zwecken des israelitischen Kultus und Unterricht zu widmen geneigt ist. Diese Einzahlungen müssen in vierteljährigen Raten längstens bis letzten Oktober 1852 vollendet sein, derart, daß die erste Ratenzahlung noch im Laufe dieses Vcnvaltnngsjahres zn beginnen habe. Die Repartirnng träfe alle Judengemeinden des Landes, mit Ausnahme der ganz mittellosen, und hierbei kann auf die unterm 29. Mai l. I. mir cingereichte, hier mitfolgende Vertheilnngsart, vermöge welche die zn zahlenden Familien in zehn Klassen je nach ihren Vermögensumständen eingetheilt würden, mögliche Rücksicht genommen werden. Indern ich Dies dem Komit6 in Erledigung seines Eingangs erwähnten Gesuches zur Kenntniß gebe, fordere ich unter einem dasselbe auf, mir in kürzester Frist eine aus diesen Grundlagen, verfaßte Submission vorzulegen, welche ich dem Ministerium zur höbern Genehmigung unterbreiten würde und zn deren Ueberreichnng das Komitv sich die nöthige Vollmacht zu. verschaffen bat. Empfangen Sie die Versicherung meines Wohlwollens. Wien, 30. Juni 1850. Gehnnger. Selbst die Oesterreichische ReichSzeitung macht hierbei die Glosse: Wir finden den Zweck, weichem die Kontribution dieser Nachricht zufolge gewidmet werden soll, allerdings höchst wichtig , können, uns aber doch mit dieser Methode, einen Neligions- und Schulsonds zn biloen, nur wenig befreunden. Personalchronik und Miscellen. Erfurt. Die hiesige jüdische Gemeiude hat der freien Gemeinde die Synagoge zur Mitbenutzung überlassen. Eine erfreuliche Erscheinung. Nikols bürg. Die Israeliten hier haben einen Fond von \ Million fl. zu einer jüdisch-mährische" Rabbinen - Schule bestimmt. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.