Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 11 (1850)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1850)
- Date
- 1850-07-20
- Page
- Seite 113 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Berichte, Studien und Kritiken Das '21 bonnment auf ein Jahr ist 5 Ltilr. Man abonnivt bei allen lob!. Postämtern und allen solid. Bnchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Jahrgang. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. L e i p z ig, den 20. Juli 18 A 8. Inhalt. Neuester Fortgang im Rückschritt. Die Juristenfakultät in Breslau als Verachterin des Rechts. Die dicke Reaktion. — Deutschland. Breslau. Genesungsfeier durch Geiger- Tiktin u. a. veranstaltet. Ansichten darüber, Posen. 12. Waisen» hausbericht. Hamburg. Gestattung der (Zivilehe. — O erster ne i ch. A u s T e p l i tz. Konfessionelle Bader. Pefth. Umwandlung der Kontribution in einen isr. Kultus-Fond. Raub zu heiliges Zwecken. — Miscellen. Erfurt. Nikolsburg. — LB. d. Or. Neuer Fortgang im Rückschritt. Breslau, 2. Juli. Die Lehren der ch-Zeitung tragen bereits ihre Fruchte; die Reaktion ist unermüdlich, ist energisch, aber die Wahrheit wird doch siegen. Die hiesige Juristen - Fakultät hat den Dr. phil. Julius £ eimann, Sohn des hiesigen Vorstehers der jud. Gemeinde E. H e imann, zum juristischen Doktor-Examen nicht zugelassen. Da solche Schritte der Reaktion für uns Israeliten sehr bedeutsam und, verha'ngnißvoll sind, so erlaube ich mir Ihnen den tressl'chen Leitartikel mitzutheilen, den die neue Oder- Zeitung von Dr. Fr. bringt, da er vollständig und klar diesen Gegenstand bespricht. Es versteht sich von selbst, daß von dem betreffenden bei dem Kultus-Ministerium rcmonstrirt wird, und ich werde Ihnen das Resultat mittheilen. Der Artikel lautet: „Sämmtliche hiesige Zeitungen brachten wiederholentlich „drei Fragen" über die Zulassung der Protestanten oder der Juden zur Erwerbung der Würde eines Doktor beider Rechte. Herr Prof. Wilda sah sich sogar aus anerkennenswerther Absicht dazu veranlaßt, sein desfaUsiges nnni> 1847 an das Kultusministerium Eichhorn abgestattetes Votum in Nr. 175 der Brest. Z. zu veröffentlichen. Die Leser mögen sich nicht wenig über die Bedeutung dieser Antiquitäten in unseren Tagen gewundert haben. Mancher glaubte vielleicht, der Streit stehe im engen Zusammenhang mit dem heftigen Religionskrieg, der zwischen dem evangelischen und dem katholischen Centralverein in unserer Stadt ausgebrochen. Aber dem ist nicht so. Die „Fragen" betreffen durchaus keinen mü'ssigen Gelehrtenstreit, sondern es liegt ihnen auffallender Weise ein gegenwärtiges Faktum zu Grunde Das Jahr 1850 soll nicht nur den Rechtsboden der Bundesakte, sondern sogar den des §. 91 des Reglements für die hiesige juristische Fakultät wieder Herstellen. — „Die juristische Fakultät der Königlichen Universität zu Breslau" beschloß nämlich am 22. d. M.: „Daß die Ertheilung der Würde eines Doktor des Rechts, und zwar des jus civiie eben sowohl, als des jus canonicum an einen Bekenner der Mosaischen Religion für unstatthaft und mit der ursprünglichen Bedeutung, so wie der geschichtlichen Entwickelung dieser akademischen Würde, überhaupt mit dem Kern aller Grundlagen unseres gesummten Rechtszustandes für unvereinbar zu erachten ist." Dieser Beschluß ist, auch abgesehen von den Rechten der Juden, von großer Wichtigkeit. Die Fakultät hatte nämlich, ehe sie dies merkwürdige Konklusum faßte, bald nach der Bewerbung des betreffenden Kandidaten um Zulassung zum desfallsigen Examen, die tiefsinnige Frage an das Ministerium gerichtet, ob der §* 12 dev Verfassung, welcher den Juden die volle bürgerliche uud politische Gleichstellung gewährleistet, auch so durchgreifend auszulegen sei, daß einem Juden die akademische Würde eines Doktor beider Rechte ertheilt werden könne? Das Ministerium hat, wie zu erwarten stand, sofort die Frage bejahend beantwortet und gleichzeitig eine von dem jüdischen Doktoranden zu leistende Eidesform angeordnet. Was that die Fakultät? Sie hat gegen diese Berord- 29